
HB SYDNEY/CANBERRA. Nach der Auszählung von 12,7 Prozent der Stimmen komme Labour auf einen Anteil von 49,2 Prozent und liege damit hinter den oppositionellen Liberalen mit 50,8 Prozent, teilte die Wahlkommission am Samstag mit.
Zuvor hatte der Fernsehsender "Nine Network" in einer Wählerumfrage nach Schließung der ersten Wahllokale den Vorsprung Gillards bei 52 zu 48 Prozent geschätzt - nach der Befragung von Wählern in 30 besonders umkämpften Wahlkreisen. Auch der Fernsehsender TV sah die Partei der Ministerpräsidentin vorn, allerdings knapper mit 51 zu 49 Prozent. Die Ergebnisse wurden noch vor der Schließung der Wahllokale an der australischen Westküste veröffentlicht. Die Wahllokale in den bevölkerungsreichen Regionen New South Wales, Queensland und Victoria hatten bereits geschlossen. Sie dürften für das Gesamtergebnis den Ausschlag geben.
Schon vor der Wahl hatt sich in Umfragen eine denkbar knappe Entscheidung abgezeichnet. Der konservative Oppositionskandidat Tony Abbott machte zuletzt kontinuierlich Boden gut. Australien stand damit zugleich erstmals seit 70 Jahren vor der Aussicht, eine Minderheitsregierung zu erhalten.
Die vorgezogene Neuwahl wurde von der seit zwei Monaten amtierenden Ministerpräsidentin angesetzt, um ihr Mandat bestätigen zu lassen. Die 48-jährige Anwältin hatte ihren Vorgänger Kevin Rudd gestürzt und als Regierungs- und Parteichefin der Labour Partei beerbt. Der konservative Oppositionsführer Abbott kritisierte Gillard bei seiner Stimmabgabe scharf: „Dies ist der Tag, an dem wir eine schlechte Regierung abwählen können“, sagte er.
Abbott ist bereits der dritte Parteichef der Liberalen seit der Wahlniederlage von Ministerpräsident John Howard 2007. Der 52-Jährige kam im Dezember mit nur einer Stimme Vorsprung gegenüber seinem Vorgänger ins Amt.
Rudd war im Juni von Gillard gestürzt worden, nachdem seine Pläne für eine Abgabe auf Treibhausgase seine Popularitätswerte abstürzen ließ. Gillard ist die erste Frau an der Spitze einer australischen Regierung. Im Wahlkampf warnten beide Spitzenkandidaten ihre jeweiligen Anhänger, die Unerfahrenheit ihres Kontrahenten gefährde Wirtschaft und Wohlstand des Landes.