Außenpolitische Krise
Japans Regierungschef verstört China

Als „schmalos“ bezeichnet China eine Aktion des japanischen Ministerpräsidenten. Shinzo Abe hatte am Donnerstag einen umstrittenen Kriegsschrein besucht. Der japanische Botschafter musste in Peking zum Rapport.
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TokioJapans Ministerpräsident Shinzo Abe hat am Donnerstag mit einem Besuch des umstrittenen Kriegsschreins Yasukuni scharfen Protest in China und Südkorea ausgelöst. Abe war der erste Regierungschef seit sieben Jahren, der den symbolträchtigen Ort zu Ehren der Kriegstoten besuchte. In dem Schrein werden zusammen mit den japanischen Kriegstoten auch verurteilte Kriegverbrecher geehrt.

Das chinesische Außenministerium verurteilte den Besuch umgehend mit scharfen Worten. In einer Erklärung wurde Abe "schamloses" Verhalten vorgeworfen. Der japanische Ministerpräsident trampele auf den Gefühlen der Chinesen und anderer Nationen herum. Das chinesische Außenministerium bestellte Japans Botschafter in Peking ein. Ein Vertreter der südkoreanischen Regierung äußerte Bedauern und Verärgerung über Abes Besuch.

Fernsehbilder zeigten Abe, wie er sich vor dem Schrein verbeugte und dann einem Priester ins Innere folgte. Danach sagte er vor Journalisten, es sei eine Selbstverständlichkeit für einen Regierungschef, denen die Ehre zu erweisen, die für ihr Land gestorben seien. "Ich habe nicht Absicht, die Gefühle des chinesischen oder des koreanischen Volkes zu verletzen", hob Abe hervor.

Der Besuch des Schreins durch japanische Politiker führt immer wieder zum Streit mit China und Südkorea, in denen die Stätte als Symbol des Militarismus gilt und die Erinnerung an die japanische Besatzung im Zweiten Weltkrieg noch lebendig ist. Japans Beziehungen zu China sind zudem seit Monaten wegen Territorialstreitigkeiten belastet.

Auch die USA äußerten sich besorgt. Die japanische Führung habe einen Schritt getan, der die Spannungen zwischen Japan und seinen Nachbarn verschärfen werde", erklärte die US-Botschaft in Tokio.

Zuletzt hatte China die geplante Anhebung der japanischen Militärausgaben kritisiert. Es ist die erste derartige Erhöhung seit zehn Jahren. Abe, der seit exakt einem Jahr im Amt ist, demonstriert damit seine Entschlossenheit, das militärische Profil Japans zu schärfen angesichts der aus seiner Sicht bedrohlichen Aufrüstung Chinas.

In jüngster Zeit war der Streit um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer eskaliert, die beide Staaten beanspruchen. China dehnte seine Luftraum-Kontrollzone auf die Inseln aus. Japan reagierte darauf mit demonstrativen Patrouillen von Kampfflugzeugen in dem Gebiet.

Zuletzt hatte der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi den Yasukuni-Schrein besucht. Seine Amtszeit endete 2006. Es folgte die erste Amtsperiode Abes, die bis 2007 dauerte. Damals verzichtete Abe noch auf einen Besuch des Schreins.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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