Ausschreitungen in Pariser Vororten
Neue Randalewelle in Frankreich befürchtet

Knapp ein Jahr ist es her, dass in den Pariser Orten Steine auf Polizisten flogen und Autos brannten. Am Sonntag sind die Unruhen unter den Jugendlichen wieder aufgeflackert. Schon spricht die französische Polizeigewerkschaft von einer Neuauflage der Krawalle vom November 2005.

HB PARIS. Jugendliche in Grigny südlich von Paris hätten zuvor mehrere Autos und einen Bus in Brand gesetzt, sagte ein Polizeisprecher. Bis zu 50 Personen Jugendliche seien daran beteiligt gewesen. Auch derzeit gebe es noch sporadische Zwischenfälle, vor allem Steinwürfe.

In den vergangenen Tagen waren in mehreren Städten Polizisten mit Brandsätzen attackiert worden. „Diese jüngsten Zusammenstöße sind der stufenweise Beginn einer Neuauflage der Vorfälle vom November 2005“, erklärte die CFTC mit Blick auf die Vorfälle in Grigny.

Ein Jahr nach den dreiwöchigen Unruhen in französischen Vorstädten kommt es wieder häufiger zu solchen offenbar geplanten Angriffen von Jugendbanden. Bei der Polizei wird zum Teil schon von einer „ständigen Intifada“ gesprochen - in Anlehnung an den palästinensischen Aufstand gegen Israel. Die Integration der Jugendlichen aus Einwandererfamilien und die Gewalt gegen die Polizei werden zu Wahlkampfthemen. Innenminister Nicolas Sarkozy sagte kürzlich in einer Wahlkampfrede, dass diejenigen, die Frankreich nicht liebten, auch nicht bleiben müssten.

Der Vorsitzende der kleinen Polizeigewerkschaft Action Police, Michel Thooris, spricht davon, dass es Anzeichen dafür gebe, dass die Gewalt in den Vorstädten einen islamisch-fundamentalistischen Anstrich erhalte. „Viele Jugendliche, viele Brandstifter, viele Vandalen verbinden die Gewalt mit den Rufen „Allah Akbar'“, sagte er in einem Interview.

In den größeren Polizeigewerkschaften wird diese Auffassung nicht geteilt. Aber auch dort wird die Auffassung vertreten, dass sich einzelne Jugendbanden nicht mehr damit zufrieden geben, Polizeiautos mit Steinen zu bewerfen oder in Brand zu setzen. Statt dessen gebe es offenbar zunehmend die Absicht, Polizisten zu verletzen. „Zuerst war es mal hier ein Stein, mal da“, sagt der Polizeigewerkschafter Loic Lecouplier aus der Region Seine-Saint-Denis nördlich von Paris. „Dann waren es Dutzende Steine. Jetzt führen sie schon Operationen von nahezu militärischer Art, um uns in eine Falle zu locken. Das sind kriegerische Akte.“

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