Australien
Die Angst in den Vorstädten

Seit über zehn Jahren erlebt Australien einen historisch einzigartigen Wirtschaftsboom, und die Wachstumsorgie der Vorstädte ist sein stärkstes Symptom. Doch nun droht die Immobilienblase zu platzen, die zu einer Spaltung des Mittelstandes geführt hat. Für viele Australier scheint eine Zinserhöhung schlimmer zu sein als ein El-Kaida-Anschlag.

SYDNEY. Bis vor ein paar Jahren war die Drei-Stunden-Fahrt auf dem Hume High-way von Sydney nach Canberra wie eine Ferienreise. Kaum aus der Stadt, verlor sich der Blick auf lieblichen Wiesen, auf denen Schafe und Kühe weideten. Dann kam der Bauboom.

Wo noch vor kurzem Schmeißfliegen über Kuhfladen tanzten, stehen heute Vororte, die sich in die Landschaft fressen wie Metastasen eines rasant wuchernden Karzinoms. Begnügten sich Australier früher mit einem simplen Häuschen mit fließendem Wasser, bauen sie heute Miniaturschlösser in den neuen „Suburbs“ von Sydney, Brisbane oder Melbourne – eines mächtiger als das andere. In 30 Jahren hat sich die Wohnfläche eines durchschnittlichen Hauses in Australien verdreifacht. 400 Quadratmeter große Paläste mit Küchen aus Marmor, Fernsehraum und Badezimmern mit vergoldeten Wasserhähnen werden zur Norm.

Seit über zehn Jahren erlebt Australien einen historisch einzigartigen Wirtschaftsboom, und die Wachstumsorgie der Vorstädte ist sein stärkstes Symptom. Mühelos hat Australien alle weltwirtschaftlichen Krisen weggesteckt: Asiens Finanzkrise, den 11. September 2001, die SARS-Epidemie, hohe Ölpreise. Viele Bürger lebten über ihre Verhältnisse, weil sie es sich leisten konnten.

Nun ist der Konsumrausch gefährdet. Australiens Notenbank hat zum zweiten Mal in zwei Monaten die Leitzinsen erhöht. Nun fürchten Tausende Australier, bald ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen zu können. Die Blase droht zu platzen in einem Land, in dem der Boom die sozialen Sitten rauer gemacht hat.

Penny Green eilt durch das Macarthur Shopping Centre, an der Rechten den vierjährigen Charles, an der Linken die dreijährige Jessica. Das Einkaufszentrum in Campbelltown südlich von Sydney ist so voll, dass sie kaum durchkommt.

Die gigantische Anlage am Stadtrand ist eingebettet zwischen Neubausiedlungen. Vor einem Jahr spielten auf der anderen Straßenseite Kinder auf der Wiese. Nun stehen dort Dutzende doppelstöckiger Häuser. Penny lebt in einer ähnlichen Siedlung, fünf Autominuten entfernt.

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