Aussagen von 37 Personen
Abu Ghraib: US-Befehlshaber ohne Strafe

HB BERLIN. Nach Auffassung des amerikanischen Heeresaufsichtsamts trifft den früheren Befehlshaber der US-Bodentruppen im Irak keine Mitschuld an der Misshandlung irakischer Gefangener im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad.

Wie Beteiligte in Washington verlauteten ließen, vertritt der Chef des Amtes, Generalinspektor Stanley Green, in einem Untersuchungsbericht die Ansicht, die gegen Generalleutnant Ricardo Sanchez sowie drei ranghohe Mitarbeiter erhobenen Anschuldigungen seien unbegründet.

Sanchez bleibt demnach weiter Chef des in Deutschland beheimateten V. Korps. Unbestraft bleiben auch die Generalmajore Walter Wojdakowski und Barbara Fast sowie Oberst Mark Warren. Wojdakowski war Stellvertreter von Sanchez, Fast war Chefin des US-Militärgeheimdienstes in Bagdad, Warren juristischer Berater von Sanchez.

Green hat bei den Ermittlungen gegen Sanchez und elf weitere Offiziere beeidete Aussagen von 37 Personen ausgewertet. Danach hielt er den Angaben zufolge nur die Anschuldigungen gegen die Reserve-Brigadegeneralin Janis Karpinski für gerechtfertigt. Karpinski ist des Kommandos über die für Abu Ghraib zuständige 800. Militärpolizei-Brigade enthoben worden und hat einen Verweis erhalten.

Sanchez war von Anfang an eine zentrale Figur in dem Skandal, der sich nach der Aufdeckung der Misshandlungen in Abu Ghraib entwickelte. Er hatte am 14. September 2003 Richtlinien für Vernehmungspraktiken erlassen und sie am 12. Oktober revidiert - etwa zu der Zeit, zu der sich die Misshandlungen ereigneten.

Nach einer ersten Untersuchung 2004 kam Green zu der Ansicht, die Richtlinien seien nicht eindeutig gewesen und hätten falsch ausgelegt werden können. Eine separate Untersuchungskommission unter Leitung des früheren Verteidigungsministers James Schlesinger vertrat die Ansicht, Sanchez hätte schon im November 2003 schärfer durchgreifen müssen, als Probleme in Abu Ghraib erkennbar geworden seien.

Eine nachfolgende Untersuchung des Heeres endete im Sommer 2004 mit der Erkenntnis, dass Sanchez und die meisten seiner Stellvertreter nicht direkt mit den Vorgängen in Abu Ghraib zu tun gehabt hätten, dass aber ihre Handlungen und Unterlassungen indirekt zu einigen Misshandlungsfällen beigetragen hätten. Sanchez und Wojdakowski hätten nicht für eine ausreichende Beaufsichtigung der Haft- und Vernehmungspraxis im Irak gesorgt.

Den Verlautbarungen zufolge ließ Green bei der aktuellen Bewertung mildernde Umstände wie etwa Personalmangel gelten. Angeführt wurden auch die zunehmende Intensität des Kampfes der Aufständischen im Irak und der Druck bei der Fahndung nach dem damals flüchtigen Ex-Machthaber Saddam Hussein.

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