Axel Weber im Interview
„Es gibt kein Grundrecht auf Verschuldung“

Der ehemalige Bundesbank-Chef Axel Weber kehrt bald als Präsident der UBS auf die große Bühne zurück. Zuvor rechnet er im Interview mit der Eurokrise ab – und mit der Zunft der Notenbanker.
  • 13

ChicagoHerr Weber, Sie haben als Bundesbankpräsident den Kampf gegen die Finanzkrise in vorderster Front geführt. Nun muss die gemeinsame Währung gerettet werden, und Sie wechseln in die Privatwirtschaft. Tut das weh?

Axel Weber: Nein, ich habe sieben Jahre ein öffentliches Amt innegehabt und mich dann bewusst dafür entschieden, einen anderen Karriereweg einzuschlagen. Viele der Themen werden mich aber weiter beschäftigen.

Über Ihren künftigen Arbeitgeber, die UBS, reden Sie noch nicht. Wie ist es mit Ihrem ehemaligen Arbeitgeber, der Bundesbank? Sind Sie mit der Amtsführung Ihres Nachfolgers einverstanden?

Es ist nicht meine Aufgabe, das zu kommentieren.

Weidmann klang zuletzt hart wie Weber.

Das haben Sie gesagt. Die Bundesbank steht für Stabilität und Langfristorientierung ein, und das ist richtig so.

Es sind turbulente Zeiten für Zentralbanker. Auf beiden Seiten des Atlantiks wächst die öffentliche Kritik an ihren Bemühungen, die schwächelnde Wirtschaft mit billigem Geld zu stabilisieren.

Notenbanken sind unabhängig. Sie müssen tun, was sie für richtig halten, egal, woher die Kritik kommt. Zugleich müssen sie stets darauf achten, dass sie dabei bestimmte Grenzen nicht überschreiten.

Wie meinen Sie das?

Die Geldpolitik ist unabhängig, weil sie ein klares und allgemein anerkanntes Ziel hat: Sie muss die Inflation unter Kontrolle halten. Nur um dieses Ziel zu erreichen, ist sie – gewollt – der politischen Willensbildung entzogen. Notenbanker haben also kein Mandat für weiter gehende finanzpolitische Themen. Dafür sind einzig die Parlamente und die Regierungen zuständig. Die Zentralbanken aber haben im Zuge der Finanzkrise zunehmend Maßnahmen ergriffen, die in einem Graubereich zwischen Geldpolitik und Finanzpolitik angesiedelt sind. Das ist gefährlich.

Wie der Kauf von Staatsanleihen, gegen den Sie vor Ihrem Rücktritt gestimmt hatten?

Unter anderem. Wenn finanzpolitische Entscheidungen unter dem Deckmantel der Geldpolitik getroffen werden, werden sich die Bürger dazu äußern wollen. Ich halte das auch für berechtigt. Wir sprechen hier über hoch politische Fragen, die man nicht einem Gremium von – in diesem Fall absolut wertfrei gesprochen – Technokraten überlassen darf, wie es die Zentralbanken sind und erklärtermaßen sein sollen. Das Privileg, unabhängig zu sein, bringt die Verpflichtung mit sich, sich auf seine Kernaufgabe zu konzentrieren.

Kommentare zu " Axel Weber im Interview: „Es gibt kein Grundrecht auf Verschuldung“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Dr. Norbert Leineweber
    Natürlich war mein Beitrag nicht für Personen wie RM gedacht, sondern eher für Studenten, wie ich sie 20 Jahre als Hochschullehrer vor mit hatte. Meine Diplomanden waren kognitiv gleichwohl recht ambitioniert. Da ist nun die Kluft zwischen Insolvenzverschleppungsfonds und Pseudo-Rettungsmaßnahmen als wissenschaftlicher Spagat doch etwas zu groß gewesen. Und die Krise haben die auf dem Konto, die die Auchwüchse über den Steuerzahler nun sozialisieren wollen. Diese Sozialisierung ist aus Sicht der Neoklassik zu bemängeln, weil die die Risiken zu tragen haben, die sie eingegangen sind. So einfach ist das. In Wahrheit ist der der Rettungsschirm "sozialistisch". Wer sich in der Wirtschafttheorie nicht auskennt, sollte Nachhilfe nehmen.

  • @ RM

    Lassen Sie es mich vielleicht etwas weniger rabiat ausdrücken, was ich von Politikern halte:

    Menschen, die von bestimmten eigenen Anschauungen und Vorstellungen derart geprägt sind, daß sie es als ihre Lebensaufgabe sehen, dieses unbedingt zu realisieren, die werden Politiker.
    Dazu benötigen sie Macht in zweierlei Hinsicht, sie brauchen Stimmen und sie brauchen Geld, viel Geld. Allein kommen sie dabei meist nicht weit, also treten sie in eine Partei ein, um dort zunächst Akzeptanz und dann höhere Rangpositionen zu erobern.

    Wenn sie das geschafft haben, eröffnet sich ihnen die Möglichkeit, die Verfügungsgewalt über Geld zu erhalten. In der Regel benötigen sie aber mehr Geld, also werden Steuern, Gebühren o.ä. erfunden, deren wahren Zweck sie allerdings keinesfalls preisgeben. Sonst würden sie möglicherweise wieder Stimmen einbüßen.

    Bei der Verfolgung ihrer Ziele - die bis dahin in den Zielen der Partei aufgegangen sind - haben sie festgestellt, daß man Wählerstimmen am besten dadurch sammelt, indem man den Wählern finanzielle Geschenke macht. Dafür benötigen sie zusätzlich Kredite. Also nimmt der Staat mehr und mehr Schulden auf.

    Mittlerweile sind sie dann in der Hand ihrer Gläubiger, der Finanzinstitute. Wenn es denen schlecht geht, siehe z.B. 2008, so bleibt den Politikern keine Wahl, sie müssen die Geldgeber retten. Sonst sind sie selbst am Ende.

    Das überfordert nun wieder in vielen Fällen den Staatshaushalt; somit sind wir in der aktuellen Situation angekommen. Aber es soll ja bloß keiner merken, was die unbeirrte Verfolgung der eigenen Ziele angerichtet hat, es droht ja Stimmenverlust. Also wird auf Teufel komm raus die eigene Macht gerettet und dem Bürger wird etwas von Stabilität der Währung, von Solidarität und von einem gemeinsamen Europa usw. erzählt.

    Mal sehen, wann die Bürger das endlich so umfänglich begreifen, daß sie diese Politiker in die Wüste schicken.

  • @ Ernst
    Finde Ihre Analyse kurz prägnant und ins Schwarze treffend. Trotzdem fehlt etwas außerordentlich Wichtiges, um danach zum Handeln zu kommen. Es ist die Frage: sind unsere politischen Führungskräfte
    a) inkompetente Machtjunkies und somit egoman-dumm
    b) verfolgen Sie ganz andere Ziele als sie vorgeben

    Es ist doch verdammt nochmal ein Leichtes die Schädlichkeit der ganzen Pseudo-Rettungsmaßnahmen zu erkennen! D. h., wenn dieses Führungspack gemäß dem Eid den Sie geschworen haben, nicht kriminell ist, dann sind Sie strohdumm und unendlich geblendet von Ihrer eigenen Bedeutung und Wichtigkeit, genau wie der vor Eigenlob übel riechende oben sich ergießende Dr.N.L., der wie viele andere hohle Titellechzer einen Bullshit von sich gibt, dass man es gar nicht glauben möchte!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%