Ausschreitungen in Charlottesville Trump bekräftigt Schuld auf „vielen Seiten“

Theater im Trump Tower: Bei einer denkwürdigen Pressekonferenz hat Donald Trump „vielen Seiten“ für die Ausschreitungen in Charlottesville verantwortlich gemacht. Der Exodus hochrangiger Wirtschaftsberater geht weiter.
Update: 16.08.2017 - 07:06 Uhr 11 Kommentare

Trump: „Sowohl Rechte als auch Linke Gruppen haben Schuld"

Trump: „Sowohl Rechte als auch Linke Gruppen haben Schuld"

New YorkUS-Präsident Donald Trump hat seine uneindeutige erste Reaktion auf die Gewalt bei der Rassisten-Kundgebung in Charlottesville vehement verteidigt und erneut beiden Seiten die Schuld gegeben. „Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die schlimm war, und es gab auf der anderen Seite eine Gruppe, die ebenfalls sehr gewalttätig war“, sagte Trump. Damit verteidigte der US-Präsident Neonazis gegen Gegendemonstranten.

Aus Verärgerung über den Rückfall Trumps trat Gewerkschaftschef Richard Trumka kurz nach der Konferenz aus einem Beirat des Präsidenten zurück. Er müsse „im Namen aller arbeitenden Amerikaner, die jeden Versuch der Legitimierung dieser bigotten Grupppen ablehnen“, zurücktreten, wurde der Chef der Gewerkschaft AFL-CIO zitiert. Zuvor hatten bereits zwei Wirtschaftsgrößen in dieser Woche Trump den Rücken gekehrt.

Am Samstag war bei rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville (Virginia) eine 32-Jährige Gegendemonstrantin von einem Auto erfasst und getötet worden. 19 Menschen wurden verletzt. Vorher war es zu Zusammenstößen gekommen.

In seiner ersten Reaktion hatte Trump von „Gewalt von vielen Seiten“ gesprochen. Er vermied es, Rassisten und Neonazis beim Namen zu nennen. Er bekam daraufhin erheblichen Druck und Kritik auch aus den eigenen Reihen. Erst am dritten Tag nach den Zwischenfällen hatte Trump sich im Weißen Haus öffentlich von Rassisten und dem Ku Klux Klan distanziert. US-Medien zufolge tat Trump das widerstrebend und nur unter großem Druck enger Berater.

Am Dienstag schließlich verteidigte Trump sein Zögern vom Samstag und fiel inhaltlich auf sein erstes Statement zurück. „Ich wollte sicher sein, dass das, was ich sage, korrekt ist“, sagte der Präsident. Man sage nicht sofort etwas, wenn man die Fakten nicht genau kennt, „anders als viele Reporter“, fügte Trump hinzu. Anders als andere Politiker habe er nicht einfach irgendein rasches Statement machen wollen.

Eine Aussage, die überrascht: Donald Trump hat in der Vergangenheit eine Vielzahl von Zwischenfällen via Twitter sofort als Terrorakt bezeichnet, obwohl Lage und Hintergründe noch völlig unklar waren. Beispiel: Die Attacke auf ein Kasino auf den Philippinen am 1. Juni. Der Angriff war nicht das Werk von Terroristen.

Donald Trump sprach in der Lobby des Trump-Towers. Eigentlicher Anlass war ein Statement zur Infrastruktur in den USA. Im Anschluss ließ Trump Fragen vom Reportern zu. Das Hin und Her lief zeitweise aus dem Ruder.

Sicht- und hörbar schwer verärgert sagte Trump, in Charlottesville seien längst nicht nur Rassisten und Nationalisten auf der Straße gewesen, sondern auch unschuldige Demonstranten, die etwa am Vorabend friedlich gegen den Abriss der Statue des Südstaatengenerals Robert E. Lee hätten protestieren wollen. Er habe sich das alles sehr genau angesehen, sagte Trump. Beide Seiten seien aufeinander losgegangen. Es habe „auf beiden Seiten sehr anständige Leute“ gegeben.

Am Vorabend der gewalttätigen Zusammenstöße waren in Charlottesville Neonazis und andere Ultrarechte durch die Stadt gezogen. Viele trugen Fackeln, hatten den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben und riefen „Tod den Juden!“.

Trump sagte, die Medien hätten erneut sehr unfair berichtet, sowohl über ihn selbst als auch über die tatsächlichen Ereignisse vom Wochenende. Die Medien seien aber „Fake“ und nicht ehrlich. Vor dem Hintergrund der „Alt Right“, die als eine Art „Alternative Rechte“ ein Sammelbecken für Ultrarechte und auch Neonazis ist, sagte Trump: „Was ist mit der Alt-Left, die die, wie Sie es nennen, „Alt Right“ angegriffen haben? Gibt es da irgendeinen Anschein von Schuld?“ Diese Geschichte habe zwei Seiten.

Minuten nach Trumps Einlassungen twitterte der frühere Ku-Klux-Klan-Chef David Duke, er danke dem Präsidenten für seine Aufrichtigkeit und den Mut, die Wahrheit zu Charlottesville auszusprechen und die „Linksterroristen“ in der Bewegung „Black Lives Matter“ und der Antifa zu verdammen.

