Aus Protesten werden Krawalle: Demonstranten stürmen Verwaltungssitz in Sarajevo

Aus Protesten werden Krawalle
Demonstranten stürmen Verwaltungssitz in Sarajevo

Die Proteste gegen die hohe Arbeitslosigkeit in Bosnien eskalieren. Nun sind wütende Aktivisten in Verwaltungsgebäude eingedrungen – und legten Feuer. Auch das Präsidialamt wurde angezündet.
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Sarajevo/TuzlaIn Bosnien haben sich die Proteste gegen die Regierung zu den schwersten Unruhen seit dem Krieg von 1992-95 ausgeweitet. Den dritten Tag in Folge folgten am Freitag landesweit Tausende den unter anderem über Facebook verbreiteten Protestaufrufen und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. In mehreren Städten wurden Regierungsgebäude in Brand gesetzt. Die Polizei ging mit Tränengas, Gummigeschossen und Blendgranaten gegen die Demonstranten vor. Die Regierung kam zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen und rief die Demonstranten zu Verhandlungen auf.

Auslöser der seit Mittwoch anhaltenden Proteste sind die schlechte Wirtschaftslage und die hohe Arbeitslosigkeit. Bosnien hat mit 27,5 Prozent die höchste Arbeitslosenquote auf dem Balkan. Eine wirtschaftliche Erholung wird dadurch erschwert, dass wirtschaftliche und politische Posten nach einem Quotensystem unter den drei Volksgruppen Serben, Kroaten und Bosniern vergeben werden müssen.

Demonstranten setzten auch einen Trakt des Präsidialamtes in der Hauptstadt Sarajevo in Brand. Ein Reuters-Reporter berichtete, Regierungsgegner hätten Fenster in dem Gebäude eingeworfen und eine Fackel ins Innere geworfen. Die Polizei habe versucht, die Demonstranten mit einem Wasserwerfer auseinanderzutreiben. In Tuzla, das in den vergangenen Jahren nach der Privatisierung von Unternehmen besonders stark von Fabrikschließungen betroffen war, bewarfen die Demonstranten die Stadtverwaltung mit Steinen und zündeten das Gebäude an. Um den Flammen zu entkommen seien mehrere Menschen aus den Fenstern gesprungen, berichtete ein Reuters-Fotograf. Vor dem Gebäude lieferten sich die Demonstranten eine Straßenschlacht mit der Polizei. Dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens acht Menschen verletzt.

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„Das ist ein echter bosnischer Frühling“

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