Bank in Not Auch Slowenien könnte EU-Hilfen brauchen

Bislang war Slowenien der Aufmerksamkeit der Märkte weitgehend entgangen - doch nach Spanien und Zypern wird das Euro-Land jetzt an den Finanzmärkten als sechster Kandidat für den Euro-Rettungsschirm gehandelt.
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SOS-Zeichen an einer Notrufsäule sind vor dem Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt zu sehen. Quelle: dpa

SOS-Zeichen an einer Notrufsäule sind vor dem Euro-Zeichen vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt zu sehen.

(Foto: dpa)

Slowenien muss möglicherweise als sechstes Land der Währungsunion um Hilfen der Europäischen Union bitten. Auslöser ist die Schieflage von Nova Ljubljanska Banka dd (NLB), der größten Bank des Landes. Slowenien hat den Euro 2007 eingeführt. “Es ist zunehmend wahrscheinlich, dass Slowenien das nächste kleine Land sein wird, das um Hilfen bei der Europäischen Union bitten wird. Der Schwerpunkt dürfte dann auf dem Bankensektor liegen, sagt Michal Dybula, Volkswirt bei BNP Paribas in Warschau.

Bereits am Montag hatte die EU-Kommission der Regierung in Ljubljana grünes Licht erteilt, die Bank mit 382,9 Millionen Euro zu stützen. Eine Prüfung des Umstrukturierungsplans der Bank läuft. Damit wollen die Wettbewerbshüter in Brüssel sicherstellen, dass die staatlichen Hilfen den Wettbewerb nicht verzerren.

Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte am Dienstag auf Nachfrage: „Wir haben keinen Antrag aus Slowenien erhalten und wir geben keinen weiteren Kommentar zu dem Thema.“

Slowenien wäre nach Zypern das sechste Land der Eurozone, das im Zuge der Schuldenkrise um Hilfe bittet. Die Finanzierungskosten des Landes sind auf den höchsten Stand seit Februar geklettert, die Rendite für die 2021 fällige Anleihe lag am 29. Juni bei 6,1 Prozent. Die slowenische Notenbank hat in der Vergangenheit wiederholt darauf gedrängt, die Banken zu rekapitalisieren, deren Liquidität an der Refinanzierung durch die Europäische Zentralbank hängt.

„Es bedürfte einer weiteren Eskalation der Eurokrise, mit einem Anstieg der Renditen auf ein prohibitiv teures Niveau, um ein Hilfsgesuch beim Internationalen Währungsfonds und der EU zu erzwingen,” schrieb William Jackson, Volkswirt bei Capital Economics in London, in einer E-Mail. Danach sehe es derzeit noch nicht aus, aber sie seien davon vermutlich nicht allzu weit entfernt, fügte Jackson hinzu.

NLB musste vom Staat gestützt werden. Der zweitgrößte Anteilseigner der Bank, die belgische Finanzgruppe KBC Groep NV, zog sich von der Transaktion zurück, nachdem die EU-Kommission keine Zustimmung erteilt hatte. KBC hatte 2009 staatliche Hilfen über sieben Mrd. Euro erhalten. Die slowenische Regierung bezeichnete die Kapitalspritze als “zeitlich befristete Lösung”. Sie will ihren Anteil von 25 Prozent und einer Aktie an NLB abbauen.

Finanzminister Janez Sustersic sagte in einem Interview am Montag, das wichtigste sei, dass das Kapital erhöht wurde. Zur Ankurbelung der Wirtschaft brauche die Bank 500 Millionen Euro oder “viel mehr”, hatte der Minister zuvor gesagt.

Nach Angaben von Bozo Jasovic, dem Interimschef der Bank, hat die NLB bei der EZB 1,2 Milliarden. Euro geliehen. Insgesamt haben slowenische Banken bei der EZB Gelder im Umfang von zwei Milliarden Euro ausgeliehen, teilte Sloweniens Notenbank am 14. Juni mit.

