Autor von „Kampf der Kulturen“
US-Politologe Samuel Huntington ist tot

Der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington, Autor des ebenso gepriesenen wie kritisierten Werkes "Kampf der Kulturen", ist tot. Das teilte die Harvard Universität, an der Huntington fast sechs Jahrzehnte internationale Politik gelehrt hatte, am Samstag auf seiner Webseite mit.

HB NEW YORK/BOSTON. Demnach starb der Politologe bereits am vergangenen Mittwoch (24. Dezember) auf der Insel Martha's Vineyard unweit von Boston (US-Bundesstaat Massachusetts). Er wurde 81 Jahre alt.

Huntington lehrte 58 Jahre lang an der renommierten Harvard Universität, ehe er sich 2007 zurückzog. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeiten gehörten das amerikanische Regierungssystem und militärpolitische Strategien. Er schrieb 17 Bücher und veröffentlichte mehr als 90 wissenschaftliche Artikel. "Sam gehörte zu der Gruppe von Wissenschaftlern, die Harvard zu einer großen Universität gemacht haben", erklärte Huntingtons langjähriger Freund, der Wirtschaftswissenschaftler Henry Rosovsky in einem Nachruf der Universität. "Seine Ideen wurden in aller Welt beachtet und diskutiert. Meines Wissens war er einer der einflussreichsten Politologen der letzten 50 Jahre."

In seinem 600-seitigen Werk "Kampf der Kulturen" ("The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order"), das 1996 erschien, vertrat Huntington die Auffassung, dass die nächsten Kriege durch kulturelle und religiöse Differenzen heraufbeschworen werden könnten. Seiner Einschätzung nach geht die größte Gefahr für den Frieden im 21. Jahrhundert von der Konfrontation zwischen Zivilisationen aus, das heißt, zwischen deren Kulturen und Religionen. Die Konflikte im 20. Jahrhundert dagegen hatte der Politologe auf den Zusammenprall widersprüchlicher Ideologien zurückgeführt, die im 19. Jahrhundert auf die Abgrenzung von Nationalstaaten. Der "Kampf der Kulturen" wurde in 39 Sprachen übersetzt.

Huntington unterteilte die Menschheit in acht Zivilisationen: die westliche Zivilisation mit Europa und den USA, Lateinamerika, die islamische Zivilisation, die afrikanische, die orthodoxe mit Russland als Kern, die Hindu-Zivilisation in Indien und benachbarten Ländern, die japanische und die "sinologische" Zivilisation Chinas, Koreas und Vietnams. Das Risiko für Konflikte sei dort am größten, wo sich Macht- und kulturelle Unterschiede überlappen, fand Huntington.

In seinem 1969 erschienenen Werk "Political Order in Changing Societies" beschäftigte er sich mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Dritten Welt.

Geboren wurde Huntington am 18. April 1927 in New York. Seiner akademischen Laufbahn ging kurz nach dem Zweiten Weltkrieg der Dienst bei den Streitkräften voraus.

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