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Banken-Regulierer: Neue Macht der Schattenbanken

Mit der Weltfinanzkrise sind die massiven Gefahren durch unkontrollierte Banken deutlich geworden. Doch ihr Geldvolumen ist inzwischen sogar noch größer als vor der Krise. Die Regulierer holen nun zum Gegenschlag aus.

Hochhäuser im Finanz- und Bankenviertel von Singapur. Quelle: dpa
Hochhäuser im Finanz- und Bankenviertel von Singapur. Quelle: dpa

FrankfurtDie Schattenbanken sind nach Erkenntnissen der Banken-Regulierer größer als vor der Finanzkrise. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) der G20-Staaten bezifferte das Volumen der Nicht-Banken, die den weltweiten Geldkreislauf mit Kredit und Liquidität anheizen, zum Ende des vergangenen Jahres auf 67 Billionen Dollar. Zum Start der Krise 2007, für die die Schattenbanken mit verantwortlich gemacht wurden, waren es erst 62 Billionen Dollar, vor zehn Jahren 26 Billionen. Damit sorgen die zum großen Teil unregulierten Institutionen für fast ein Viertel der Vermögenswerte im gesamten Finanzsystem. Die Banken selbst stellen knapp die Hälfte, der Rest kommt von Versicherern und Pensionsfonds, Staatsbanken und Zentralbanken.

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Dabei sei die Dunkelziffer bei den Schattenbanken noch groß, räumte der FSB ein. So seien viele Hedge-Fonds in Steuer- und Finanzparadiesen zuhause, wo den Aufsehern genaue Daten fehlen. Das Gremium, das bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel angesiedelt ist, will im Zuge der weltweiten Regulierungsbemühungen auch die Kontrolle über die Schattenbanken verstärken. Am Sonntag stellte der FSB dazu ein Maßnahmenpaket zur Diskussion, das bis September 2013 von den G20-Staaten umgesetzt werden soll. Bisher waren viele der Schattenbanken - und die damit verbundenen Risiken - unter dem Radarschirm der Aufseher geblieben.

Schattenbanken seien an sich nichts Schlechtes, betonten die Aufseher. Doch könnten sie eine Finanzkrise beschleunigen oder sogar selbst auslösen, wenn sie für eine steigende Verschuldung der Banken sorgen, vor allem aber wenn sie langfristige Kredite zu kurzfristig refinanzieren. In einer Krise ziehen sie sich oft schnell zurück und hinterlassen Chaos im Finanzsektor. Ein Dorn im Auge sind den Aufsehern vor allem Geldmarktfonds, die in der Euro-Schuldenkrise für Verwerfungen gesorgt hatten, weil sie den europäischen Banken Dollar-Liquidität entzogen hatten. Sie seien am verwundbarsten, weil ihre eigenen Geldgeber in schlechten Zeiten häufig blitzschnell die Liquidität abziehen.

Privatbanken

Aber auch die Wertpapierleihe, die Wiederverbriefung von Verbindlichkeiten oder Repo-Geschäfte sollen besser überwacht werden. Die Pleite von Lehman Brothers und die Beinahe-Pleite des US-Versicherungsriesen AIG in der Finanzkrise hatten vor allem deswegen einen Flächenbrand ausgelöst, weil beide in der Wertpapierleihe stark vertreten waren. Zu den Schattenbanken zählen auch Investment-Vehikel wie Conduits oder SIVs, in die etwa deutsche Landesbanken außerhalb der Bilanz investiert und damit Schiffbruch erlitten hatten. Nicht alle sind so gefährlich: So zählen die Aufseher auch die in den Niederlanden angesiedelten Finanztöchter vieler Banken zu den Schattenbanken.

Den größten Schattenbanken-Sektor haben nach den FSB-Daten die USA: er ist dort allein 23 Billionen Dollar groß und macht 35 Prozent des gesamten Finanzsektors aus. Die gesamte Euro-Zone kommt auf 22 Billionen Dollar. Allerdings ist der Anteil der USA von 2005 bis 2011 auf 35 von 44 Prozent gesunken - vor allem zugunsten von Großbritannien. In internationalen Finanzzentren wie Hongkong, Großbritannien, Singapur und der Schweiz erreicht das Volumen der Schattenbanken ein Vielfaches des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

 

  • 18.11.2012, 23:01 UhrMazi

    Woher nehmen die Leute die Zuversicht, dass die Leute (Institutionen), die die Macht der Schattenbanken nicht verhindern konnten, die Zuversicht, dass diese ab jetzt aber genau dies umkehren könnten?

    Wenn ein "Apparat" keinen Sanktionsmechanismus fürchten muss, wird er sich nie selber erneuern, selbst neu erfinden.

    „Feuern“, ohne Anerkennung ihrer Pensionsansprüche muss man die Leute. Nur das Risiko des "Rausschmiss" macht aus dem Saulus den Paulus. Die Angst vor dem Rausschmiss wird gewiss heilend wirken.

    Der Fall Steinbrück, der von seinen Freunden mit üppigsten Vortragshonoraren abgesichert wurde, sollte uns bei der weiteren richtigen Vorgehensweise belehrend wirken. Korruption ist nicht nur in einem zeitgleichen Tun (direkte Entgegennahme von Geld und Abschaffung regulatorischer Aspekte) sondern auch in einem zeitversetzten Unterlassen und späterer Entgegennahme von Geld zu verstehen. Sie ist kritisch zu prüfen.

    Es ist dringend an der Zeit, dass auch Deutschland das seit 2003 international eingeforderte Antikorruptionsgesetz ratifiziert.

  • 19.11.2012, 04:14 UhrAndre

    Die Beamtenärsche sollen die Banken einfach in Ruhe lassen. Dieses Theater dient doch nur dem bloßen Populismus, weil die Politik so von wirklichen Problemen wie Ausänderkriminalität ablenken will. Niemand ist gezwungen, sein Geld auf die Bank zu bringen. Man soll die Banken einfach ihre Geschäfte machen lassen und pleite gehen lassen wenn es passiert. Darum besser das Girokonto immer überziehen.

  • 19.11.2012, 09:17 Uhrvivelarevolution

    @Andre Wie kann jemand so einen Unsinn wie "von wirklichen Problemen wie Ausänderkriminalität ablenken" schreiben und gleichzeitig auch noch über "Populismus" schwadronieren? Außerdem frage ich mich, ob der Herr seinem eigenen Ratschlag folgt und sein Girokonto tatsächlich immer überzieht. Wobei ich es ihm sozusagen als Belohnung für seinen Ausländerhaß durchaus gönnen würde, daß man ihn dann auch pleite gehen läßt. Glaubt er etwa, daß seine Schulden einfach gestrichen werden, wenn seine Hausbank pleite geht?

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