Außenminister Steinmeier
Inszenierung des Stillen

Fachlich gibt es wenig zu mäkeln an Außenminister Steinmeier. Einzig sein graues Image macht seinen Beratern Kopfzerbrechen. Verzweifelt versuchen sie nun, ihn aus der Unscheinbarkeit herauszulotsen.

RIO DE JANEIRO. Als Frank-Walter Steinmeier den kleinen Hof der Franziskaner-Hafenschule in Rio de Janeiro betritt, bricht ohrenbetäubender Lärm aus. Von oben brennt die Sonne, unten schreien und jubeln Hunderte brasilianische Schüler. Der deutsche Außenminister, selbst bei dieser Visite korrekt in Diplomatenschwarz gekleidet, blickt auf ein buntes Meer deutscher und brasilianischer Flaggen.

Ein Lächeln kaschiert seine erste Unsicherheit über den stürmischen Empfang. Immerhin haben bisher eher Händeschütteln und gestelzte Dialoge seinen Alltag in den ersten neun Monaten im Amt dominiert – und nun das.

Scheckübergabe für die Schule in einem der ärmeren Stadtteile Rios – das ist für Steinmeier nicht gerade ein Pflichttermin. Anders als bei seiner heutigen Reise zum Iran-Treffen nach New York geht es nicht um den Weltfrieden. Da wird der Außenminister beim Abendessen mit seinen Kollegen der fünf Uno-Vetomächte über ein härteres Vorgehen gegen Teheran ringen. Aber für den Politiker Steinmeier ist der Auftritt in Rio ebenso wichtig – denn es geht um die Imagepflege.

Zwar gehört er nicht zu den bereits erkennbaren Problemfällen im Merkel-Kabinett, sondern ist in jüngsten Umfragen zum zweitbeliebtesten Politiker avanciert. Dennoch wirkt sein Profil immer noch merkwürdig unscharf. In der SPD wird gegrummelt, dass „Außenkanzlerin“ Angela Merkel den SPD-Mann in seiner eigenen Domäne bisher systematisch in den Schatten stellt – zumindest in der öffentlichen Wirkung. Auch seine Südamerika-Reise durch Chile, Argentinien und Brasilien in der vergangenen Woche wird angesichts der zeitgleichen Merkel-Visite in Washington kaum wahrgenommen.

„Steinmeier mutiert schon im ersten Jahr zum Neben-Außenminister“, spottet ein führender Oppositionspolitiker, der aber – wie fast alle – sofort seine eigene Wertschätzung hinterherschickt und deshalb anonym bleiben möchte.

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