Außenminister würde seine Humboldt-Rede von 2000 heute teilweise anders halten: Fischer nimmt Abschied vom Kerneuropa

Außenminister würde seine Humboldt-Rede von 2000 heute teilweise anders halten
Fischer nimmt Abschied vom Kerneuropa

Das Konzept eines Kerneuropa hat sich nach Ansicht von Außenminister Fischer überholt. Er setze jetzt auf eine größere Gemeinschaft von Staaten, um die anstehenden Probleme zu lösen.

HB BERLIN. Außenminister Joschka Fischer ist von seiner bisherigen Vorstellung eines Kerneuropas abgerückt. Damit änderte er seine Konzeption von der Zukunft Europas grundlegend. Der «Berliner Zeitung» vom Samstag sagte Fischer, eine große und zugleich eng integrierte Gemeinschaft sei sinnvoller als ein Kerneuropa, das neben Deutschland und Frankreich nur wenige EU-Länder umfasst hätte.

Nur so könne Europa auf Globalisierung reagieren und den Gefahren des Terrorismus begegnen, sagte der Außenminister. Dies seien die Themen, die das 21. Jahrhundert prägen. Habe er bisher gedacht, die als Kerneuropa bezeichnete Gemeinschaft reiche aus, ändere er nun seine Haltung: «Damit kann unser Kontinent die strategische Dimension nicht ausfüllen.»

Noch im Jahr 2000 hatte Fischer in einer viel beachteten Rede in der Berliner Humboldt-Universität das Konzept einer Föderation der europäischen Kernstaaten propagiert. Der Minister hatte damit europaweit eine Debatte über die Zukunft der Gemeinschaft angestoßen. «Ich würde die Humboldt-Rede heute in Teilen anders halten», sagte Fischer jetzt. «Ich bin zwar mehr denn je überzeugt, dass Europa mehr Integration und stärkere Institutionen braucht. Aber klein-europäische Vorstellungen teile ich nicht mehr.»

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%