Augenzeuge

„China hat Obama bewusst gedemütigt“

Ein Augenzeuge hat über die Hinterzimmer-Verhandlungen beim Kopenhagener Klimagipfel ausgepackt: Seinen Schilderungen zufolge hat China die entscheidenden Verhandlungen komplett blockiert und dabei unter anderem Kanzlerin Angela Merkel zur Verzweiflung getrieben. Beispielsweise habe China zu US-Präsident Barack Obama nur einen zweitrangigen Diplomaten geschickt.
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US-Präsident Barack Obama wurde einem Beobachter zufolge von China bewusst gedemütigt. Quelle: ap

US-Präsident Barack Obama wurde einem Beobachter zufolge von China bewusst gedemütigt.

(Foto: ap)

HB KOPENHAGEN/LONDON. In der britischen Tageszeitung "The Guardian" berichtete der Journalist Mark Lynas am Mittwoch, wie er als "Delegierter" eines beteiligten Staates bei den Sondierungen mit US-Präsident Barack Obama, der kompletten EU-Spitze und weiteren Staats- und Regierungschefs erlebt habe, dass China "die Gespräche ruiniert und Obama bewusst gedemütigt hat".

Obama war erst zum letzten Tag des Gipfels angereist und sondierte bis in den Abend bei hastig improvisierten Gesprächen Möglichkeiten für einen Kompromiss vor allem mit China. Lynas berichtete, dass die Chinesen zu diesen Gesprächen unter Leitung des dänischen Regierungschefs Lars Løkke Rasmussen lediglich einen "zweitrangigen Diplomaten" schickten. Anwesend waren dagegen Obama sowie unter anderen Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon, Merkel, der britische Premier Gordon Brown, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Äthiopiens Ministerpräsident Meles Zenawi.

Weiter hieß es in dem Bericht: "Mehrere Male wurden die mächtigsten Staatschefs der Welt zum Warten gezwungen, weil der chinesische Vertreter erst einmal vor der Tür mit seinen Vorgesetzten telefonieren musste." Immer wieder habe die Pekinger Führung auf diese Weise Vorschläge für ein Kopenhagener Kompromiss-Abkommen zurückgewiesen.

So hat China dem "Guardian"-Bericht zufolge sogar verhindert, dass die Industriestaaten in der unverbindlichen Kopenhagener Vereinbarung ihr Fernziel von 80 Prozent weniger CO2-Emissionen einbringen konnten. Das habe die "wütende Merkel" zu der Frage veranlasst: "Warum dürfen wir noch nicht mal unsere eigenen Ziele erwähnen?" Australiens Regierungschef Kevin Rudd habe zornig auf sein Mikrofon geschlagen und Brasiliens Vertreter den "Mangel an Logik" in der chinesischen Position moniert. Auf das erneute "Nein" des Vertreters von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao habe "Merkel verzweifelt die Arme in die Luft geworfen und den Punkt aufgegeben".

Der am Samstag angenommene Kompromiss in Kopenhagen stellt keinen Uno-Vertrag dar, sondern nur eine unverbindliche Absichtserklärung von 193 Staaten. Fast alle vorher angestrebten Festlegungen auf die Verminderung der für das globale Klima bedrohlichen Treibhausgase fehlen. Das Ziel, den Anstieg der Temperatur auf maximal zwei Grad zu begrenzen, wird lediglich "zur Kenntnis genommen".

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24 Kommentare zu "Augenzeuge: „China hat Obama bewusst gedemütigt“"

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  • Zitat: "Journalist Mark Lynas ... wie er als Delegierter ... bei den Sondierungen mit US-Präsident barack Obama ... erlebt habe, dass China die Gespräche ruiniert und Obama bewusst gedemütigt hat".

    Diese Wertung scheint die Sichtweise eines der letzten Opiumkrieger statt eines Delegierten zu sein. Richtig ist dagegen, dass Kopenhagen leider von Nationalegoismen dominiert worden ist.

