Bangladesch
Terrorismus bedroht den Textil-Boom

Islamisten haben am Wochenende in Bangladesch einen säkularen Verleger getötet und drei Religionskritiker verletzt. Die Terrorwelle ist nicht nur eine Gefahr für die Meinungsfreiheit, sondern auch für die Wirtschaft.

BangkokEs ist ein Zeichen des Protests, aber auch der Hilflosigkeit. Aus Wut über die wachsende Unsicherheit im Land haben Verleger und Buchhändler in Bangladesch am Montag keine Bücher verkauft. Stattdessen zogen sie in Protestmärschen durch die Hauptstadt Dhaka und andere Städte des Landes.

Am Wochenende hatten Islamisten den religionskritischen Verleger Faisal Arefin Dipan ermordet. Mit Macheten bewaffnet stürmten sie in sein Büro mitten im Zentrum der Hauptstadt und hackten ihn zu Tode. Ein weiterer Verleger sowie zwei Blogger wurden ebenfalls angegriffen und erlitten teils schwere Verletzungen. Die Verantwortung für die Taten übernahm der Ableger Al-Kaidas auf dem indischen Subkontinent. Der deutsche Botschafter Thomas Prinz bezeichnete die Anschläge in dem überwiegend muslimischen Land als äußerst besorgniserregend. “Die Attacken verstärken das Klima der Angst in Bangladesch”, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Botschaft in Dhaka.

Die Angriffe reihen sich ein in eine erschreckende Terrorserie, welche die Meinungsfreiheit in dem säkularen Staat bedroht – aber auch zu einer Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung wird. Vier religionskritische Blogger wurden in diesem Jahr bereits ermordet. Diesen Herbst fielen zudem bereits ein japanischer Investor sowie ein italienischer Entwicklungshelfer den Fanatikern zum Opfer. Modemarken verschärften ihre Sicherheitsvorkehrungen. Aus dem bangladeschischen Verband der Textilhersteller und -Exporteure hieß es bereits, einige Kunden hätten Panik bekommen und Geschäftsreisen sowie Bestellungen verschoben. Mehrere westliche Staaten warnen vor Reisen in das Land oder raten dazu, äußerst vorsichtig zu sein.

So wächst die Sorge, das künftig mehr Investoren sowie Kunden fernbleiben und den Aufschwung in dem bitterarmen Land abbremsen. Während andere asiatische Entwicklungs- und Schwellenländer wegen der Abkühlung in China Probleme bekommen, entwickelt sich Bangladesch schnell weiter. Die Asiatische Entwicklungsbank schraubte zuletzt ihre Erwartungen noch einmal nach oben und rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von 6,5 Prozent. Bangladeschs Erfolg liege darin, “einfache verarbeitende Industrie anzulocken, die China auf der Suche nach günstigeren Kosten für Land und Arbeit verlassen ”, heißt es in einer Analyse des Beratungsunternehmens Capital Economics. Besonders für die Textilindustrie ist das Land attraktiv. Kleidung macht mittlerweile rund 80 Prozent der Exporte aus.

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