Ausnahmezustand in Pakistan
Musharraf sorgt sich um seine Atomwaffen

Pakistans Präsident Pervez Musharraf hat die Verhängung des Ausnahmezustands in seinem Land mit der Sorge begründet, die Atomwaffen des Landes könnten in falsche Hände geraten. Auch die US-Regierung zeigt sich nervös, wenn es um das pakistanische Atomarsenal geht. Immerhin verfügt Islamabad über 90 Atombomben.

HB ISLAMABAD. Pakistans Präsident Pervez Musharraf hat die Verhängung des Ausnahmezustands mit der Gefahr gerechtfertigt, dass die Atomwaffen des Landes in falsche Hände geraten könnten. Sollten die für Januar geplanten Wahlen in einem instabilen Umfeld stattfinden, sei das Atomarsenal gefährdet, sagte er am Wochenende der BBC.

US-Vizeaußenminister John Negroponte forderte im Gespräch mit Musharraf dennoch erneut die Aufhebung des Notstands und die Freilassung politischer Gefangener. Das Notstandsrecht sei unvereinbar mit freien und fairen Wahlen. Bei der Sicherung der Atomwaffen haben die USA der „New York Times“ vom Sonntag zufolge Pakistan mit fast 100 Mill. Dollar geholfen.

Die Atomwaffen könnten nicht in falsche Hände fallen, „wenn wir politisch zurechtkommen“, sagte Musharraf in dem Interview am Samstag. „Solange es das Militär gibt, wird den strategischen Anlagen nichts geschehen, wir tragen die Verantwortung und niemand stellt etwas mit ihnen an.“ Musharraf hat zwar zugesichert, dass die Wahlen bis zum 9. Januar stattfinden sollen. Wann er den Notstand aufheben oder Tausende festgenommene Oppositionelle und Anwälte freilassen wird, ließ er jedoch bislang offen.

Die USA haben bislang darauf gesetzt, dass Musharraf für eine sichere Kontrolle der Atomwaffen sorgt und einen Beitrag im Kampf gegen muslimische Extremisten leistet. Der Staats- und Militärchef hat sich mit der Ausrufung des Ausnahmezustands jedoch in eine weitgehende Isolation manövriert. Im Präsidialamt in Islamabad hieß es, die Amerikaner seien nervös bei dem Gedanken, Musharraf an der Spitze des Nachbarlandes von Afghanistan zu verlieren.

Der „New York Times“ zufolge haben die USA in den vergangenen sechs Jahren pakistanische Militärs in den Vereinigten Staaten ausgebildet, um die Atomarsenale besser schützen zu können. Demnach finanzierten die USA auch den Bau eines Ausbildungszentrums in Pakistan, das aber noch nicht in Betrieb genommen worden sei. Zudem habe die US-Regierung Hubschrauber, Nachtsichtgeräte und Strahlenmesseinrichtungen geliefert, um die Sprengköpfe des südasiatischen Landes zu bewachen. Die entsprechenden Abschnitte im Haushaltsplan der US-Regierung seien geheim. Wegen der derzeitigen Krise in Pakistan werde nun diskutiert, ob die Bemühungen der US-Regierung ausreichend gewesen seien. Pakistan testete 1998 das erste Mal Nuklearsprengköpfe. Sein Arsenal umfasst Experten zufolge 90 Atombomben.

Negroponte bekräftigte bei seinem Treffen mit Musharraf die Forderungen der USA, die Bürgerrechte wieder einzusetzen und Oppositionelle aus der Haft zu entlassen sowie freie Wahlen abzuhalten. Zugleich würdigte er die Rolle Musharrafs im Kampf gegen die Extremistenorganisation Al-Kaida und die Taliban. Die USA und Pakistan seien zwei befreundete Staaten, die sich gemeinsamen Herausforderungen gegenübersähen.

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