Bahnen schließen Rahmenabkommen
Deutsche Firmen blicken Richtung Türkei

Mit der Einweihung eines deutsch-türkischen Kraftwerksprojekts bei der südostanatolischen Hafenstadt Iskenderun hat Gerhard Schröder am Dienstag seine zweitägige Türkeireise beendet. Am Abend zuvor hatte der Bundeskanzler einen Abstecher an den Bosporus gemacht, wo er Gast des deutsch-türkischen Wirtschaftsforums war. Dabei unterstrich er einmal mehr seine Unterstützung des türkischen EU-Beitrittswunsches.

ISTANBUL. Das Kraftwerk von Sugözü, das Schröder mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan einweihte, ist die bisher größte deutsche Einzelinvestition in der Türkei. Insgesamt flossen rund 1,5 Mrd. Dollar an ausländischem Direktkapital in den Bau. Das Projekt unterstreiche die engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern und zeige ihr künftiges Potenzial, sagte Marc Landau, Geschäftsführer der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer in Istanbul. Mit einem Handelsvolumen von 16 Mrd. Euro 2003 ist Deutschland der größte Handelspartner der Türkei. Rund 1 100 Firmen mit deutscher Beteiligung sind dort aktiv. „Als Produktionsstandort profitiert die Türkei von niedrigen Löhnen, guter Qualifikation und hoher Motivation der Beschäftigten“, weiß Landau. So haben beispielsweise Mercedes Benz und MAN inzwischen den Großteil ihrer Omnibusproduktion in der Türkei konzentriert.

Und das Interesse deutscher Investoren an der Türkei wächst. Das zeigte auch die Kanzlerreise – immerhin hatte Schröder 13 deutsche Wirtschaftsführer im Gefolge, darunter auch Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und Burkhard Schuchmann, Vorstandsvorsitzender des Bahn-Ausrüsters Vossloh AG. Sie unterzeichneten zwei Rahmenabkommen mit den türkischen Staatsbahnen TCDD. In einer ersten Phase sollen DB und Vossloh Consulting-Dienstleistungen erbringen. Beide Unternehmen hoffen aber, dauerhafte Geschäftsbeziehungen aufbauen zu können. Hintergrund ist der Bedarf der TCDD an Waggons, den DB-Chef Mehdorn aus Gebrauchtbeständen seines Unternehmens zu decken hofft. Das Interesse der türkischen Eisenbahnen sei vorhanden, die Finanzierung aber noch nicht gesichert, heißt es. Auch der in Kürze auszuschreibende Bau einer Hochgeschwindigkeitstrasse von Istanbul nach Ankara sowie Streckenerneuerungen vom zentralanatolischen Polatli über Afyon zur Ägäis-Hafenstadt Izmir und der Ausbau des Schienenstrangs von Ankara in die aufstrebende Industriestadt Sivas wecken das Interesse der Manager von DB und Vossloh. Geprägt werden die deutschen Investitionen in der Türkei aber nicht nur von Großprojekten wie dem jetzt eingeweihten Kraftwerk oder den Fertigungsstätten von Daimler-Chrysler und MAN, Bosch und Siemens, sondern auch von den vielen Mittelstandsfirmen, die, so IHK-Chef Landau, „in allen Branchen engagiert sind“.

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