Aussage eines Dissidenten
Iran hält Zentrifugen zur Urananreicherung versteckt

Teheran soll nach Angaben eines im amerikanischen Exil lebenden iranischen Dissidenten 4000 Zentrifugen zur Urananreicherung vor der Internationalen Atomernergiebehörde (IAEA) versteckt haben. Die Zentrifugen können Uran waffenfähig machen.

HB WIEN. Die Zentrifugen sollten in der Atomanlage Natans installiert werden, sagte der im Exil lebende iranische Dissident Aliresa Dschafarsadeh am Dienstag. Die IAEA hat nach eigenen Angaben bislang Kenntnis von 164 Zentrifugen in Natans. Der Gouverneursrat der Behörde wollte am Nachmittag auf einer Sondersitzung in Wien über das iranische Atomprogramm beraten.

Der Dissident Aliresa Dschafarsadeh berief sich auf verlässliche Informationen aus Regierungskreisen in Teheran. „Das Regime hat die Produktion dieser Maschinen vor den Inspektoren (der IAEA) geheim gehalten, während die Verhandlungen mit der Europäischen Union in den vergangenen 21 Monaten weitergingen“, sagte Dschafarsadeh in einem Telefoninterview. Die in Isfahan und Teheran gebauten Zentrifugen können demnach Uran bis zu einem waffenfähigen Grad anreichern. In einem Abkommen mit der IAEA hat sich der Iran verpflichtet, keine weiteren Zentrifugen zu bauen.

UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte den neuen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad am Montag auf, sich weiter um einen Kompromiss zum Atomprogramm zu bemühen, wie sein Sprecher Stephane Dujarric in New York mitteilte. Zuvor hatte Iran ungeachtet internationaler Proteste am Montag die seit November ausgesetzte Urananreicherung in der Atomanlage Isfahan wieder aufgenommen. Die USA kritisierten die Entscheidung scharf, verzichteten zunächst aber auf eine neuerliche Androhungen von Sanktionen. Auf die Frage, ob Washington wie in der Vergangenheit angekündigt im Sicherheitsrat der UN auf Sanktionen gegen Teheran dringen werde, wollten Regierungssprecher nicht direkt eingehen.

Außenamtssprecher Adam Ereli sagte lediglich, die Haltung der USA sei bekannt. Er fügte hinzu, die USA würden die EU im Bemühen um weitere Verhandlungen mit dem Iran unterstützen. Zugleich kritisierte er, mit der Zurückweisung des jüngsten Verhandlungsangebots habe der Iran „einem produktiven Vorschlag eine lange Nase gedreht“.

Dennoch hofft Washington noch, dass die Verhandlungspartner „den Geist in seine Flasche zurückzwingen können“, wie ein hochrangiger Mitarbeiter des Außenministeriums der Nachrichtenagentur AP bestätigte. Neue Anreize werde man Teheran für ein Einlenken aber nicht bieten.

Die iranische Regierung hat ein Verhandlungsangebot der EU zurückgewiesen, wonach der Iran im Falle eines Verzichts auf die Anreicherung von Uran Kernbrennstoffe aus dem Ausland erhalten sollte. Der Vorschlag sah auch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit vor. Teheran beharrte jedoch darauf, selbst Kernbrennstoff zu produzieren.

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