Auseinandersetzung um korsische Fährgesellschaft
Französische Sondereinheit stürmt gekaperte Fähre

Die französische Marine und eine Sondereinheit der Gendarmerie haben eine Fähre gestürmt, den korische Seeleute am Dienstag in Marseille gekapert und vor den Hafen von Bastia entführt hatten. Die Besetzung hatte keinen kriminellen Hintergrund - es ist eher ein Arbeitskampf.

HB BASTIA. Rund 50 vermummte Gendarmen der Sondereinheit GIGN, die mit der deutschen GSG 9 vergleichbar ist, seilten sich am Mittwochmorgen von fünf Hubschraubern aus auf das gekaperte Fährschiff "Pascal Paoli" ab, das vor der Hafeneinfahrt der korsischen Hafenstadt ankerte. Nach zehn Minuten hatten die Polizisten das Schiff unter ihre Kontrolle gebracht.

Die in Marseille von gewerkschaftlichen "Piraten" gekaperte Fähre nahm Kurs aufs Festland. "Operation rundum geglückt", lobte Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie. Die Kommandoaktion der Sondertruppe war ein neuer Höhepunkt in dem aus den Fugen geratenen Konflikt um einen Verkauf der hoch defizitären Korsikafähren-Gesellschaft SNCM. Die Seeleute der nationalistischen korsischen Gewerkschaft STC hatten das Schiff der SNCM gekapert, um sich gegen einen Verkauf der staatlichen Reederei an den Investmentfonds Butler Capital Partners zu wehren.

"Wir bringen korsisches Arbeitsgerät nach Korsika zurück“, hatte STC-Chef Alain Mosconi den Piratenakt begründet. Auch ein von den französischen Medien heftig kritisiertes Zugeständnis der Pariser Regierung, die jetzt doch Minderheitseigentümer dieser Gesellschaft bleiben will, beruhigte die Gemüter nicht. Nachts kam es in der korsischen Stadt Bastia zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Korsen und Polizei. Ordnungshüter antworteten mit Tränengaseinsätzen auf Wurfgeschosse.

Die "Meuterei im Mittelmeer", wie das Boulevardblatt "Le Parisien" schrieb, könnte die Entführer der Cargo-Fähre teuer zu stehen kommen. Noch am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft Marseille ein Verfahren gegen die "Piraten" eingeleitet, die die Offiziere des Schiffes zum Auslaufen gezwungen hatten. Würde das juristisch einer Flugzeugentführung gleichgesetzt, drohten den aufmüpfigen Gewerkschaftlern bis zu 20 Jahre Haft. Justizkreise haben indessen deutlich gemacht, die „Piraten“ könnten mit Milde rechnen - weil es an Bord keine Gewalt gab und es um einen Sozialkonflikt geht. Allerdings begannen die Mühlen der Justiz schon bei der Rückfahrt zu mahlen. Ermittler befragten die Offiziere nach den Rädelsführern des Kaper-Unternehmens, um diese noch an Bord in Gewahrsam zu nehmen.

Es ist bei weitem nicht der erste Sozialkonflikt um den Fährverkehr vom Kontinent zu der französischen „Insel der Schönheit“. Zu der Aktionsbereitschaft der französischen Gewerkschafter, die auch schon mal einen Arbeitgeber in seiner Fabrik in „Geiselhaft“ nehmen, trat erneut das nationalistische Denken der Korsen „gegen die da oben in Paris“. Und bezeichnenderweise trägt das gekaperte Schiff stolz den Namen des auf ganz Korsika hoch verehrten Patrioten Pascal Paoli.

Die SNCM war im vergangenen Jahr mit knapp 30 Millionen Euro in den roten Zahlen. 2005 dürfte der Verlust noch höher ausfallen. Der Investmentfonds Butler Capital Partners will das Staatsunternehmen für 35 Millionen Euro übernehmen und bis zu 400 der 2400 Stellen abbauen. Die Gewerkschaft CGT verlangt Staatshilfe für die Reederei.

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