Banken wird weiter misstraut
Jamie Dimon meidet in Davos Rampenlicht

Wenn Jamie Dimon in diesem Jahr nach Davos zurückkehrt, sind für den Chef von JPMorgan Chase & Co. keine öffentlichen Auftritte geplant. Vor einem Jahr verteidigte er die Banken noch gegen alle Schuldzuweisungen.
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DavosVertrauen und Marktsicherheit stehen daher auf der Tagesordnung in Davos, wenn die Finanzbranche dort nach einem turbulenten Jahr zusammenkommt. Strafen und strengere Vorschriften zur Vermeidung einer weiteren Katastrophe haben an ihren Gewinnen gezehrt und dürften weitere Pein bringen. Anshu Jain, der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG, wird über den Umbau europäischer Banken sprechen, ein Projekt, dessen Erfolg von einer stärkeren Überwachung durch den neuen Aufseher der Region abhängt.

„Einige Banken sind zu schwach mit Kapital ausgerüstet und möglicherweise insolvent, und das System bleibt dysfunktional und ist weiterhin rücksichtslos”, sagt Anat Admati. Der Finanzprofessor an der Stanford University und Autor von „The Bankers' New Clothes: What's Wrong with Banking” moderiert die Expertenrunde zum Thema Sicherheit.

Vor einem Jahr stand Jamie Dimon, Vorstandsvorsitzender von JPMorgan Chase & Co., noch in einer einstündigen Debatte im Rampenlicht, verteidigte die Banken gegen Schuldzuweisungen und vertrat die Auffassung, die Aufsichtsbehörden versuchten, „zu viel zu schnell zu tun”. Seitdem hat JPMorgan im Rahmen von Vergleichen verschiedene Vorwürfe aus der Welt geschafft. Dabei ging es um Hypothekenbond-Emissionen, lasche Aufsicht und eine gewisse Blindheit gegenüber dem Schneeballsystem von Bernard Madoff. Die Rechtskosten haben der Bank im vergangenen Jahr den ersten Quartalsverlust seit Dimons Amtsantritt eingebracht.

Überprüfungen und Klagen dürften die größten westlichen Banken noch über Jahre beschäftigen. Ihnen stehen Untersuchungen über mutmaßliche Manipulationen von Referenzzinssätzen und Devisen-Benchmarks bevor. Jain reist nach Davos zwei Tage nachdem die Deutsche Bank wegen Rechtskosten und Umstrukturierungsaufwendungen einen Verlust für das vierte Quartal ausgewiesen hat.

Die größte Bank Deutschlands untersucht derzeit, ob Mitglieder des Vorstands bei Versuchen zur Manipulation von Referenzzinssätzen eine Rolle gespielt haben. Im Dezember zahlte die Deutsche Bank 725 Millionen Euro zur Beilegung von Vorwürfen bezüglich der Manipulation des Londoner Interbanken-Satzes Libor. Es war die größte je in der Europäischen Union verhängt Kartellstrafe.

Die sechs größten US-Banken haben 2013 für Rechtskosten mehr Rückstellungen gebildet als in irgendeinem Jahr seit mindestens 2008. In Europa haben die elf Geldinstitute mit den höchsten Rechtskosten in den vergangenen zwei Jahren mindestens 10,8 Milliarden Dollar an aufsichtsrechtlichen Bußgeldern und Vergleichen gezahlt, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. Das sind 61 Prozent mehr als 2012.

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