Autobranche
EU-Staaten uneins über Hilfen für Opel

Der Bundesregierung fällt es schwer, anderen EU-Staaten mit Opel-Standorten den Einstieg des Zulieferers Magna bei dem angeschlagenen Autobauer schmackhaft zu machen. Der spanische Industrieminister Miguel Sebastian sagte in Berlin, er könne das Konzept der Bundesregierung nicht mittragen. Es gebe bessere Bieter als Magna.

FRANKFURT/BERLIN. Sebastian sagte, die Kaufentscheidung müsse auf Basis von wettbewerblichen Gesichtspunkten und betriebswirtschaftlichen Erwägungen getroffen werden. So weit Spanien dies bisher beurteilen könne, erfülle das Konzept von Magna diese Bedingungen nicht. „Je mehr wir über die Magna-Variante erfahren, desto weniger gefällt sie uns“, sagte Sebastian. Die spanische Regierung werde eine europäische Lösung nur unterstützen, wenn es Garantien für das Werk in Zaragoza gebe.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte die EU-Länder mit Opel- oder Vauxhall-Standorten gestern zu einem Treffen in Berlin gebeten, um das Magna-Konzept zu erläutern. Außerdem ging es um die Frage, wie sich die Lasten der Finanzierungshilfen von insgesamt 4,5 Mrd. Euro auf die einzelnen Mitgliedstaaten verteilen. Die Bundesregierung hatte bereits vor Wochen ihre Bereitschaft signalisiert, in Vorlage zu treten, will aber nun die anderen Staaten zur Kasse bitten. In deutschen Regierungskreisen hieß es, die beteiligten Länder seien grundsätzlich durchaus bereit sich zu beteiligen, wollten aber zunächst noch den ausführlichen Businessplan von Magna prüfen.

Der kanadisch-österreichische Autozulieferer hatte in der vergangenen Woche den Zuschlag für den Einstieg bei Opel bekommen. Partner des Zulieferers ist die russische Sberbank. Gemeinsam wollen sie 55 Prozent von Opel übernehmen, 35 Prozent bleiben beim bisherigen Opel-Mutterkonzern General Motors (GM), zehn Prozent sind für die Mitarbeiter reserviert.

Magna plant nach eigenen Angaben den Abbau von rund 6000 Stellen im europäischen Ausland sowie die Streichung von 4000 Jobs in Deutschland sowie die Schließung des Werkes im belgischen Antwerpen. Vor allem im europäischen Ausland hat dies den Argwohn geweckt, dass Magna-Konzept folge politischen Vorgaben aus Deutschland. Opel-Gesamtbetriebsrat Klaus Franz betonte, dass dies „Planzahlen“ seien, aber noch „keine Ergebnisse“. Die Arbeitnehmer wollten weiter eine Werksschließung sowie betriebsbedingte Kündigungen durch Kurzarbeit vermeiden. Die Verhandlungen über den geplanten Kapazitätsabbau würden „in den nächsten Tagen beginnen“. Der europäische Betriebsrat werde am 23. September bei einem Treffen in Antwerpen über sein weiteres Vorgehen beraten.

Magna verteidigte gestern sein Konzept gegen den Vorwurf, es bevorzuge einseitig deutsche Standorte und werde daher am Widerstand der EU-Kommission scheitern. „Die gesamten Überlegungen basieren auf Wirtschaftlichkeit und ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand etwas gegen Wirtschaftlichkeit hat“, sagte Magna-Ko-Chef Siegfried Wolf am Rande der IAA in Frankfurt. „Wenn Dummheiten gemacht würden, könnte ich es verstehen.“ Er sehe keine Anzeichen, dass es nicht klappen sollte.

Unterdessen wächst der Druck großer Hersteller auf Magna. VW-Chef Martin Winterkorn bekräftigte, Volkswagen werde sein Geschäftsmodell mit Magna überprüfen: „Wo laufen wir Gefahr, dass wir bestimmte Informationen an die Konkurrenz geben?“ VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sagte: „Wir als Konzern mögen es nicht, wenn aus unseren Zulieferern unsere Konkurrenten werden.“ Auch BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner sagte, die Bayern würden ihr Verhältnis zu Magna nun überdenken. „Wir hatten bisher eine sehr gute Zusammenarbeit mit Magna, aber da hat sich die Strategie geändert“, sagte er am Rande der IAA. Man werde jedoch „keine vorschnelle Entscheidung in Sachen Magna treffen“, sagte BMW-Boss Norbert Reithofer dem Handelsblatt. „Natürlich hat sich die Situation verändert, da Magna nun auch ein Automobilhersteller werden wird. Wir werden uns die Situation jedoch zunächst einmal in Ruhe anschauen. Der geplante Mini-Crossover wird wie geplant bei Magna in Steyr gebaut.“

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