Trump sagte, die Ereignisse von Charlottesville seien ein schrecklicher Moment für die USA gewesen. Mit seine Einlassungen vom Dienstag fiel der Präsident deutlich hinter sein Statement vom Montag zurück. US-Medien wiesen darauf hin, dass Trumps Argumentation der rechter Talk-Radios sehr ähnlich sei. Diese Sender sind wichtig für Trumps Basis.

Der US-Präsident vermied es am Dienstag erneut, die Attacke mit dem Auto als Terrorismus zu bezeichnen, anders als viele Republikaner und auch sein eigener Chefankläger Jeff Sessions. „Ist das Mord? Ist das Terrorismus?“ Der Fahrer des Wagens sei ein Mörder.

Trump fragte: „Sollen wir jetzt auch die Statuen George Washingtons abreißen“, weil der frühere US-Präsident Sklaven gehalten habe? Vor allem in den Südstaaten der USA gibt es vielerorts eine Kontroverse um den Umgang mit Denkmälern, die an den Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd erinnern.

  • dpa
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11 Kommentare zu "Ausschreitungen in Charlottesville: Trump bekräftigt Schuld auf „vielen Seiten“"

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  • Vielleicht liegt ja sogar eine Art von Eingeständis einer Mitschuld darin, wenn Trump sagt: auf so vielen Seiten hätte man Fehler gemacht.

    Ja, auch er hat Fehler gemacht. Vor allem den, dass er - nicht zuletzt durch die Unterstützung aus Moskau - einen anti-intellektuellen, latent primitiven Rechtsruck in die USA und an die Macht gebracht hat. Bestimt sieht er sich selbst in der Verantwortung, demnächst öfters mal sein loses Mundwerk zu halten.

  • (Die dürfen sie aber nirgends, nicht einmal zum Fasching bei uns tragen)
    In einem freien Land dürfen Sie tragen und sagen was Sie wollen Herr Maidan.
    Das finden Sie natürlich nicht nützlich in Ihrem Kampf gegen die Freiheit und dem Recht.

  • http://edition.cnn.com/2017/08/15/politics/donald-trump-charlottesville-lines/index.html
    Wie wäre es mit der Wahrheit, können die Linken Kämfer zwar nicht ab aber heimlich können sie sich Trump anhören und dann reumütig die Partei wechseln.

  • Na rhetorisch ist Herr Trump halt oft ein "Trumpel"
    Hätte er einfach gesagt " Wir veruteilen und Dulden keine Gewalt von radikalen Rechten und Linken Gruppen" Thema erledigt.
    Blöd halt, wenn er einmal so sagt, dann wieder was anderes abliest, um letztlich seine erste Aussage zu bestätigen. Währenddessen eigene Parteigrößen widersprechen und Unzufiredenheit äußern und Regierungsmitglieder berichtigen, Verteidigen und abmildern.
    Ist doch klar, dass sich die Presse darauf stürzt. Das macht doch Die Bild bei Promiaussagen und Rosenkriegen genauso.
    Lösung wäre halt - erst denken, dann reden.

  • Putziger Beitrag Herr Spiegel. Sind Sie jetzt nicht nur AfD-Anhänger, sondern auch im deutschen Klu-Klux-Clan? Und Sie trauen sich nicht mehr ins Schanzenviertel? Gute Güte! Darf ich fragen, was für Kleidung Sie tragen, wenn das für Sie eine No-Go-Ärea ist? Wehrmachtsuniform?
    (Die dürfen sie aber nirgends, nicht einmal zum Fasching bei uns tragen)

  • Trump hat wie immer recht, in einem Konflikt gibt es mehrere Seiten. Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn man die linke No-Go-Area in Hamburg betrachtet.

  • Es war doch eindeutig zu erkennen, dass in dem Auto ein Klon von Trump gesessen ist und außerdem ist Trumpt daran schuld, dass die Auflagen der Qualitätsmedien trotz ihrer ausgewogen neutralen Berichterstattung schon wieder zurückgegangen sind.

  • Mal im Ernst, ohne die Gegendemonstranten hätte niemand etwas davon mitbekommen, dass ein paar hundert Verrückte eine Demonstration in Charlottesville (wo?) abhalten. Ich weiß nicht, wer den ersten Stein warf, aber auf einem Bild der Bild trat ein Gegendemonstrant einen "Nazi" nieder mit dem Untertitel "die Gewalt von Alt-Right". Ich gehe mal davon aus, dass Gewalt von beiden Seiten kam, denn zum Prügeln gehören immer 2, anders als beim Verprügeln. Leider ist es in den USA (nur dort?) so, dass die sogenannten "Demokraten" eher zu Gewalt neigen als die Republikaner, wobei ich die KKK-Anhänger nicht zu den Republikanern zähle. Fazit: Die Demonstranten haben mit ihrer Anwesenheit provoziert, die Gegendemonstranten mit Gewaltanwendung.

  • Nope. Ist er nicht, Herr "Wong". Trump ist eine Katastrophe. Period.

  • Die linksgehirngewaschenen Trumphasser werden den US-Präsidenten noch um Hilfe anflehen um ihr laues Leben zu retten. Trump ist der Leuchtturm der freien Welt!

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