Slowenien ringt mit einer Kombination von rückläufigem Wirtschaftswachstum und steigender Verschuldung. Mehrere Ratingagenturen hatten die Kreditwürdigkeit des Landes zuletzt gesenkt. Die Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet mit einer Schrumpfung der slowenischen Wirtschaft um zwei Prozent im laufenden Jahr. Das Haushaltsdefizit erreichte 2011 6,4 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Mit Einsparungen über 800 Millionen Euro will die Regierung gegensteuern.

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49 Kommentare zu "Bank in Not: Slowenien ist Kandidat Nummer 6 für den Rettungsschirm"

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  • Die slowenische Regierung hat sich halt zu stark in die Ortstafellösung in Südkärnten eingemischt, Druck gemacht und haben dabei ihre Banken und Wirtschaft außer Augen verloren.
    Denen fehlt es sichtlich an Prioritätensetzung.

  • Wie Slowenien? Wurde noch vor ein paar Jahren euphemistisch die "Schweiz im Balkan" genannt... jetzt plötzlich das "Spanien Mitteleuropas". So schnell kann's gehen. Irgendwie scheint der Versuch von Angie, Wolfgang und Co, mit Griechenlands Rettung einen Domino-Effekt zu verhindern,ins Hemd gegangen zu sein, denn seit Wochen ist in Europa nur noch Domino-Day!!! Halt - stopp - nicht in ganz Europa... Norwegen, Schweden, Dänemark und die Schweiz scheinen recht unberührt. Ach, die haben ja auch den Euro nicht? Kannste mal sehn.....

  • @eddie

    Ich kann noch nichtmal meinen bescheuerten Nachbar im Haus nebenan leiden. Wieso soll ich mich dann zwangsverbrüdern lassen? Aber als ehemaliger sowjetrussischer Parteifunktionär würde ich mich natürlich auch für eine große Zwangsgemeinschaft einsetzen. Immer wenn man von irgendetwas profitiert, setzt man sich besonders dafür ein.

  • Eddie muss Slowene sein. Ich würde auch jeden der mich nicht finanzieren will, als Menschenhasser bezeichnen. Wenn Europa nur noch aus hirnlosen Händeaufhaltern wie Eddie besteht, dann will ich Antieuropäer sein. Sollte nur einer von uns die gleiche gönnerische Gnade von seiner Bank erwarten, weil er gerade ein finanzielles Problem har und seine Raten für sein Haus nicht zahlen, aber in 2 Monaten wieder flüssig ist, würde jede Bank uns mit einem müden Lächeln aus unserem Haus werfen. Mittlerweile können mich diese Europa-Hasser-Sprüche nicht mehr schocken. Irgendwas wird uns immer vorgeworfen. Entweder sind wir Nazis oder radikale Linke oder Rechte oder Nationalistische oder Antieuropäer oder oder. Wenn immer nur die Anderen Vorteile aus Europa ziehen dürfen und ich nur zahlen soll und dafür von Phrasendreschern im Auftrag von Merkel beschimpft werde, dann will ich mich nicht mehr mit Europafreunden auf eine Stufe stellen.

  • ...die Rendite für die 2021 fällige Anleihe lag am 29. Juni bei 6,1%...
    ...Zur Ankurbelung der Wirtsch. brauche d. Bank 500 Mio Euro...
    Das Haushaltsdefizit ... 6,4% vom BIP. Mit Einsp. über 800 Mio Euro will die Regierung gegensteuern...

