Axel Weber
„Wir müssen den Markt zurückbringen in die Marktwirtschaft“

Finanzanleger schwelgen in einer Vollkaskomentalität, schimpft Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber. Der zukünftige Präsident der Schweizer UBS zerreißt die bisherige Krisenpolitik und mahnt die G20-Teilnehmer zur Umkehr.
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FrankfurtEr ist der Mahner, der kein Blatt vor den Mund nehmen muss. Axel Weber ist noch nicht Präsident der Schweizer Großbank UBS und nicht mehr Präsident der deutschen Bundesbank. In dieser Zwischenphase, wo die Rücksichten auf Politik und Dienstherren am kleinsten sind, hat er heute, während in Cannes die Spitzen der 20 größten Industrieländer um Wege aus der Schuldenkrise ringen, in der Frankfurter Oper auf Einladung eines Fondsanbieters sein Konzept zur Lösung der Schuldenkrise vorgetragen. Es ist Webers Weg. Und er hebt sich wohltuend von der Krisenhektik in Cannes ab.

Der Präsident im Zwischenruhestand greift zu harten Worten. „Die Diskussion, dass es keine Alternative zum jetzigen Handeln in der europäischen Schuldenkrise gibt, hören wir seit zwei Jahren. Gleichzeitig hat der Markt aber immer mehr Zweifel, ob die Schuldenländer jemals wieder ihre Schulden zurückzahlen können“, sagt er und macht deutlich, dass Merkel, Sarkozy und Co. einen falschen Ansatz gewählt haben. Seine Analyse: „Jeder Anleihekäufer, der einst glaubte, griechische Staatsanleihen seien fast so zu bewerten wie deutsche, hat eine massive Fehlspekulation gemacht.“

Seine Schlussfolgerung: Deswegen müsse jeder dieser Käufer jetzt auch zur Lösung des Problems herangezogen werden. „Wir haben es uns in Europa anderthalb Jahre geleistet, über irrelevante Alternativen zu reden. Alle bisherigen Ideen laufen unter dem Motto, wie kann ich das Geld der anderen verwenden, um mir selbst zu helfen“, lautet die Botschaft aus Frankfurt in Richtung Cannes.

Nicht viel Gutes kann Weber dieser Form des Krisenmanagements abgewinnen. Eurobonds, also die lange diskutierte Staatsanleihe, die die europäischen Länder gemeinsam ausgeben könnten, seien Instrumente einer „Liebesehe“, sie stammten aber nicht aus einer „Vernunftehe“. Der Rettungsfonds ist seiner Meinung nach nicht richtig konstruiert. Bevor Marktteilnehmer Verluste erlitten, werde der Steuerzahler zur Kasse gebeten. Der Hebel, der jetzt eingebaut werden soll, um das Volumen des Rettungsfonds zu erhöhen, bedeute nichts weiter als eine höhere Verlustwahrscheinlichkeit für den Steuerzahler.

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"Italien hat das falsche Geschäftsmodell"

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  • Und auch hier kein Wort darüber, dass man mal schaut, wie viel Giralgeld denn in der Schuldensumme enthalten ist. Denn dieses von den Banken mit einem Hebel von bis zu 20 geschöpftes neues Geld zu eingelagertem könnte einfach gelöscht werden, denn es war ja vorher auch gar nicht da.
    Die Frage ist nur, warum dafür auch noch Zinsen genommen werden durften? Warum wir das nicht von unseren Politikern also Lösung diskutiert?
    Und wenn wir nicht von dem räuberischen Zinsgeldsystem wegkommen, dann wird es uns am Ende so ergehen, wie den alten Römern: http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/11/01/was-unsere-finanzkrise-mit-dem-untergang-des-romischen-imperiums-zu-tun-hat/

  • Axel Weber zeigt den richtigen Weg zur Konsolidierung der EURO-Krise auf. Die diversen Verhandlungsrunden und Lösungsversuche sind zu sehr von "EUROPA- Gefühlen" und zu wenig vom gesunden wirtschaftlichen Verstand geprägt. Die Spitzenpolitiker Europas sollten sich zurückhalten - und zuhause für solide Staatshaushalte sorgen. Sanierugen machen auch bei Unternehmen immer die erfahrenen Fachleute im Stillen.

  • Amen, Herr Weber! Aber nicht nur in die Finanzwirtschaft muss der Markt zurückkehren, sondern auch in die Realwirtschaft. „Hilfe zur Selbsthilfe“ heißt doch, dass man Griechenland zeigt, wie es sich selbst mehr ernähren kann, als immer nur von anderen zu importieren (und mit dem Geld bezahlen, das andere ihnen schicken). Leistungsbilanzüberschüsse und Transferzahlungen sind kommunizierende Gefäße! Je mehr Überschuss Deutschland hat, desto mehr Transfers wird es zahlen müssen. Desto mehr Defizit beispielsweise Griechenland hat, desto mehr Transfers wird es brauchen.

    Griechenland muss seine Importe durchforsten und versuchen, alle jene Konsumgüter, die es selbst genauso gut herstellen könnte, wieder im eigenen Land mit eigener Leistung herzustellen. Vielleicht sogar auch einige Kapitalgüter. Natürlich würde das ein Exportland wie Deutschland unangenehm treffen, aber solange Griechenland keine eigene Leistungsfähigkeit hat, wird Deutschland entweder Griechenland das Geld schicken müssen, um Bezahlung für seine Exporte zu bekommen oder es wird Griechenland diese Exporte einfach schenken müssen. Da gibt es nicht wirklich etwas dazwischen.

    http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/endspiel-um-griechenland.html

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