Bank of England
Offener Streit in der britischen Notenbank

In Sachen Geldpolitik herrscht schon seit Wochen keine Harmonie mehr in der Bank of England, jetzt sorgt auch noch die Parteipolitik für Streit: Einige Aussagen von Gouverneur Mervyn King sorgen für Unmut bei seinen Kollegen.
  • 0

LONDON. Im Mai, kurz nach den britischen Parlamentswahlen, hatte Notenbank-Gouverneur Mervyn King öffentlich die Sparpläne des konservativen Wahlsiegers David Cameron gelobt. Cameron hatte versprochen, bereits im Budget für 2010 zusätzliche sechs Mrd. Pfund zu kürzen, um das britische Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen. Dagegen hatte die Labour-Opposition dafür plädiert, die Einsparungen über einen längeren Zeitraum zu strecken.

Bei einer Anhörung vor einem Parlamentsausschuss räumte am Donnerstag ein Mitglied des geldpolitischen Rats der Bank of England, Adam Posen, ein, dass „einige Mitglieder des Komitees Kings Äußerungen angesichts der Wahlen für übertrieben politisch“ gehalten hätten. „Einige von uns waren besorgt“, fügte Posen hinzu, betonte allerdings, dass es sich nicht um die Mehrheit des geldpolitischen Rats gehandelt habe.

Der einflussreiche Posen ist auch einer der wichtigsten Akteure in der geldpolitischen Auseinandersetzung, die seit Wochen die Notenbank spaltet. Posen fürchtet, dass sich die zuletzt robuste britische Konjunktur schnell wieder abkühlen könnte und fordert deshalb eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Ginge es nach Posen, dann würde die Notenbank ihr Programm zum Ankauf von Staatsanleihen wieder aufnehmen, und zusätzliche 50 Mrd. Pfund in die Wirtschaft pumpen.

Die Bank of England hatte ähnlich wie die US-Zentralbank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die Notenpresse angeworfen und für 200 Mrd. Pfund Anleihen gekauft. Die zusätzliche Liquidität sollte unter anderem eine Kreditklemme verhindern.

Posens Kollege Andrew Sentance fordert dagegen seit längerem eine Zinserhöhung, weil er einen Anstieg der Teuerung befürchtet. Die Inflationsrate in Großbritannien liegt derzeit bei 3,2 und damit deutlich höher als der Zielwert der Notenbank von zwei Prozent. Zentralbank-Chef Mervyn King betonte zuletzt, dass die Risiken ausgeglichen seien, und die Bank of England bereit sei, in beide Richtungen einzugreifen.

Kommentare zu " Bank of England: Offener Streit in der britischen Notenbank"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%