    Das sind doch Peanuts und allein a.d. Schwarzgeldkassen des ehrenwerten Herrn Dr. Kohl (99,98% der Restbevölkerung wäre in Erzwingungshaft gekommen) bezahlbar!
    /nur die Bezahlbarkeit ist Ironie!/
    Ich habe einen besseren Vorschlag:
    Im Gegens. zu d. Südl.bekunden die Slowenen ihren Stolz dadurch, dass sie sich selbst finanzieren, es liegt die Vermutung nahe, dass dieser Stolz dafür sorgt, dass sie ihre Schulden möglichst schnell begleichen (ich habe 2x Geld verliehen, in beiden Fällen an Schuldner, die notfalls 1 Woche Margarinestullen und, falls die Rückzahlung nicht gefährdend, Pellkartoffeln mit Quark gegessen hätten, meine Erfahrungen waren in beiden Fällen positiv! [und ich habe zwei echte Freunde gewonnen, die mich seit über 10 Jahren nie wieder angepumpt, dafür aber diverse Male eingeladen haben, da ich ihre Durststrecke zinslos beendet und ihnen eine Perspektive gegeben habe]).
    Das (außerhalb der Finanzkrise) wirklich erfolgreiche Slowenien hat gezeigt, dass die Menschen hart arbeiten können und dies auch tun! Sie sind unserer Mentalität deutlich näher, als der Balkan und verdienen wirklich unsere Unterstützung!
    Lasst uns ihnen einen unbefristeten zinslosen Kredit von 1 Mrd. gewähren, das Geld ist, da bin ich überzeugt, binnen maximal 3 Jahren wieder zurück geflossen.
    Oder Variante2: Liebe Slowenen, gebt eine Solidaritätsanleihe für Privatpersonen heraus! Ich selbst würde eine solche über 500Euro bei 2% zeichnen (und würde diese auch weiter empfehlen), denn ich bin sicher, ihr wisst Hilfe in der Not zu schätzen und strengt euch an, es zurück zu zahlen!
    Dass ganz nebenbei ein weiterer Schirmgünstling vermieden werden würde, ist nur ein nebens.Faktor.
    Fake_bug

  • Liebe EUR-Hasser und Anti-Europaer, wer lesen und verstehen kann, ist auch hier wieder im Vorteil... "(...) Slowenien muss möglicherweise als sechstes Land der Währungsunion um Hilfen der Europäischen Union bitten. (...) “Es ist zunehmend wahrscheinlich, dass Slowenien das nächste kleine Land sein wird, das um Hilfen bei der Europäischen Union bitten wird.(...)" Alles nur Spekulation... Aber kauft trotzdem Gold und haltbare Lebensmittel fuer euren Bunker...

  • Die Bundesregierung sollte die Target-Forderungen der Bundesbank kaufen und als Sicherheiten in die diversen Rettungsschirme hinterlegen. Angeblich sind die Targetforderungen ja sicher, dann kann ja auch den Rettungsschirmen nix geschehen, oder?
    Und falls wir aus dem Euro austreten, dann kann niemand Forderungen in neo-DM an uns stellen, weil wir ja unsere Einlagen in Euro geleistet haben. Die EZB wird ja wohl kaum ihre Forderungen und Verbindlichkeiten auf neo-DM ummünzen, weil sie gerade keine deutsche Zentralbank ist.

  • Die neue deutschen Nationalh<mne könnte doch so lauten:
    Macht hoch die Tür, die Tor macht weit
    Deutschland ist immer und allzeit bereit,
    Macht weit den Schirm, damit er hält,
    denn Deutschland rettet die ganze Welt.


  • Am Ende schlüpfen die Retter dann selbst unter den Rettungsschirm, der dann aus frischgedrucktem EZB Geld bestehen wird.

  • Schön. Langsam kriegen es immer mehr mit, daß dieses "politische Projekt" mit dem deutschen Staatsbankrott beendet ist. Das sage ich schon seit 2 Jahren.
    Die Politiker begreifen in ihrer Blase nichts. Das ist bemerkenswert! Und absolut traurig. Willensfanatisch die Realität ausblenden, die Demokratie aushöhlen, "koste es, was es wolle" einer zur Ideologie verkommenen Idee zu huldigen. Das ist wahnhaft - das ist absolut KRANK! Und sie machen weiter ohne Selbstzweifel, hoffnungsschwanger getrieben von einer "Vision", einer Utopie! Und die Bevölkerungen Europas haben es zu bezahlen.
    Wann werden die Verantwortlichen vor Gericht gestellt! Denn das wird auch noch kommen, wenn der einfache deutsche Bürger, der das HB nicht liest und weiterhin den Verdummungsbemühungen der Staatspresse erlegen ist, bemerkt, daß sein in 60 Jahren aufgebauter Wohlstand verzockt wurde. Das wird spannend, meine Damen und Herren Politiker! In Eurer Haut möchte ich wahrlich nicht stecken. Und auch nicht in den weiterhin trommelnden Euromantikern, die freiwillig für diese Ideologie trommeln, als ginge es um einen Götzendienst.

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