Auslandsinvestitionen
Bagdad lockt deutsche Firmen an

In der Wirtschaftskrise suchen deutsche Unternehmen neue Märkte – und finden sie trotz unsicherer Sicherheitslage ausgerechnet im Irak. Etliche Industriekonzerne wagen Investitionen in der Krisenregion: Neben Siemens will jetzt unter anderem auch Daimler die Produktion im Irak aufnehmen.
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BERLIN. Deutsche Firmen wagen sich auf der Suche nach neuen Absatzmärkten in der Wirtschaftskrise immer stärker in den Irak. „Deutsche Unternehmen lassen sich durch die Sicherheitslage nicht entmutigen, sie sind am Irak interessiert“, sagte der neue Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gestern auf dem 1. Iraq Investment and Business Forums in Berlin: „Ich will unsere Außenwirtschaft nach Kräften unterstützen“, kündigte er an und versprach, „möglichst früh“ mit einer Unternehmer-Delegation in den Irak zu reisen.

„Es gibt ein ganz klar wachsendes Interesse deutscher Unternehmen an einem Engagement im Irak“, sagte der Nahost-Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Felix Neugart, und fügte als einen Grund hinzu: „Die Sicherheitslage dort stabilisiert sich und in anderen Ländern, auch der Region, läuft es nicht mehr so optimal.“

Bagdads Industrieminister Fawzi Al-Hariri lobte die bereits geschlossenen Verträge und Absichtserklärungen: „Einige deutsche Unternehmen sind schon im Irak, aber es läuft noch zu langsam, vor allem der deutsche Mittelstand fehlt“, sagte Hariri dem Handelsblatt. Vor allem die Parlamentswahl Mitte Januar werde zu deutlich mehr Stabilität führen, weil alle relevanten Gruppen inzwischen daran teilnehmen wollten „und das zu einer sehr starken Regierung führen wird, die dann nach dem Ende des Besatzungsregimes 100-prozentig legitimiert ist“.

Auch im Nahost-Geschäft erfahrene Berater wie Toby Chinn, Irak-Direktor des Sicherheitsunternehmens Control Risks, sehen ein stark wachsendes Interesse am Irak: „Bei uns steigen die Anfragen deutscher und westlicher Firmen nach Vorbereitungsplanungen für einen Firmeneintritt in den Irak enorm an“, sagte Chinn. „Der Irak bietet so gewaltige Möglichkeiten, dass deutsche Firmen einen Markteintritt sehr genau prüfen sollten.“

Neben einem 1,5 Mrd. Euro umfassenden Auftrag des irakischen Elektrizitätsministeriums zum Ausbau der Stromversorgung an Siemens haben bisher MAN und Daimler erklärt, Lkw-Montagewerke im Irak aufbauen zu wollen. Nach Informationen aus unternehmensnahen Kreisen hoffen die Stuttgarter, bereits vor den Irak-Wahlen die Produktion aufnehmen zu können und haben bereits irakische Mitarbeiter dafür geschult. Zudem haben laut Unternehmensberatern zuletzt auch ABB, Thyssen-Krupp und Lufthansa durch Besuche im Irak ihr Interesse bekundet.

Denn das Zweistromland lockt mit Milliarden: Laut Hariri sollen bis 2016 mit der Steigerung der Ölproduktion von derzeit 2,4 Mio. Barrel (je 159 Liter) auf zehn Mio. Fass am Tag die Staatseinnahmen deutlich steigern. Doch schon jetzt hat Bagdads Kabinett ein 70 Mrd. Dollar umfassendes Investitionsprogramm beschlossen für Ausbau und Modernisierung der Stromversorgung, im Wohnungsbau, Agrarsektor, Transportwesen, Wasser- und Abwasserversorgung, Gesundheits- und Bildungswesen.

Die deutschen Exporte in den Irak sind in den ersten acht Monaten 2009 bereits um 84,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen – auf jedoch nur 364 Mio. Euro. Vor 20 Jahren lieferte die deutsche Industrie noch jährlich für vier Mrd. Euro Waren in das Land.

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