Außenpolitik
In Frankreich wächst Kritik an Sarkozy

Tote Soldaten in Afghanistan, missglückte Georgien-Mission: Es ist noch nicht lange her, da wurde Nicolas Sarkozy für seine Wirtschaftspolitik angegriffen. Nun steht Frankreichs Präsident wegen seiner Außenpolitik unter Beschuss.

PARIS. Die politischen Probleme häufen sich für Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Nach der Wirtschaftskrise im Inland steht zur Zeit sein Einsatz in der Außenpolitik im Mittelpunkt der Kritik. Nach dem Tod von zehn französischen Soldaten in Afghanistan ist seine Strategie für den Militäreinsatz in der Krisenregion unter Beschuss. Auch muss er sich für seine Georgien-Mission verantworten, weil er übereilt gehandelt habe und der Abzug der Russen auf sich warten lasse.

Zehn französische Soldaten tot, 21 verletzt - ein solches Drama wie jetzt in Afghanistan gab es seit 25 Jahren nicht mehr für Frankreichs Armee. Der französische Staatschef reiste deshalb sofort zu den Truppen, was jedoch nicht verhinderte, dass er in die Kritik geriet. Denn erst im April hatte er die Zahl der Franzosen im Einsatz in Afghanistan um 700 auf 3 000 aufstocken lassen. Schon damals gab es heftige Proteste aus den Reihen der oppositionellen Sozialisten. Daran erinnerten diese gestern und kritisierten die "atlantische Obsession" Sarkozys, der sich zu sehr auf die Wünsche der Amerikaner einlasse. Man verliere Unabhängigkeit und gewinne keine Sicherheit.

Sozialistenchef François Hollande sagte, dass er "immer wieder auf die Gefahr eine Eskalation hingewiesen habe". Er forderte eine parlamentarische Debatte über den Einsatz und fragte: "Was sind die Ziele dieses Krieges? Was ist die Bilanz, seitdem die Aktion 2001 begonnen wurde?" Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen ging in seinem Angriff auf Sarkozys Politik noch weiter: "Unsere Soldaten sollten sich nicht für Onkel Sam töten lassen."

Verteidigungsminister Hervé Morin versuchte, die Kritik abzuwehren und erklärte, die Toten gehörten nicht zu den zusätzlich geschickten 700 Soldaten. Nicolas Sarkozy erklärte bei seinem Afghanistan-Besuch, dass die Franzosen an ihrem Engagement festhielten. Es handele sich dabei um "den Kampf gegen den Terrorismus". Außenminister Bernard Kouchner fügte hinzu, es gehe "um die Freiheit", und Premierminister François Fillon sprach davon, dass die Sicherheit auf dem Spiel stehe. Negativ für Sarkozy ist allerdings nicht nur die Kritik der Opposition, sondern auch das Urteil der Franzosen. Sie hatten sich schon vor einigen Monaten in Umfragen gegen einen verstärkten Einsatz in Afghanistan ausgesprochen.

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