Bank- und Kreditkarten im EU-Ausland
EU-Parlament begrenzt Gebühren für Kartenzahlungen

Wer im EU-Ausland mit Kredit- oder Bankkarte bezahlt, muss teils horrende Gebühren zahlen. Das soll sich nun ändern. Das EU-Parlament hat eine Deckelung dieser Entgelte beschlossen. Doch es bleiben Schlupflöcher.
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StraßburgIn der EU werden die Gebühren für Kreditkarten und andere Bankkarten künftig gedeckelt. Eine entsprechende Verordnung verabschiedete das Europaparlament am Dienstag mit sehr breiter Mehrheit. Das Plenum segnete damit in Straßburg einen Kompromiss ab, auf den sich Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Finanzminister im Dezember geeinigt hatten. Die Neuregelung tritt unmittelbar mit Veröffentlichung im Europäischen Amtsblatt in Kraft – einem Sprecher des Parlaments zufolge vermutlich im Mai.

Damit werden künftig die sogenannten Interbanken-Entgelte begrenzt: Diese Gebühren stellt die Bank eines Kunden der Bank eines Händlers in Rechnung, wenn der Verbraucher beim Händler oder Dienstleister per Karte zahlt. Damit verteuert sich der Endpreis von Produkten und Dienstleistungen – letztlich muss der Kunde dafür zahlen.

Die Neuregelung sieht vor, dass die in den einzelnen EU-Staaten sehr unterschiedlichen Entgelte EU-weit für Kreditkarten auf 0,3 Prozent des Zahlungsbetrags und bei sogenannte Debitkarten auf 0,2 Prozent begrenzt werden. Die Regelung gilt sowohl für inländische als auch für grenzüberschreitende Transaktionen.

Für Debitkarten – dazu gehören die in Deutschland beliebten EC-Karten – können die EU-Staaten im Inland alternativ eine Gebühr von fünf Cent einführen, solange diese nicht 0,2 Prozent des Transaktionswerts überschreitet.

Für Kreditkartenfirmen wie American Express oder Diners wird die Neuregelung allerdings erst nach drei Jahren gelten, weil Zahlungen mit ihren Kreditkarten nur von einer Bank abgewickelt werden. „Leider bleiben einige Schlupflöcher“, sagte der Finanzexperte der Grünen, der Deutsche Sven Giegold. Die Verordnung sei dennoch ein „voller Erfolg“ für die Verbraucher in der EU. Den überhöhten Gebührenforderungen von Visa und Mastercard werde damit endgültig ein Riegel vorgeschoben.

„Damit herrschen in ganz Europa einheitliche Bedingungen und Transparenz für den Verbraucher“, betonte Markus Ferber (CSU), stellvertretender Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses. Dank der neuen EU-Verordnung sei nun klar, wie viel der Kunde zahle und wofür. „Das ist ein echter Mehrwert.“

Nach Berechnungen der EU-Kommission zahlen Einzelhändler in Europa bisher rund zehn Milliarden Euro jährlich für Kartenzahlungen. Dank der Neuregelung werden die Kosten demnach um etwa sechs Milliarden Euro reduziert.


Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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