Außenminister Paolo Gentiloni
Der „proletarische Graf“ soll Italien führen

Er ist eine Art italienischer Steinmeier: Außenminister Paolo Gentiloni soll neuer Regierungschef werden. Mit seiner ruhigen Art muss er Italien durch eine schwierige Übergangsphase führen.
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RomIn Italien steht der Nachfolger von Regierungschef Matteo Renzin fest: Der bisherige Außenminister Paolo Gentiloni soll den Posten übernehmen. Der 62-Jährige sei von Staatspräsident Sergio Mattarella mit der Regierungsbildung beauftragt worden, teilte das Präsidentenbüro am Sonntag in Rom mit. Die neue Regierung solle das Land zu den Wahlen im Jahr 2018 führen. Der bisherige Amtsinhaber Renzi war nach einem gescheiterten Verfassungsreferendum zurückgetreten.

An seinen Job ist Gentiloni zufällig gekommen. Als Renzis Außenministerin Federica Mogherini nach langem Taktieren der italienischen Regierung im Herbst 2014 als Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik nach Brüssel geschickt wurde, rückte er nach. Der 62-jährige Römer ist einer der engsten Parteifreunde von Matteo Renzi, vom Charakter her aber das genaue Gegenteil. Er ist nicht laut und kann zuhören, dazu kommt eine ruhige Art – ein italienischer Steinmeier. In Interviews antwortet er nie spontan, dafür spricht er dann aber druckreif.

Der Adelsfamilie Gentiloni Silveri entstammend, hat sich der „proletarische Graf“ nach seinem Studium der Politikwissenschaft zum Kommunikationsexperten gemausert. Er arbeitete als Journalist und wurde in den 90er Jahren Sprecher des Bürgermeisters in Rom. Unter dem früheren Ministerpräsidenten Romano Prodi war er Kommunikationsminister. Gentiloni spricht neben Englisch und Französisch auch Deutsch.

Im Amt ist der Abgeordnete der Regierungspartei Partito Democratico (PD) gewachsen. Er ist gut international gut vernetzt und hat vor allem bei zwei Krisenherden Italien gut vertreten: Beim Syrien-Krieg und in der Libyen-Politik. Dazu kommt natürlich das Flüchtlingsproblem. Eindrucksvoll war sein Appell an die EU bei einem Besuch auf Lampedusa, Italien nicht allein zu lassen mit dem Problem.

Als neuer Premier muss er, wenn seine Regierung die Vertrauensabstimmung im Parlament gewinnt, als erstes das Wahlgesetz reformieren. Und er muss Italien in Europa und international vertreten bei zwei wichtigen Terminen im nächsten Jahr: dem 60. Jubiläum der EU im März in Rom und im Mai in Taormina auf Sizilien beim G7-Gipfel. Italien hat 2017 die Präsidentschaft der G7.

Renzi habe sich für Gentiloni stark gemacht, weil er sich parteipolitisch auf ihn verlassen könne und auch, weil er ihm nicht die Schau stehlen könne, heißt es in Rom. Denn Renzi spekuliert darauf, bei Neuwahlen als Spitzenkandidat der PD wieder anzutreten. Gentiloni, der in der Regierung Prodi von 2006 bis 2008 Kommunikationsminister war, hat außerdem einen engen Draht zu Staatspräsident Sergio Mattarella – dem Regisseur der Bewältigung der Regierungskrise in Italien. 

Gentiloni ist verheiratet, hat aber keine Kinder und spielt in seiner Freizeit gerne Tennis.

Regina Krieger
Regina Krieger
Handelsblatt / Korrespondentin
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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