    Das Verhältnis zwischen USA und China ist seit Jahren durch wachsende wechselseitige Abhängigkeiten entscheidend geprägt. Vermutlich werden sich die transpazifischen Verflechtungen weit schneller entwickeln als die transatlantischen. Zwei Voraussetzungen könnten dies - unabhängig voneinander - begünstigen:

    1. Der größere politische Pragmatismus der USA im interesse der eigenen Wirtschaft und

    2. Die Unterordnung der qualitativen Fragen des europäischen Prozesses unter die quantitativen.

    Wenn sich Europa selbst keine staatliche oder staatsähnliche Perspektive gibt und weiterhin unter historischen Lasten (z. bsp. Polen-Rußland-Konflikt) ächzt, statt Synergien auszuschöpfen, könnte es an den Rand globaler Aufmerksamkeit geraten. Kopenhagen sollte in Europa primär als Warnzeichen rückläufiger politischer bedeutung gewertet werden. Mark Lynas ignoriert das. Dieses Unverständnis stärkt europäische Positionen nicht, sondern erweckt Erinnerungen an das düstere Kapitel des britischen Kolonialerbes in indien und China. Solange England den Untergang des Empires mental nicht überwindet, fokussiert es sich zuwenig auf die Wiedergewinnung der ehemals herausragenden bedeutung als innovations- und Produktionsstandort.

  • Auch mein Dank an China.
    Klimaforschung ist doch langweilig. Wer interessiert sich denn wirklich daführ? Die Prognosen waren erfahrungsgemäß immer total daneben.
    Darunter leiden bestimmte Klimawissenschaftler.
    bereitet man aber dieses Feld apokalyptisch auf, erlangt man nahezu religiöse Macht.

  • im Grund genommen eine geniale Geschäftsidee, mit CO2-Zertifikaten ließen sich Abermilliarden verdienen, aber leider, leider - fast hätte es ja in Koppenhagen geklappt. Jede Wette, dass hiervor Heerscharen von Politikern sowie deren Familienagehörigen, Freunde und Unterstützer ernährt werden könnten. Vielen Dank, liebes China - hätte nie gedacht, Euch mal überhaupt dankbar zu sein, danke, danke danke! Wer an den menschengemachten Klimawandel glaubt, dem ist ohnhin nicht mehr zu helfen. Mit einer Ausnahme: die entsprechende Meinung füllt seine Taschen mit Gold (wer weiß, vielleicht überlege ich mir´s dann auch nochmals anders)!

  • Mensch Freunde nicht so aufbegehren,

    das Öl wird wieder wie gewohnt teuer wenn es soweit ist und dann büßen wieder die deren Autos zu viel schlucken, die Lebensmittel haben wieder angemessene Preise und die lokale Landwirtschaft gewinnt langsam wieder an bedeutung.
    Fahrradverkäufer werden sich freuen und die bahn sowieso.
    Und erst die bauindustrie zur Sarnierung unserer maroden Gebäudestrukturen, die lachen sich schon jetzt ins Fäustchen. Wie die Finanzwelt immer behauptet, der Markt reguliert sich von selbst, man kann sich nicht mehr leisten als man hat und selbst die Chinesen brauchen erst genug Wohlstand um sich mit Problemen wie Umwelt etc. zu befassen.

    Grüße

  • Der wirkliche Sieger im Vietnamkrieg war nicht Vietnam, sondern China. Jede amerikanische Regierung dürfte sich darüber im Klaren sein. im Westen wird uns seit Jahrzehnten eine mediale inszenierung präsentiert, die letztlich dem Zweck dient, mehr Geld aus den Steuerzahlern herauszupressen. So verhält es sich auch mit der angeblichen Klimaerwärmung. Ehe wir uns versehen, wird der arbeitende Teil der bevölkerung eine CO2 Abgabe entrichten müssen. Schauen wir etwas zurück: erst baumsterben, dann Ozonloch, CO2 und zuletzt die wahnsinnig gefährliche Schweinegrippe. Welches Märchen wird uns als nächstes aufgetischt? Die bäume sind immer noch da. Aber wir zahlen eine saftige Mineralölsteuer. Um zum Anfang zurück zu kommen. Der Leser erinnert sich vielleicht noch an den kurzen, aber heftigen Krieg zwischen Vietnam und China vor etwa 30 Jahren? Unsere Westmedien haben das Geschichtchen als eine Niederlage Chinas verkauft, weil es sich scheinbar unerwartet wieder hinter die Grenze zurückzog. Die Wahrheit ist eine andere: Vietnam ist in Folge dieses Ereignisses brav aus Kambodscha abgezogen und hat sich von allen Großmachtplänen verabschiedet. in Kopenhagen präsentiert sich China die einzige instanz, die den CO2-Schwindel stoppt. Die westlichen Steuerzahler sollten dankbar sein. Entschuldigung, dass ich so zwischen den Themen hin und her springe, das muss irgendwie an meiner Schweinegrippe liegen. Quelle zu Vietnam/China: Der Tod im Reisfeld v. Peter Scholl-Latour.

