Ausschreitungen in São Paulo
Krawalle nach Demonstration für Gratis-Nahverkehr

Nach Demonstration für einen Gratis-Nahverkehr ist es in São Paulo zu Krawallen gekommen. Autos wurden demoliert, Schaufenster eingeworfen und Straßen zeitweise blockiert. Die Polizei setzte Tränengas ein.
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São PauloVermummte Randalierer haben nach der WM-Partie England gegen Uruguay (1:2) in São Paulo für Tumulte gesorgt. Maskierte Demonstranten schossen Feuerwerkskörper auf Polizisten, rissen Mülleimer aus Verankerungen und demolierten Autos. Die Polizei setzte im Gegenzug Tränengas gegen die Randalierer ein, die dem sogenannten Schwarzen Block zugerechnet werden. Über mögliche Verletzte oder Festnahmen gab es zunächst keine Angaben.

Laut der Nachrichten-Webseite "G1" blockierten die Randalierer eine Stunde lang eine Straße. Außerdem hätten sie Steine geworfen und die Fensterscheiben einer Bank zerstört. Die Demonstration sollte an den Beginn einer Welle sozialer Proteste vor einem Jahr erinnern, wie eine der Organisatoren, Monique Felix, sagte.

Die Aktion wurde von der Gruppe „Movimento Passe Livre“ (MPL) organisiert, die sich für einen Nulltarif im öffentlichen Nahverkehr einsetzt. Mit den Demonstrationen der Bewegung hatten im vergangenen Jahr die Massenproteste während des Confederations Cups begonnen. Damals hatten zahlreiche Städte eine geplante Erhöhung der Ticketpreise in Bussen und Bahnen zurückgenommen, was von den Demonstranten als zentraler Erfolg gefeiert wurde.

Seitdem wurden die Fahrpreise aber sukzessive wieder angehoben. 2013 hatten Hunderttausende Menschen in Brasilien gegen Korruption, Misswirtschaft, Mängel im Bildungs- und Gesundheitswesen und die Milliarden-Kosten für die WM protestiert. Auch während der WM kam es in verschiedenen Spielorten mehrfach zu Protesten gegen die Titelkämpfe. Allerdings erreichten diese bisher bei weitem nicht die Ausmaße des Vorjahres.

In der Nähe des Fan-Festes der Fifa in São Paulo nahm die Polizei am Donnerstag 14 Menschen fest, die kurz vor dem WM-Spiel England gegen Uruguay Feuerwerkskörper auf Fans der englischen Mannschaft geworfen haben sollen. Laut einem Sprecher der Polizei hielten sich die Fans in einer Bar auf, als die Feuerwerkskörper in ihre Richtung geschleudert wurden. Nach Angaben eines anderen Polizeisprechers begann daraufhin ein Tumult. Die Beamten hätten neben Feuerwerkskörpern einen Dolch, einen Schlagring und einen Zahnschutz beschlagnahmt.

Beim Fan-Fest der Fifa im Zentrum der Millionenmetropole können bis zu 30.000 Menschen auf einer Großleinwand die Fußball-Spiele verfolgen. Vor einer Woche hatte es dort Probleme mit Fans gegeben, die sich gewaltsam Zugang verschaffen wollten. Ein automatisches Zählsystem blockiert den Eingang, wenn die Höchstzahl von 30.000 Menschen erreicht ist.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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