Außenpolitik orientiert sich an ethnischen und religiösen Prioritäten
Ankaras Verhältnis zu den Nachbarn – eine Geschichte von Konflikten

Die Türkei gilt Geostrategen in Europa und den USA als Brücke zur islamischen Welt. Sie hoffen, dass ein Beitritt die EU aufwertet und den Dialog mit dem Nahen Osten erleichtert. Doch Ankaras Wirtschaft ist klar nach Westen orientiert. Viele Nachbarn im Osten sehen die Türkei mehr als Störenfried denn als Partner.

Die These einer Brückenfunktion klingt für türkische Politiker verlockend. Dahinter steht die Hoffnung, mit dem EU-Beitritt eine neue außen- und sicherheitspolitische Funktion zu erhalten, islamische Nachbarn enger anzubinden und die Region zu stabilisieren.

Im Kalten Krieg spielte die Türkei für den Westen die Rolle eines Riegels zur Sowjetunion und zum unruhigen Nahen Osten. Dass aus diesem Bollwerk nun eine Brücke werden soll, ist nicht leicht nachzuvollziehen. Das haben die Türken bereits erfahren, als ihr Versuch scheiterte, nach der Auflösung des Sowjetimperiums größeren Einfluss in Mittelasien zu gewinnen.

In der islamischen Welt gilt die Türkei in weiten Teilen wegen ihrer strikten Trennung von Staat und Religion nicht als Vorbild, sondern als Fremdkörper. Die These einer Brückenfunktion setzt aber voraus, dass die Türkei in der Region Vertrauen und Ansehen genießt. Das ist kaum der Fall. Hinzu kommen erhebliche historische Altlasten. Die Beziehungen zu Iran, Irak und Syrien sind chronisch gespannt und trotz mancher Annäherungsversuche der jüngsten Zeit noch weit von einer Normalisierung entfernt. Das gilt auch für das Verhältnis zu Griechenland und Zypern. Das Verhältnis zu Armenien ist seitens der Türkei sogar von offener Feindseligkeit geprägt, die Grenze abgeriegelt.

Die Ursachen für die Spannungen zwischen der Türkei und ihren Nachbarn sind zahlreich. Erstens sehen viele nahöstliche Nachbarn, aber auch die Völker auf dem Balkan, in der Türkei die Nachfolgerin des Osmanenreiches, also der einstigen Besatzer. Jeder Versuch Ankaras, wirtschaftlich und politisch Einfluss geltend zu machen, stößt auf Misstrauen. Man empfindet die Türkei eher als latente Bedrohung denn als kooperativen Partner.

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