Auswege für Pleitestaaten
Das Schuldenvirus und die Suche nach dem Gegenmittel

Die Europäer haben damit zu kämpfen – und auch die USA: das Schuldenvirus. Es grassiert weltweit und könnte zur größten ökonomischen Belastung des 21. Jahrhunderts werden. Gibt es Auswege aus dem Dilemma?
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DüsseldorfIn den USA haben die Parteien in letzter Minute eine Kernschmelze an den internationalen Finanzmärkten verhindert. Trotz des lang ersehnten Kompromisses zur Abwendung der US-Staatspleite bedroht die Megaverschuldung der USA nach wie vor die Weltwirtschaft. Vor allem die ideologische Verhärtung zwischen Demokraten und Republikanern im US-Kongress dürfte eine nachhaltige Lösung behindern. Aber auch die seit Monaten schwache Konjunkturentwicklung in der größten Volkswirtschaft der Welt erschwert eine Lösung.

Mit der Anhebung der Schuldengrenze über die bisher angepeilten 14,3 Billionen Dollar hinaus hat die US-Regierung nur die Erlaubnis eingeholt, den Schuldenberg noch weiter anzuheben. Seit Monaten hält der schwelende Streit zwischen Republikanern und Demokraten die Welt in Atem. Nach langwierigen und nervenaufreibenden Diskussionen im Zuge der Schuldenkrise stellt sich zunehmend die Frage nach der politischen Handlungsfähigkeit der USA. Die Republikaner werden von der „Tea Party“ unter Druck gesetzt, einer radikalen Gruppe in den eigenen Reihen. Die lehnt Steuererhöhungen kategorische ab und steht dem Staat generell sehr skeptisch gegenüberstehen. Aber auch auf Seiten der Demokraten gibt es eine zunehmende Polarisierung innerhalb der Partei.

Auch Europa hat sich nicht mit Rum bekleckert, auch hier greift der Schuldenvirus um sich. Die Euro-Staaten wollen ein Übergreifen der Griechenland-Krise auf andere Staaten wie Italien unter allen Umständen verhindern. Doch aller Hilfsankündigungen und Beschwichtigungen zum Trotz trauen die Märkte dem Braten nicht. Sie fürchten vielmehr, dass nun auch noch Italien – das drittgrößte Land in der Währungsunion – Hilfe benötigen könnte. Bislang erhalten bereits Griechenland, Irland und Portugal Unterstützung von den Europartnern und dem Internationalen Währungsfonds IWF. Die Sorgen um die Schuldenberge bleiben präsent – in den USA wie in Europa. Doch wie kann eine Lösung aussehen?

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, ist überzeugt, dass regional begrenzte Maßnahmen kaum die nötige Durchschlagskraft entfalten können, um den Schuldenvirus wirksam zu bekämpfen. Er plädiert für einen Weltschuldengipfel unter Führung der Gruppe der acht führenden Industriestaaten (G8). Einen entsprechenden Vorschlag des Direktors des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, nannte Schäffler im Gespräch mit Handelsblatt Online „richtig und notwendig“. Er äußerte die Erwartung, dass sich die Bundesregierung dafür stark mache.

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"Alchemie des Geldes beenden"

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Was das US-Wachstum schwächt - und was nicht

Kommentare zu " Auswege für Pleitestaaten: Das Schuldenvirus und die Suche nach dem Gegenmittel"

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  • „Zu empfehlen wäre ein Blick auf die deutsche Schuldenbremse“

    Der Ökonom meint aber nicht die Schuldenbremse, die unsere eurologisch demente Bundesreg-eier-ung durch Eingehen von Milliardenbürgschaften die sicher fällig werde gerade grundgesetzwidrig aushebelt?

    Zu Schäffler: Er hat recht mit seinem Vergeleich der Kreditschöpfung mit Doping. Allerdings hat diese bisher auch die sozialen Widersprüche des derzeitigen Wirtschaftssystems kaschiert und abgefedert und nicht zuletzt dadurch den Zusammenbruch des Ostblocks ermöglicht, der andernfalls viel attraktiver gewesen wäre. Stellt man die willkürliche Kreditschöpfung in Frage muss man auch neue Antworten auf die soziale Frage finden, die sich dann vehement zurückmelden wird.

  • Zum Schulden machen gehören immer Zwei. Das ist richtig.

