Autor der „Satanischen Verse“
Rushdies Ritterschlag erregt muslimische Welt

Der Ritterschlag des indisch-britischen Schriftstellers Salman Rushdie hat für einen Aufschrei in der muslimischen Welt gesorgt. Nach Pakistan hat nun auch das iranische Außenministerium in Teheran aus Protest den britischen Botschafter einbestellt. Das berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars am Mittwoch.

HB ISLAMABAD/LONDON. Die Ehrung für Rushdie, Autor der „Satanischen Verse“, hatte die Ehrung am Samstag in London erhalten. Der Ritterschlag sei eine Provokation für eineinhalb Milliarde Muslime, wurde dem Botschafter nach Angaben von Fars im Außenministerium vorgehalten.

Pakistan hatte aus Protest gegen den Ritterschlag für Rushdie bereits am Dienstag den britischen Botschafter einbestellt. Dem Londoner Diplomaten sei deutlich gemacht worden, dass die Ehrung Rushdies den Bemühungen um ein besseres Verständnis zwischen Briten und Pakistanern entgegenlaufe, sagte Außenamtssprecherin Tasnim Aslam in Islamabad.

Der pakistanische Minister für Religions-Angelegenheiten warnte, der Vorfall könne Selbstmordattentätern zur Rechtfertigung dienen. Großbritannien äußerte seine Besorgnis über die Äußerungen und betonte, solche Attentate könnten durch nichts gerechtfertigt werden. In etlichen pakistanischen Städten kam es zu Protesten wegen der Ehrung. Rushdie sei eine kontroverse Person, „die weniger wegen ihres literarischen Beitrags bekannt wurde, sondern vielmehr wegen der anstößigen und beleidigenden Schreibe, die die Gefühle von Muslimen auf der ganzen Welt verletzt“, sagte Aslam weiter.

Das pakistanische Parlament hatte den Ritterschlag am Montag ebenfalls verurteilt und die britische Regierung in einer entsprechenden Resolution zur Rücknahme der Ehrung aufgefordert. Der Minister für religiöse Angelegenheiten, Mohammad Ejaz-ul-Haq, konkretisierte später seine Aussage, dass die Rushdie-Ehrung als Rechtfertigung für Selbstmordanschläge dienen könnte. Er meine damit nicht, dass solche Anschläge gerechtfertigt seien, betonte der Minister.

Rushdie, Autor des Romans „Die Satanischen Verse“, war in der am Samstag veröffentlichten Geburtstagsliste von Königin Elizabeth II. aufgeführt. Auf der Liste stehen 946 Personen, die geehrt werden. Rushdie (60) hatte mit seinem Roman Weltruhm erlangt, nachdem der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini 1989 eine als Fatwa bezeichnete Todesdrohung gegen ihn ausgesprochen hatte. Rushdie lebte danach jahrelang unter starkem Polizeischutz.

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