Balkan
Bulgarien: Wachstumsmodell stößt an seine Grenzen

Das Wunderkind schwächelt. Nach Jahren des Wachstums bricht Bulgariens Industrieproduktion ein, der Kapitalzufluss versiegt, stattdessen blüht die Korruption wieder auf, etliche Bürger müssen sich verschulden. Trotzdem schätzen viele deutsche Firmen den Standort.

SOFIA. Rund um den Globus kämpfen die Volkswirtschaften gegen den Abschwung, doch die Regierung in Sofia strahlt Optimismus aus: „Bulgarien ist besser vorbereitet und besser geschützt in der weltweiten Finanzkrise“, sagt Premierminister Sergei Stanischew. Tatsächlich ist die Landeswährung Lew wegen der Koppelung an den Euro nicht abgestürzt – im Gegensatz zu vielen osteuropäischen Valuta. Und Bulgarien hat jahrelang deutliche Haushaltsüberschüsse eingefahren. Die Volkswirtschaft des Landes werde deshalb auch in diesem Krisenjahr um ein Prozent wachsen, prognostiziert der sozialistische Regierungschef, dessen Koalition bei der Parlamentswahl im Juli um das politische Überleben kämpfen muss.

Doch Ökonomen haben Zweifel an dieser Vorhersage: Die Wirtschaftsleistung des Musterlandes im Südosten Europas werde nach seiner Berechnung bestenfalls stagnieren oder sogar um bis zu drei Prozent schrumpfen, sagt Ruslan Stefanow, Koordinator des Wirtschaftsprogramms am Zentrum für Demokratie-Studien (CSD) in Sofia. „Woher die von der Regierung prognostizierten ein Prozent Wachstum kommen sollen, sehe ich nicht.“

Das nun etliche Jahre währende Wachstumsmodell Osteuropas – hohe Auslandsinvestitionen, Einfuhr von Investitionsgütern, Erhöhung der Produktion und wachsende Exporte – sei ins Stocken geraten. Und Sofias Regierung müsse sich nun auf erhebliche Lücken bei den Mehrwertsteuereinnahmen und Gesundheitsabgaben einstellen. Auch Unicredit, die italienische Bank, die Bulgariens größte Bank beherrscht, rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,9 bis drei Prozent schrumpfen wird.

Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (OA), sieht Bulgarien mittlerweile „erheblich von der Krise getroffen“: So hätten drei Viertel aller Baufirmen des Landes – bis vor kurzem noch Träger eines gewaltigen Immobilienbooms – keine Aufträge mehr.

Immerhin könnte Bulgarien von erheblichen Mitteln aus den EU-Strukturfonds profitieren. Für das vor nunmehr gut zwei Jahren der Europäischen Union beigetretene Land geht es dabei immerhin um 11,3 Mrd. Euro Hilfsgelder für 2007 bis 2013. „Dies könnte ein exzellentes Konjunkturprogramm sein“, so Lindner. Doch noch immer habe der Schwarzmeer-Staat Probleme, die EU-Fördermittel korrekt abzurufen und einzusetzen.

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