Auschreitungen
Griechenland: Blumen und Brandflaschen

Die Lage in Griechenland beruhigt sich – gleichwohl dauern die Ausschreitungen an. In Athen waren Autonome mit Brandflaschen und Feuerwerkskörpern. Doch es gibt auch noch ein friedliches Bild der Proteste: Tausende meist junge Leute gingen gewaltfrei auf die Straße. Und die Polizei verteilte Blumen.

HB ATHEN. Nach einer weiteren Nacht mit Ausschreitungen rund um die technische Universität ist am Sonntagmorgen in Athen wieder Ruhe eingekehrt. Bis in die frühen Morgenstunden hatten Randalierer im Stadtviertel Exachria, das als Hochburg von „Autonomen“ gilt, mit Brandflaschen, Feuerwerkskörpern und geworfen. Dagegen protestierten bis spät in die Nacht zum Sonntag tausend meist junge Leute friedlich gegen den Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos vor einer Woche.

Die Ausschreitungen blieben weitgehend auf das Exachria-Viertel beschränkt, in dem es seit Jahren immer wieder zu Randale kommt. In der Nacht zum Sonntag zerstörten dort Angreifer die Fassaden von drei Banken und drei Geschäften. Zudem warfen sie im angrenzenden Zentrum Athens Brandflaschen auf Polizisten, die ein Büro des Umweltministeriums bewachten. „Die Lage hat sich beruhigt“, teile ein Polizeisprecher am späteren Morgen mit.

Vor dem Parlament versammelten sich am Samstagabend rund 1.000 Menschen. Sie ordneten Kerzen auf dem Pflaster zum Namen „Alex“ an - der 15-jährige Alexandros Grigoropoulos ist nach den tödlichen Polizeikugeln vom 6. Dezember zur Symbolfigur der Aufstandsbewegung geworden. Jetzt wollen sie solange auf den Straßen bleiben, bis sie mit ihren Forderungen gehört werden - darunter ein Rücktritt der konservativen Regierung und eine neue Wirtschaftspolitik. „Als Anarchisten wollen wir soziale Bedingungen schaffen, die mehr Aufstände erzeugen und mehr Leute auf die Straße bringen“, sagte der 32-jährige Paris Kyriakides. „Letztlich ist die Gewalt, die wir einsetzen, minimal im Vergleich zur Gewalt des Systems, wie sie etwa von den Banken eingesetzt wird.“

Für die 16-jährige Schülerin Veatriki ist jeder Stein, der in eine Schaufensterscheibe oder auf ein Auto geworfen wird, ein Signal, dass ihre Stimme endlich gehört wird. Es gehe auch darum, dass die an dem Tod von Grigoropoulos beteiligten Polizisten bestraft würden und dass die Polizei entwaffnet werde.

Im Stadtteil Kypseli versuchten Polizisten das gestörte Verhältnis zu den Bürgern wiederherzustellen. Sie verteilen auf der Straße Blumen an die Passanten, wie das Fernsehen zeigte. Auch in der Hafenstadt Patras und in der zweitgrößten Stadt Thessaloniki hatten am Samstag rund 4000 Menschen gegen Polizeigewalt demonstriert.

Die Umstände des tödlichen Vorfalls sind noch nicht restlos geklärt. Die beiden beteiligten Polizisten wurden verhaftet und wegen Mordes beziehungsweise Beihilfe dazu angeklagt.

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