Ausschreitungen in Hongkong
Imbissbuden-Besitzer attackieren die Polizei

Bei vergangenen Neujahrsfesten gehörten die Essbudenbesitzer in Hongkong zum Straßenbild. Nun sollen sie weg – so wollen es die Behörden. Doch Aktivisten wehren sich dagegen. Es kommt zu einer dramatischen Eskalation.

HongkongEin Disput über unerlaubte Essbuden ist während der Hongkonger Neujahrsfeiern in Straßenschlachten und Chaos ausgeartet. Bei Auseinandersetzungen zwischen Protestlern und Polizisten wurden in der Nacht zu Dienstag Dutzende Menschen verletzt, vor allem Beamte. Mindestens 23 Personen wurden festgenommen. Beobachter sprachen vom schlimmsten Gewaltausbrauch seit den prodemokratischen Protesten im Jahr 2014. Regierungschef Leung Chun Ying verurteilte die jüngsten Exzesse scharf.

Die Unruhen nahmen ihren Anfang, als die Behörden am Montagabend gegen Straßenhändler vorzugehen versuchten, die im Arbeiterbezirk Mong Kok ohne Lizenz Essensstände betrieben. Dabei wurden die Händler bei vorangegangenen Neujahrsfeierlichkeiten als Teil der örtlichen Kultur betrachtet. Die neue Härte im Umgang mit ihnen rief verärgerte Aktivisten auf den Plan, die angesichts des wachsenden Einflusses Pekings auf das halbautonome Hongkong um die Traditionen fürchten.

Wie die Polizei mitteilte, ignorierten die Protestler zunächst die Order, den Straßenmarkt im Viertel Kowloon zu verlassen. Dann hätten sie Beamte geschubst, die wiederum mit dem Einsatz Schlagstöcken und Pfefferspray reagiert hätten. Ein Polizist gab zwei Warnschüsse in die Luft ab, wie auf Videoaufnahmen des Nachrichtensenders Cable TV zu sehen war.

Bis in den frühen Morgen lieferten sich aufgebrachte Demonstranten nach Behördenangaben Straßenschlachten mit der Polizei. Protestler schleuderten Pflastersteine, Flaschen und Trümmerteile auf Beamte. Einige benutzten Mülleimer, Plastikbarrieren und Holzpalettenstücke als Wurfgeschosse, andere legten Feuer.

Regierungschef Leung sprach von einem Mob, der ebenso Polizisten wie Journalisten attackiert habe. Selbst auf Beamte, die schon auf dem Boden gelegen hätten, seien Gegenstände geworfen worden. Die Zahl der verletzten Polizisten gab er mit mehr als 80 an, die der Reporter mit vier. Zudem seien Polizeiwagen und öffentliches Eigentum beschädigt worden. „Die Polizei wird das Gesindel fassen und zur Rechenschaft ziehen“, sagte Leung weiter.

Wegen tätlicher Attacken, Behinderung von Beamten, Widerstand gegen die Festnahme und öffentliche Unruhe wurden bereits 23 Männer und eine Frau in Gewahrsam genommen, wie Bezirkspolizeichef You Siu Kei sagte. Die jüngsten Verdächtigen seien 17 Jahre alt, die ältesten 70. Behördenvertreter kündigten zudem Ermittlungen zur Frage an, ob die Gewaltakte im Vorfeld geplant worden sein könnten.

Die Auseinandersetzungen zeigen, wie angespannt die Lage in Hongkong auch noch mehr als ein Jahr nach dem Ende der prodemokratischen Proteste ist. In Mong Kok hatten Demonstranten Ende 2014 wie in anderen Stadtteilen elf Wochen lang die Straßen besetzt gehalten und mehr Spielraum bei Wahlen gefordert.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%