    Wenn jedoch nur ein Darlehnsgeber den Gesamtbetrag bestimmt und an viele als Kredit (ohne die Zinsen die zu bezahlen sind) verteilt, sind auch immer jeweils nur 2 beteiligt. Da aber der gesamte Betrag im (Kredit)-Umlauf ist, müssen sich die Schuldner die Zinsen von ihren Schuldner-kollegen holen.
    Irgend einem muss dieser Betrag fehlen und er ist dann der Pleitestaat. Geht nicht anders,

    außer:
    a) Alle sind solch brillante Wirtschafter, dass sich keiner was abzwacken lässt. Dann wachsen bei allen die Schulden ewig. Um Zinsen und die Zinsesszinseszinsen. Bis ihnen trotz bestem Wirtschaften, Steuererhöhungen, noch mehr noch schnellerer Arbeit und Kürzungen an allen Enden und Ecken, nicht einmal mehr der eigene Schweiß zusteht.
    oder
    b Der, dem der Betrag fehlt bekommt vom Darlehensgeber einen neuen Kredit, darf den alten damit zurückbezahlen, und mit geringerem Investitionsvolumen als am Anfang -Zins, Zinseszins und das Abgezwackte ist ja weg- wieder versuchen die Anderen um soviel zu erleichtern, dass der neue Kredit + Zinsesszinseszins zurückbezahlt werden kann.
    Wenn nicht, braucht er noch mehr Kredit um nicht abzusaufen.
    Wenn er es schafft bleiben Andere auf der Strecke, und dann brauchen eben die mehr Kredite.
    Es ist unmöglich, alle Forderungen ohne neue Kredite zu begleichen. Ein Abhängigkeitsverhältnis, und durchaus eine Parallele zur unmoralischen Drogendealern wert.

    Ein Problem das mit dem schlechten Wirtschaften eines einzelnen nicht zu erklären ist. Und dessen Lösung keiner näher kommt, wenn er nicht auch im Gesamtsystem nach den Ursachen hinter der Wirkung -Pleitestaat- sucht.
    Wenn eine private Institution aus Nichts Kredite erschaffen darf und dafür reale Zinsen kassieren darf, könnte dies durchaus mit dem Problem ursächlich zusammenhängen und gehört daher zwingend öffentlich untersucht und in die Diskussion um eine Lösung.

  • Zum Schulden machen gehören immer Zwei. Das ist richtig.

    Wenn jedoch nur ein Darlehnsgeber den Gesamtbetrag bestimmt und an viele als Kredit (ohne die Zinsen die zu bezahlen sind) verteilt, sind auch immer jeweils nur 2 beteiligt. Da aber der gesamte Betrag im (Kredit)-Umlauf ist, müssen sich die Schuldner die Zinsen von ihren Schuldner-kollegen holen.
    Irgend einem muss dieser Betrag fehlen und er ist dann der Pleitestaat. Geht nicht anders,

    außer:
    a) Alle sind solch brillante Wirtschafter, dass sich keiner was abzwacken lässt. Dann wachsen bei allen die Schulden ewig. Um Zinsen und die Zinsesszinseszinsen. Bis ihnen trotz bestem Wirtschaften, Steuererhöhungen, noch mehr noch schnellerer Arbeit und Kürzungen an allen Enden und Ecken, nicht einmal mehr der eigene Schweiß zusteht.
    oder
    b Der, dem der Betrag fehlt bekommt vom Darlehensgeber einen neuen Kredit, darf den alten damit zurückbezahlen, und mit geringerem Investitionsvolumen als am Anfang -Zins, Zinseszins und das Abgezwackte ist ja weg- wieder versuchen die Anderen um soviel zu erleichtern, dass der neue Kredit + Zinsesszinseszins zurückbezahlt werden kann.
    Wenn nicht, braucht er noch mehr Kredit um nicht abzusaufen.
    Wenn er es schafft bleiben Andere auf der Strecke, und dann brauchen eben die mehr Kredite.
    Es ist unmöglich, alle Forderungen ohne neue Kredite zu begleichen. Ein Abhängigkeitsverhältnis, und durchaus eine Parallele zur unmoralischen Drogendealern wert.

    Ein Problem das mit dem schlechten Wirtschaften eines einzelnen nicht zu erklären ist. Und dessen Lösung keiner näher kommt, wenn er nicht auch im Gesamtsystem nach den Ursachen hinter der Wirkung -Pleitestaat- sucht.
    Wenn eine private Institution aus Nichts Kredite erschaffen darf und dafür reale Zinsen kassieren darf, könnte dies durchaus mit dem Problem ursächlich zusammenhängen und gehört daher zwingend öffentlich untersucht und in die Diskussion um eine Lösung.

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