Ausschreitungen in Burundi
General erklärt Präsidenten für abgesetzt

Seit 2005 ist der ehemalige Hutu-Rebellenführer Pierre Nkurunziza Präsident von Burundi. In dem ostafrikanischen Land kommt es immer wieder zu Gewalt zwischen Hutus und Tutsis, nun spitzt sich der Konflikt erneut zu.
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BujumburaNach wochenlangen Unruhen in Burundi hat sich die Lage am Mittwoch zugespitzt. Armeegeneral Godefroid Niyombare erklärte Präsident Pierre Nkurunziza für abgesetzt. Allerdings war zunächst unklar, ob das Militär hinter dem General steht. Auf den Straßen der Hauptstadt Bujumbura waren Schüsse zu hören. Der Staatschef selbst befand sich im Nachbarland Tansania.

Die seit Ende April andauernden Proteste richten sich gegen Nkurunzizas Kandidatur für eine dritte Amtszeit. Am Mittwoch demonstrierten wieder Tausende. Dabei eröffnete ein Polizist das Feuer auf die Menge und schoss mindestens fünf Mal, wie ein AP-Reporter vor Ort berichtete. Ob es Verletzte gab, war zunächst unklar.

Die Polizei ging auch mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Die Armee umstellte die nationale Radiostation. General Niyombare äußerte sich im Privatsender Bonesha FM Radio. Präsident Nkurunziza war zu einer Regionalkonferenz nach Tansania gereist, die zur Lösung der Krise in seinem zentralafrikanischen Land beitragen soll.

Kritiker halten seine Präsidentschaftskandidatur für verfassungswidrig, weil er bereits zwei Wahlperioden im Amt ist. Der Urnengang ist für den 26. Juni angesetzt. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei sind in den vergangenen Wochen mindestens 15 Menschen getötet und mehr als 220 verletzt worden. Mehr als 50.000 Menschen flohen in Nachbarländer.

Die ehemalige belgische Kolonie Burundi ist seit 1962 unabhängig. Das kleine Land, in dem heute rund zehn Millionen Menschen leben, wurde seither immer wieder von ethnischer Gewalt zwischen der Hutu-Mehrheit (85 Prozent) und der Tutsi-Minderheit (14 Prozent) erschüttert. Die schlimmsten Massaker fanden 1972 und 1993 statt, kleinere Konflikte gab es auch 1965, 1969, 1988 und 1991. Insgesamt wurden dabei Schätzungen zufolge 300.000 Menschen beider Gruppen getötet.

Die schwere Krise von 1993 wurde durch den Mord an dem ersten demokratisch gewählten Hutu-Präsidenten Melchior Ndadaye und seinen engsten Mitarbeitern ausgelöst. Für die Tat war die überwiegend von Tutsis beherrschte Armee verantwortlich. Hutus verübten daraufhin Massaker an Tutsis, während auch Tutsi-Soldaten als Vergeltung schwere Gräueltaten an Hutus begingen.

Seit Anfang der 1970er Jahr wurden mindestens 650.000 Menschen vertrieben. Viele suchten in den Nachbarländern Kongo, Tansania und Ruanda Zuflucht. Die Gewalt endete erst mit einem Friedensvertrag, der am 28. August 2000 im tansanischen Arusha unterzeichnet wurde. Die Vereinbarung sah die Einrichtung einer Wahrheits- und Versöhnungskommission und eines Sondertribunals für Kriegsverbrecher vor.

Aus den ersten demokratischen Nachkriegswahlen ging 2005 die Partei CNDD-FDD als Sieger hervor. Seither war der ehemalige Hutu-Rebellenführer Pierre Nkurunziza Präsident des ostafrikanischen Landes. Laut Arusha-Vertrag und der daraus entstandenen Verfassung muss ein Staatschef nach zwei Amtszeiten abtreten. Nkurunziza hatte aber im April angekündigt, Ende Juni für eine dritte Amtszeit kandidieren zu wollen. Daraufhin war es zu Massenprotesten gekommen.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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