  • Ach, was ich noch sagen wollte. Es lohnt sich, deutsche industriegeschichte zu lesen, -die Gründerjahre-. Kinderarbeit, Wanderarbeiter und Umweltverpestung ohne Ende. Erst Ende der 60er Jahre war der Himmel über der Ruhr wieder blau.
    Und weil der Arbeiter zu viele Kinder produzierte, ließ der Eiserne Kanzler in den Arbeitervierteln bordelle einrichten. Da begann die Emanzipation der Frau vom 8. Hinterhof her.
    in diesem Sinne wünsche ich allen Foristen, wie auch den Mitarbeitern des Handelsblattes, ein frohes Weihnachtsfest.

  • was reden hier alle immer von china oder usa,als die grössten umweltsünder?deutschland ist das schlimmste in bezug auf vergewaltigung der umwelt,45 mio autos,bei 80 mio einwohnern.porsche mit 20 litern verbrauch,basf als der grösste produzent von plastik ingriedenten.fragt sich nur, wer den ganzen schrott erfunden,exportiert oder verkauft hat,damit usa und china dann mal 20 jahre später damit anfangen,die palette nachzubauen ?p.s.in usa oder china sind pseudo debatten um die umwelt kein thema.nur in deutschland,während sie in den dicksten häusern sitzen,1200 km südlich vom polarkreis und ordentlich heizen und den drittwagen,der ja nur 3 liter verbraucht ,in der garage haben!der chinese lebt auf 4m2 wohnfläche und will nicht mit der kreditkarte die besichtigung einer favela bezahlen,wie unsere euro-hippies ,bei 10.000 km anreise.das ist alles ein witz.in mex-d.f kann man gar nicht mehr zwischen jan-maerz in den strassen gehen so schlimm ist der zustand ,und hier,in buenos aires ,sind heute um die 300 ozon werte,sind ja nur 40.000 diesel busse,mercedes.....made in....,und wer noch zweifel hat ,an was die klima veränderung den liegt,der kann ja einen langzeit urlaub in sao paulo machen,damit ihm nicht langweilig wird,empfehle ich downtown,da ist nachts schön action,in bezug von sicherheit,weil den deutschen ja sonst so langweilig ist,aber vor den blonden,habt keine angst,die sitzen ja im panzerwagen und wollen niemanden überfallen...

  • Vielleicht sind die Chinesen (immerhin eine Kultur weit über 2000 Jahre alt; wir lagen damals noch im Dreck) nicht so hysterisch "gläubig" an den CO2 Teufel (Gott). Vielleicht wissen deren nicht-faschistischen Wissenschaftler mehr über den Klimawandel. ich würde darüber mal nachdenken!

  • "wir fördern das durch unser Konsumverhalten"

    Hm... nur teilweise richtig! Gehen Sie doch mal in ein Kaufhaus und versuchen Sie, bei bestimmten Artikeln oder Artikelgruppen etwas aus deutscher oder auch nur aus NiCHTchinesischer Produktion zu kaufen! Da gibt es oft überhaupt keinen oder fast keinen namhaften europäischen Herstellungsbetrieb mehr, z.b. bei Sportschuhen, manchen Werkzeugen, Geschirr, Spielwaren, Möbeln, Fliesen, bodenbelägen aus Granit, medizinischen Geräten, Hygieneartikeln, Folienabdeckungen für Op.-Tische usw. usw...!
    Warum? Weil manche Artikel und Materialien ZOLLFREi so billig und schiffsladungsweise hier reinkommen, daß nicht mal mehr betriebe z.b. in der Tschechei usw. mehr mit diesen Lohnkosten in China mitkommen.

    UND "WER HAT"S ERFUNDEN"?
    (Das "ZOLLFREi" meine ich!)
    Natürlich die Politik, die die Einfuhrzölle auf bestimmte Artikel nach politischem Druck Chinas abgeschafft hat!

  • China ist unsere Hoffnung in einer Welt voll idiotie, weiter so !

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