Außenminister Gabriel
Londons Brexit-Zeitplan kaum einzuhalten

Die britische Premierministerin May will den EU-Austritt und ein Freihandelsabkommen bis 2019 fertig verhandeln. Doch dass dieser Zeitplan so funktioniert, bezweifelt Außenminister Sigmar Gabriel.
  • 1

LondonBundesaußenminister Sigmar Gabriel hält Großbritanniens Brexit-Zeitplan für unrealistisch. Die britische Premierministerin Theresa May will den EU-Austritt und ein freies Handelsabkommen mit der Europäischen Union bis 2019 unter Dach und Fach bringen. Neue Handelsbeziehungen seien aber ein „mühsames Unterfangen“, sagte der Vizekanzler der britischen Zeitung „The Independent“ kurz vor seinem Treffen mit Außenminister Boris Johnson und Brexit-Minister David Davis am Dienstag in London.

Die Europäische Union hatte bereits ausgeschlossen, dass das von May gewünschte Freihandelsabkommen vor dem Brexit fertig wird.

Großbritannien müsse sich zudem vor den Gesprächen über die neuen Handelsbeziehungen verpflichten, die Brexit-Rechnung zu begleichen, sagte Gabriel. EU-Experten hatten errechnet, dass das Land bis zu 60 Milliarden Euro zahlen muss. Damit soll London sich vor allem an gemeinsam eingegangenen EU-Verpflichtungen beteiligen.

Besorgt ist der SPD-Politiker auch über fremdfeindliche Angriffe im Vereinigten Königreich. Erst kürzlich war ein Asylbewerber von einer Gruppe junger Leute in London zusammengeschlagen worden. Er erlitt schwere Verletzungen. Mehrere Personen sitzen in Untersuchungshaft. Scotland Yard geht von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus.

Kritisch äußerte sich Gabriel zu Andeutungen Mays, die künftige Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen von einem Erfolg der Austrittsgespräche abhängig zu machen. Dies hatte in anderen EU-Staaten scharfe Kritik ausgelöst. Der Kampf gegen Terrorismus sei eine Notwendigkeit und keine politische Entscheidung, sagte Gabriel.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Außenminister Gabriel: Londons Brexit-Zeitplan kaum einzuhalten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zitat: "Besorgt ist der SPD-Politiker auch über fremdfeindliche Angriffe im Vereinigten Königreich. Erst kürzlich war ein Asylbewerber von einer Gruppe junger Leute in London zusammengeschlagen worden. Er erlitt schwere Verletzungen. Mehrere Personen sitzen in Untersuchungshaft. Scotland Yard geht von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus." Da muss sich Deutschland mal an die eigene Nase fassen. Ob EU-Mitglied oder nicht, Fremdenfeindlichkeit gibt es in ganz Europa und besonders in Deutschland.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%