Banken-Chefvolkswirte
„Zypern ist für den Euro nicht systemrelevant"

Wenn die Euro-Retter Milliarden-Hilfspakete rechtfertigen, dann sprechen sie oft von „Systemrelevanz“ – auch im Fall Zyperns. Doch nach Einschätzung von Ökonomen stellt der Inselstaat für die Euro-Zone keine Gefahr da.
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BerlinEine Grundvoraussetzung für die Rettung von Krisenstaaten mit Finanzmitteln der EU-Partner ist der Nachweis, dass bei dem betroffenen Land die  „Systemrelevanz“ gegeben ist. Taumelnde Banken und Euro-Krisenländer sollen also erst dann gestützt werden, wenn eine Pleite sonst das gesamte Eurosystem erschüttert würde. Nach Ansicht der EZB und der EU-Kommission ist Zypern durchaus systemrelevant. Doch die Chefvolkswirte der großen Banken sind anderer Meinung.

Mit der Stabilität der europäischen Gemeinschaftswährung begründet auch der Vertrag zur Einrichtung des Euro-Rettungsschirms ESM die Hilfsaktionen. Gelder dürfen fließen, „wenn dies zur Wahrung der Finanzstabilität des Euro-Währungsgebiets insgesamt und seiner Mitgliedstaaten unabdingbar ist“, heißt es in Artikel 3 des Dokuments. Auch mit Blick auf die Zypernhilfe erklärten EU-Währungskommissar Olli Rehn und die Europäische Zentralbank das Land „systemrelevant für die Eurozone“.

Damit meint Rehn allerdings nicht, dass ein Zusammenbruch der zyprischen Wirtschaft Europa in den Abgrund reißen könnte. Denn die Wirtschaftsleistung der kleinen Mittelmeerinsel ist gering: 2011 lag sie nach Angaben der Weltbank bei rund 24,7 Milliarden US-Dollar (rund 18,9 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Griechenlands Wirtschaft ist fast 12 Mal so groß, die Wirtschaft Deutschlands sogar 145 Mal so groß.

Die Zypern-Rettung wird vielmehr als notwendig für den Erhalt der Gemeinschaftswährung der 17 Euro-Staaten gesehen. Jörg Asmussen, EZB-Direktoriumsmitglied, sagte: „Eine Pleite Zyperns und seiner Banken hätte ... indirekte Folgen für die Eurozone als Ganzes - die Sorgen über die Umkehrbarkeit des Euro kämen wieder hoch.“ Dieser Einschätzung widersprechen allerdings führende Ökonomen in Deutschland.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, erklärte die aus seiner Sicht geringfügige Relevanz Zyperns damit, dass sich die Forderungen ausländischer Banken gegenüber Zypern auf rund 50 Milliarden Euro summierten, was lediglich 0,17 Prozent aller grenzüberschreitenden Bankforderungen weltweit entspreche. Die Staatsschuld Zyperns in Höhe von 14 Milliarden Euro sei verglichen mit anderen Ländern ebenfalls gering. „Zypern hat vermutlich nicht das Potential, die Währungsunion zu destabilisieren“, sagte Krämer Handelsblatt Online.

Kommentare zu " Banken-Chefvolkswirte: „Zypern ist für den Euro nicht systemrelevant""

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  • die Volkswirte der Banken sagen das doch nur, damit keiner auf die Idee kommt, doch sein geld abzuheben, gell?

  • Also der Frieden ist nun da, fehlt nur noch der Wohlstand für alle, die blühenden Landschaften a la Kohl.

  • Eurokraten: Zypern ist systemrelevant

    Volkswirte der Banken: Zypern ist nicht systemrelevant

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