Die Autohersteller müssen den Abgas-Ausstoß ihrer Fahrzeuge massiv senken. Die EU-Kommission hat Pläne vorgelegt, die Hersteller großer Wagen beim Klimaschutz deutlich stärker in die Pflicht nehmen. Deutsche Konzerne sehen sich besonders benachteiligt – und für Kunden wird es erstmal teurer.
HB BRÜSSEL. Der Kommissionsvorschlag sieht vor, dass ein Fahrzeug mit dem doppelten Gewicht eines Kleinwagens nur 60 Prozent mehr CO2 ausstoßen darf. Ziel der EU ist es, dass Neuwagen bis 2012 in der EU knapp ein Fünftel (19 Prozent) weniger CO2 ausstoßen als heute. Das Gesetz soll dazu beitragen, die ehrgeizigen Ziele der EU zum Klimaschutz zu erreichen. Von Kraftfahrzeugen gingen bislang zwölf Prozent der gesamten Emissionen in der EU aus, erklärte die Kommission weiter. Die Vorschläge müssen nun von den Mitgliedstaaten beraten und verabschiedet werden.
Die Kommission beschloss am Mittwoch den schon im Vorfeld umstrittenen Entwurf für ein Gesetz, nach dem Neuwagen dann im Durchschnitt nur noch 120 Gramm Kohlendioxyd (CO2) je Kilometer an die Umwelt abgeben dürfen. Derzeit liegt der Durchschnitt bei 160 Gramm.
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Strafen bei Nichterfüllung der Grenzwerte sollen dann binnen vier Jahren schrittweise eingeführt werden. Die Bußgelder fingen bei 20 Euro pro überschrittenem Gramm und Kilometer an und stiegen bis auf 95 Euro. Vor allem Deutschland und Frankreich sind dagegen, die Automobilindustrie zu stark zu belasten. Über das Gesetz müssen die 27 Euro-Länder und das Europäische Parlament entscheiden.
Nach Berechnungen der EU-Kommission werden die Vorgaben den Preis eines Neuwagens um durchschnittlich 1 300 Euro in die Höhe treiben werden. Durch sinkende Spritkosten könnten jedoch über die Lebenszeit eines Autos durchschnittlich 2 700 Euro eingespart werden, erklärten Experten der Brüsseler Behörde.
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Volkswagen hat die Vorschläge als Benachteiligung deutscher Hersteller kritisiert. „Wir hätten uns eine faire, realistische und zeitlich umsetzbare Regelung gewünscht, in der die deutschen Hersteller im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz nicht überproportional belastet würde“, sagte ein VW-Sprecher am Mittwoch in Wolfsburg. VW begrüße die von der EU angekündigte vierjährige Übergangszeit für Strafen, diese sei aber im Hinblick auf Entwicklungszeiten „nicht wirklich viel“.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat den Richtlinienvorschlag als „Wettbewerbskrieg gegen die deutschen Autohersteller“ kritisiert. „So werden nur die italienischen und französischen Autohersteller bevorzugt“, sagte er im ZDF-Morgenmagazin. „Natürlich müssen die großen Autos ihren CO2-Ausstoß mehr senken als die kleineren Autos“, sagte Gabriel. „Aber da müssen alle ran, auch die Hersteller von kleinen und mittleren Autos.“
Die Bundesregierung bevorzugt eine möglichst gleichmäßige Verteilung, damit die deutschen Premium-Hersteller den CO2-Ausstoß ihrer Flotten zumindest prozentual nicht viel stärker verringern müssen als ihre Konkurrenten in Italien oder Frankreich. Letztere wiederum verweisen darauf, dass ihre im Schnitt kleineren Wagen heute schon vergleichsweise wenig CO2 in die Luft pusten.

