Bank Run in Osteuropa
Auslandsbanken profitieren von Bulgarien-Krise

Der Kundensturm auf bulgarische Banken ist gestoppt. Nun beruhigt sich die Lage allmählich. Doch das Vertrauen ist angeschlagen. Verunsicherte Kunden wechseln zu italienischen und österreichischen Banken.
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WienDie Krise der beiden bulgarischen Banken First Investment Bank und Corporate Commercial Bank nutzt den ausländischen Wettbewerbern. Am meisten profitieren davon die Bank Austria, Tochter der italienischen Unicredit und die österreichische Raiffeisen. „Die österreichischen Banken erhalten Zulauf, da aus Kundensicht die Einlagen dort sicherer sind“, sagt Gunter Deuber, Raiffeisen-Chefvolkswirt Südosteuropa, am Dienstag dem Handelsblatt. „Es liegt auf der Hand, dass die ausländischen Banken in Bulgarien profitieren.“ Das bestätigen auch Insider in der bulgarischen Hauptstadt Sofia.  Bank Austria wollte die Entwicklungen in Bulgarien nicht kommentieren. Insider der Unicredit-Tochter bestätigen allerdings, dass es starke Einlagenzuflüsse gegeben habe.

Auslöser der bulgarischen Bankenkrise waren über Massenmedien gestreute Gerüchte über eine Schieflage der Corporate Commercial Bank des bulgarischen Oligarchen Tzvetan Vassilev, der eng mit den Russen zusammen arbeitet. Die Corporate Commercial Bank steht mittlerweile unter der Aufsicht der bulgarischen Zentralbank. Vassilev ist enteignet. In diesem Zusammenhang fällt häufig der Name des mächtigen Deljan Peevski. Er soll angeblich Vassilev attackieren, dem mehr als die Hälfte der Commercial Corporate Bank gehört. Beide Männer sind tief verfeindet. Der erst 33-jährige Peevski ist eine der zentralen Figuren in Bulgarien mit großem Einfluss auf die Staatsanwaltschaften und Sicherheitsdienste und hat angeblich bei der Corporate Commercial Bank Kredite in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe.

Die Corporate Commercial Bank ist mit einem Marktanteil von 7,9 Prozent die Nummer vier im bulgarischen Markt ist. Seit Freitag steht auch die First Investment Bank mit einem Marktanteil von 8,7 Prozent im Mittelpunkt der Verunsicherung, die zu Schlangen vor den Bankfilialen in Bulgarien geführt hatte. Allein am Freitag hatte die Bank rund 800 Millionen Lev (400 Millionen Euro) an ihre Kunden auszahlen müssen. „Es gibt Umschichtungen angesichts des Misstrauens gegenüber den bulgarischen Banken“, sagt Raffeisen-Chefvolkswirt Deuber zur Begründung.

Die österreichischen Banken möchten um ihren hoch willkommenen Kundenzuwachs derzeit kein großes Aufheben machen, um die Lage im Land nicht weiter zu destabilisieren, sagt eine Insiderin in Wien. „Aktuell gibt es einen Anstieg an Einlagen bei führenden ausländischen Banken, was eine typische Marktreaktion in solchen Phasen - auch in anderen Ländern – ist“, spielt Raiffeisen-Volkswirt Deuber die Abwanderung von den bulgarischen Kunden herunter.

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