Auslandsinvestitionen
Attraktivität Brasiliens als Standort wächst

Das Interesse an Brasilien als Investitionsstandort ist wieder erwacht. Die deutschen Direktinvestitionen werden sich in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln. Für die nächsten zwei bis fünf Jahre erwarteb deutsche Unternehmen außerhalb Europas die größte Dynamik in der Geschäftsentwicklung in Lateinamerika, vor allem in Brasilien und Argentinien.

BLUMENAU. „Wenn Deutsche vor 150 Jahren den Mut hatten, nach Brasilien zu emigrieren und Land und Wirtschaft zu entwickeln, dann sollte es ihnen heute viel leichter fallen“, forderte der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva bei der Eröffnung der 25. Deutsch-Brasilianischen Unternehmertage die deutsche Wirtschaft auf, im größten Land Lateinamerikas zu investieren. Die deutsche Wirtschaft braucht diese Aufforderung nicht: Die Direktinvestitionen in Brasilien werden sich in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln. Bis September investierten deutsche Konzerne in Brasilien nach Angaben des brasilianische Ministeriums für Industrie und Außenhandel 1,5 Mrd. Dollar.

Die rund 250 aus Deutschland angereisten Unternehmer mit Wirtschaftsminister Michael Glos an der Spitze bestätigten im südbrasilianischen Blumenau das wieder erwachte Interesse an Brasilien als Investitionsstandort. „Eine neue deutsche Investitionswelle rollt heran“, sagt Armando Monteiro Neto, Präsident des brasilianischen Industrieverbandes CNI. „Wir erleben eine eindeutige Trendwende“, beobachtet Rolf Acker, Präsident der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer in São Paulo: „Nach den Großunternehmen in den siebziger Jahren und der Autoindustrie in den Neunzigern kommen jetzt kleine und mittlere Unternehmen.“

Umfragen unter den Auslandskammern bestätigen diesen Trend: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) stellt fest, dass deutsche Unternehmen für die nächsten zwei bis fünf Jahre außerhalb Europas die größte Dynamik in der Geschäftsentwicklung in Lateinamerika erwarten, vor allem in Brasilien und Argentinien – so eine gerade veröffentlichte Analyse. Brasilien lockt als Wachstumsmarkt: Die zehntgrößte Volkswirtschaft erlebt derzeit die längste Wachstumsperiode seit dreißig Jahren.

Als Rohstofflieferant nach Fernost sind brasilianische Unternehmen sehr erfolgreich. Deutsche Dienstleister und Zulieferer wollen auf den Zug aufspringen: In den Branchen Logistik, Energie, Umwelt, Bau und Agro besteht ein großer Zukunftsmarkt. Zumal das Land in den nächsten Jahren gewaltig in seine Infrastruktur investieren wird. Denn dort herrscht nach vielen Krisenjahren ein immenser Nachholbedarf. Auch die Autoindustrie produziert an der Kapazitätsgrenze. Rund ein Drittel der Wertschöpfung der brasilianischen Autobranche erwirtschaften deutsche Konzerne und Zulieferer. Die Fußballweltmeisterschaft 2014 hat die Attraktivität Brasiliens für Investoren zusätzlich erhöht.

Auch Schwierigkeiten in anderen Weltregionen lassen deutsche Unternehmer wieder nach Südamerika schauen: „Viele Mittelständler sind enttäuscht vom Geschäft in China“, beobachtet Markus Utsch aus dem Wirtschaftsministerium, „Brasilien ist wieder eine Alternative für Investitionen geworden.“

Während die deutschen Konzerne nach dem Krisenjahr Brasiliens 2002 zögerten, dort zu investieren und lieber nur exportierten, spüren sie nun, dass diese Strategie an Grenzen stößt: „Der klassische Export nach Lateinamerika wird immer schwieriger“, fasst der DIHK die Erfahrungen unter den Mitgliedern zusammen. Denn einerseits stecken die biregionalen Verhandlungen zwischen Brasilien und dem südamerikanischen Binnenmarkt Mercosur mit Europa fest. Andererseits ist die brasilianische Regierung an Forschung und Technologietransfer interessiert und erschwert Unternehmen den Marktzugang, die nur exportieren wollen.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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