Ausreise aus China
"Willkommen in Amerika, Mr. Chen"

China und die USA haben ihre diplomatische Krise um Chen Guangcheng beigelegt. Der Bürgerrechtler darf in die USA. Für Obama ist das ein willkommenes Wahlkampfpräsent. China zeigt, dass es Zusagen einhält.
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Peking/WashingtonChen Guangcheng bestieg sichtlich bewegt, aber auch besorgt mit seiner Familie in Peking das Flugzeug in die Freiheit. Der 40-Jährige war überrascht, wie „plötzlich“ am Ende alles kam. Er verließ seine Heimat mit der Sorge, dass lokale Funktionäre jetzt „schlimme Rache“ an Verwandten in seinem Heimatdorf nehmen könnten.
Mit seinem Abflug endet am Samstag die seit langem schwerste diplomatische Krise zwischen China und den USA. Experten loben beide Seiten, das Problem geschickt gelöst zu haben, ohne dass die Beziehungen zwischen der größten und der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt Schaden genommen hätten.
Zum Auftakt des Gipfels von sieben führenden Industriestaaten und Russland (G8) in Camp David kann US-Präsident Barack Obama damit einen außenpolitischen Erfolg verbuchen, der ihm auch im Wahlkampf nützlich sein dürfte. In dem wochenlangen Tauziehen war Obama zeitweise wegen des Umgangs mit dem Bürgerrechtler in die Defensive geraten, weil der US-Regierung vorgeworfen wurde, sich allzu leichtgläubig auf vage chinesische Zusagen eingelassen zu haben. Es gab sogar Kritik, der Aktivist habe womöglich doch nicht so ganz aus freien Stücken die US-Botschaft in Peking verlassen.

Am Ende kann Washington jetzt aber Lob für seine Diplomatie ernten - und China demonstriert, seine Versprechen einzuhalten. Ein gelungenes Beispiel für Konfliktlösung, findet Professor Chen Xiaohe von der Volksuniversität (Renmin Daxue). „Die USA und China sind wegen des Falles von Chen Guangcheng nicht vom Kurs abgekommen“, sagte der Experte für internationale Beziehungen in Peking.
Die USA hätten den Ball flach gespielt und eng mit Peking kooperiert. „Das ist selten“, sagte Chen Xiaoh. Es könne sich aber wiederholen. „Früher haben beide Länder kleine Dinge aufgeblasen, heute gibt es den Trend, große Dinge eher klein zu fahren.“

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Ungewisses Schicksal in den USA

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  • Sorry, aber hier gibt's 'ne Netiqette, die unmißverständlich Auskunft darüber gibt, daß nur nette Kommentare erwünscht sind.
    Na wenigstens der nächste Kommentator ist ein bißchen nett und umschreibt den US-F#schismus mit Kommunismus. Dabei haben die Kommunisten lange nicht soviele Kriege geführt. Die USA seit 1945 mehr als 100. Und das geheime Flächenbombardement von Laos, einem unbewaffneten und unberührten Bauernstaat, galt schließlich den Kommunisten. Laos sollte zerstört werden, um den Kommunismus aufzuhalten.

    Die Demokratiefeindlichkeit des F#schismus sieht in Freiheit und Pluralismus und der Trennung zwischen Staat, Ökonomie und Privatem seine Hauptbedrohung. Sein Erscheinungsbild ist der Militarismus und wird durch Massenaufmärsche und Großkundgebungen bestimmt. Die Massenaufmärsche finden hier nich in, sondern ausserhalb der USA statt.

    Und, fast alle europäischen Staaten waren im 20. Jhd. f#schistisch geprägt, manche bis in die 70er Jahre. F#schismus steckt hier irgendwie in den Genen und hat mit viel Geld, viel Privilegien und konzentrierter Macht zu tun, das Ich tritt an die Stelle des Wir. "Der Staat bin ich!", rief 1665 der "Sonnenkönig" Ludwig XIV. in eine Versammlung der französischen Stände (zwar strittig der Urheber des Zitats, aber es sah ihm ähnlich und trifft eben auch den Nagel auf den Kopf).
    Ständerepublik, da, hier, und längst auch in China. Für Kommunismus begeistern sich mehr die versklavten Lohnempfänger, die Habenichts und Traumtänzer.

    Falsche Wörter jedenfalls hinterlassen falsche Eindrücke.

    Kurz und schmerzhaft. Kürzer ging's leider nicht.

  • @ der letzteDemokrat.
    Volle Zustimmung. Diese Seifenoper "Die USA sind das Land der Freiheit" ist so was von daneben. Obama und seine Dronen töten in Pakistan regelmäßig "verdächtigte Terroristen" und wenn Diktaturen in Yemen, Bahrain oder Saudi Arabien untertüzt werden, das ist laut Mainstream Presse "OK" weil UNCLE SAM das sagt. Vor diesem Hintergrung ist diese dauerhafte Berichterstattung über einen blinden Chinesen empörend. Wie immer, Nebenkriegsschauplätze um von den wahren Problemen abzulenken wie zb eine 20+x% Arbeitlosenquote. Denn in den USSA werden die, die nach einem Jahr aufgegeben haben einen Job zu suchen gar nicht mehr gezählt.... und ihre Jobs sind abgewandert nach.... China, mit freundlicher Unterstützung der Wall Street und all die 1% an der Spitze die immer fetter werden

  • Wenn man sich als mündiger Bürger darüber informiert was in den USA abgeht (z.B. NDAA 2012) so kann man durchaus die Frage in den Raum werfen warum die Mainstream Medien immer nur auf die bösen "Schurkenstaaten" einprügeln.

    [...]

    Ich finde es einfach nur erbärmlich für unsere 4. Gewalt im Staate. Letzten Endes wird es auch die Lohnschreiber treffen...


    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

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