Banken weiter zögerlich
Europäer leiden unter Kreditklemme

Trotz der Milliardenhilfen für Banken hat sich die Kreditklemme in der europäischen Wirtschaft bisher nicht gelockert. Die meisten EU-Mitgliedsländer klagten noch immer über Engpässe bei der Kreditversorgung, heißt es in einer Analyse der EU-Kommission.

HB BERLIN. Trotzdem sieht sie eine zweite Rettungswelle skeptisch, die sich etwa in Frankreich abzeichnet. Auch in den USA wachsen die Sorgen, dass die Stabilisierung der Finanzbranche teurer wird.

Die EU-Kommission und die Finanzminister der Euro-Zone hatten bereits vergangene Woche an die Banken appelliert, ihre Zurückhaltung bei der Kreditvergabe aufzugeben. Eine Sprecherin der Kommission nannte es allerdings voreilig zu behaupten, die Bankenrettungspläne seien gescheitert. Für belastbare Schlussfolgerungen lägen bisher keine ausreichenden Daten vor, heißt es in der vertraulichen Analyse, die den Finanzministern bei ihrem jüngsten Treffen vor einer Woche in Brüssel vorlag.

Die Bewertung der EU-Kommission fußt auf einer Befragung der Mitgliedsländer. Demnach herrscht die Einschätzung vor, dass sich der Zugang der Güterwirtschaft zu Darlehen stark verschlechtert hat. Dass Statistiken wie die der Europäischen Zentralbank dies bisher nicht nachweisen, erklärt die Kommission unter anderem mit Zeitverzögerungen bei der Datenerhebung.

Verbesserungen habe es allerdings auf dem Interbankenmarkt gegeben, heißt es in dem Papier weiter. Die Fortschritte seien aber wegen der schlechten Konjunktur keinesfalls gesichert. Besondere Probleme gebe es bei der Exportfinanzierung, die dramatisch zurückgefahren worden sei. Dadurch würden sowohl der Welthandel als auch das globale Wachstum deutlich belastet.

Trotz der Schwierigkeiten habe bisher kein EU-Mitgliedsstaat angekündigt, die Bedingungen für Staatshilfen zu lockern. Die Kommission warnte außerdem die Regierungen davor, sich von den Finanzmärkten zu einem Wettlauf um neue Rettungsschirme drängen zu lassen. So müssten die Mitgliedsländer auch die langfristige Gesundheit ihrer öffentlichen Finanzen im Auge behalten.

Die französische Regierung hat den dortigen Banken bereits mit gut zehn Mrd. Euro unter die Arme gegriffen. In Kürze ist ein zweites Paket in derselben Größenordnung geplant. Die Großbank BNP Paribas teilte mit, dass sie im vierten Quartal 2008 einen Fehlbetrag von 1,4 Mrd. Euro angehäuft hat. BNP und Societe Generale haben bereits Interesse an weiteren Staatshilfen bekundet. Die Bundesregierung lehnt ein zweites Paket ab, prüft aber Verbesserungen am ersten Schirm.

Auch die neue US-Regierung stellt sich auf höhere Kosten ein. Wegen der sich verschlimmernden Rezession werde sich die Zahl von Problemkrediten in den Büchern der bereits krisengeschüttelten Banken voraussichtlich erhöhen, sagte der Chef-Wirtschaftsberater von Präsident Barack Obama, Lawrence Summers, dem Sender NBC. Die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hält es ebenfalls für möglich, dass die Regierung weitere Steuergelder in das Bankensystem des Landes pumpen muss.

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