Banca d’Italia
Revolte im Palazzo Koch

Der Gouverneur der italienischen Zentralbank, Mario Draghi, will sein Haus in Ordnung bringen. Doch die altehrwürdige Institution der Banca d’Italia ist schnellen Wandel nicht gewöhnt. Bei den Mitarbeitern macht sich Unmut breit. Gewerkschaften, Politiker und Medien stellen sich auf die Seite der Angestellten. Der Protest treibt interessante Blüten.

ROM. Die Straße ist gesperrt, die Polizei patrouilliert selbst auf dem gegenüberliegenden Dach. Der Palazzo Koch, der Sitz der Banca d’Italia, auf der Via Nazionale im Zentrum Roms gleicht einer Hochsicherheitszone. Die Sicherheitsbeamten bewachen die Wirtschaftselite Italiens, die sich hinter den Mauern des pompösen Neo-Renaissance-Gebäudes zum alljährlichen Happening eingefunden hat.

Unicredit-Chef Alessandro Profumo ist ebenso angereist wie Enel-Chef Fulvio Conti, Fiat-Präsident Luca Cordero di Montezemolo oder auch der Sprecher des Abgeordnetenhauses, Fausto Bertinotti. Mehr als 100 Teilnehmer lauschen in dem mit ockerfarbigen Seidentapeten behangenen Saal mit marmorgesäumten Fenstern dem Gouverneur der Zentralbank, wie er seine Rede zur Lage der Nation hält. Für Mario Draghi ist es bereits das zweite Mal, seit er Anfang 2006 Antonio Fazio abgelöst hat, der seinen Posten nach heftigen Bankenskandalen mehr oder weniger freiwillig geräumt hat.

„Seit Mitte 2005 geht es wieder bergauf“, lobt Draghi die Anzeichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung, goutiert gleichzeitig die Zusammenschlüsse unter Banken und mahnt Reformen an. Doch während er von seinen Zuhörern Applaus erntet – „eine perfekte Rede“, lobt etwa Montezemolo –, macht sich bei vielen Mitarbeitern im Innern des Palazzo mit seinen Keramik-Madonnen, Gobelins und Lüstern aus Muranoglas Unmut breit.

So haben sich auch vor den Toren des Palasts nicht nur Polizisten und Journalisten versammelt, sondern auch Vertreter der Gewerkschaft Falbi. Sie haben just am Tag der Jahresversammlung zu einem vierstündigen Streik aufgerufen, um gegen Draghis geplante Reform der Zentralbank zu demonstrieren. „Das ist eine Zumutung für die Mitarbeiter“, ereifert sich Luigi Leone, der Falbi-Generalsekretär, der mit seiner Fönfrisur, der Sonnenbrille, der gelben Krawatte zum schwarzen Anzug und der Zigarre im Mundwinkel kaum etwas vom klassischen Gewerkschafter hat.

Tatsächlich mahnt der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Draghi nicht nur bei anderen Änderungen an, sondern legt auch intern eine beachtliche Reformwut an den Tag. Da die Banca d’Italia wie die anderen Zentralbanken im Euro-Raum mit der Einführung der Einheitswährung an Bedeutung verloren hat, will Draghi schlankere Strukturen durchsetzen.

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