Ausbau von Infrastruktur
Fußball beschert Polen viel Betongold

Polen ist seit Jahren Europas größte Baustelle. Allein für die Fußball-EM hat das Land 22 Milliarden Euro in Infrastrukturmaßnahmen investiert. Das soll sich nun langfristig bezahlt machen.
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Berlin/WarschauZur Fußball-Europameisterschaft, der ersten in Osteuropa, wurden bis zum Eröffnungsspiel am 8. Juni Straßen geteert, Beton gegossen, Wände gemauert. Umgerechnet 22 Milliarden Euro hat Polen in die Vorbereitung der EM gesteckt. Das Geld floss in neue Autobahnen, renovierte Bahnhöfe, nagelneue Flughäfen, Hotels und Stadien. Finanziert wurde ein Großteil dieser Infrastrukturprojekte aus EU-Fördermitteln.

Viele Beobachter und Kommentatoren polnischer Zeitungen weisen darauf hin, dass diese ohnehin anstehenden wichtigen Infrastrukturmaßnahmen ohne die EM nie so schnell vorangekommen wären. Positiver Nebeneffekt der effizienten Abrufung von EU-Mitteln aus Brüssel: Während andere Länder in den Strudel der Wirtschaftskrise gerieten, bauten die Polen gegen den Abschwung an. Nun wollen viele ost- und südeuropäische Länder von Warschau lernen, wie man Brüsseler Geld so sinnvoll einsetzt, dass es Wachstum generiert.

Eine Million Touristen soll die Europameisterschaft anlocken. Das Warschauer Fremdenverkehrsamt setzt darauf, dass sich das Land den neuen Gästen so attraktiv präsentieren kann, dass sie gerne wiederkommen. So sollen die Einnahmen dauerhaft gesteigert werden. Zudem schaffe das Turnier Zehntausende neuer Jobs, verspricht Vizearbeitsminister Jacek Mecina.

Die Warschauer Handelshochschule hat ein zusätzliches, von den Megainvestitionen zur EM getriebenes Wachstum des polnischen Bruttoinlandsprodukts von sieben Milliarden Euro errechnet. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut sieht in einer neuen Studie auch einen Imagegewinn: „Mit der Ausrichtung eines Mega-Events wie der Fußball-EM gerät ein Land, das vorher ein weißer Fleck auf der Landkarte der globalen Wirtschaft war, oftmals erst in das Bewusstsein von Investoren und Konsumenten.“

Deutsche Firmen zählten schon vor Anpfiff der Europameisterschaft zu den Gewinnern, da sie kräftig an den gewaltigen Infrastruktur-Aufbauleistungen in Polen und der Ukraine teilhatten. Das belegen vom Statistischen Bundesamt vorgelegte Zahlen. So entwarfen deutsche Architekten das neue Nationalstadion in Warschau und die nach dem polnischen Stromriesen PGE benannte Arena in der Ostseestadt Danzig. Eine bayerische Baufirma errichtete die neue Arena in Breslau.

Und die deutschen Firmen, die stark zwischen Ostsee und Hoher Tatra investiert haben, sind sehr zufrieden mit dem Standort: Laut der jüngsten Konjunkturumfrage der Auslandshandelskammer in Warschau würden sich 95 Prozent der ausländischen Investoren wieder für Polen entscheiden, wenn sie erneut einen Investitionsstandort wählen müssten. Das ist der Spitzenwert unter allen osteuropäischen EU-Ländern.

Nur noch fünf Prozent der befragten Firmen würden nicht nochmals an Oder oder Weichsel investieren, 2010 waren es noch doppelt so viele. Polen kam bei der Bewertung von 22 Standortfaktoren auf 4,64 von maximal sechs Punkten - mehr als China (4,27 Punkte) und Deutschland (4,23 Punkte).

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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