Bankenabwicklungen
Aktionärsschützer warnen EZB vor Krisenverschärfung

Dass die Europäische Zentralbank (EZB) offenbar nicht länger ihre schützende Hand über Gläubiger vorrangiger Bankanleihen hält, sorgt für großen Unmut. Aktionärsschützer warnen eindringlich vor nicht absehbaren Folgen.
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BerlinDie Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat die Europäische Zentralbank (EZB) eindringlich vor einer Kehrtwende bei der Behandlung von Gläubigern vorrangiger Bankanleihen gewarnt. „Eine zwangsweise Beteiligung vorrangiger Gläubiger ist rechtswidrig und kontraproduktiv“, sagte SdK-Vorstandsmitglied Daniel Bauer Handelsblatt Online. „Gegen den Verstoß von geltendem Recht würden Investoren sich gerichtlich wehren, wie dies bereits im Fall von irländischen Banken der Fall ist.“

Nach Bauers Einschätzung würde zudem eine zwangsweise Beteiligung der Gläubiger zum Beispiel in Form von Zwangsumschuldungsklauseln, wie diese im Fall der Zwangsumschuldung Griechenlands angewandt worden seien, das Vertrauen der Investoren in Bankanleihen „massiv erschüttern“ und zu einem Zinsanstieg bei allen anderen Bankanleihen führen. „Dies würde die Refinanzierung der Banken weiter verteuern und die Krise eher noch verschärfen.“ Ähnliches habe man nach der Zwangsumschuldung Griechenlands sehen können, gab der Aktionärsschützer zu bedenken. Damals hätten sich in der Folge vor allem angelsächsische Investoren aus den so genannten PIIGS-Staaten zurückgezogen, was zu einer Verschärfung der Schuldenkrise in Spanien und Italien geführt habe.

Bauer reagierte auf übereinstimmende Medienberichte, wonach die EZB  nicht länger ihre schützende Hand über Gläubiger vorrangiger Bankanleihen hält. Beim Treffen der Eurogruppe in der vergangenen Woche habe sich EZB-Präsident Mario Draghi offen gezeigt, diesen Gläubigern künftig Belastungen zuzumuten, sagte ein Insider. Unter den Finanzministern sei dies jedoch umstritten geblieben, erklärte eine zweite mit den Beratungen vertraute Person.

Die EZB hatte sich unter Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet im Falle des Hilfsprogramms für Irland 2010 noch mit Händen und Füßen gegen ein solches Überwälzen von Verlusten auf die Gläubiger gewehrt, weil sie einen massiven Vertrauensverlust an den Märkten befürchteten.

Im Fall Irland hatte die Regierung in Dublin damals erklärt, private Investoren stärker als bisher an den horrenden Krisenkosten beteiligen zu wollen, woraufhin eine Gruppe von Großinvestoren, die zusammen Anleihen der Bank of Ireland im Nominalvolumen von rund einer Milliarde Euro hielten, sich aber nicht mit drohenden drastischen Wertabschlägen für ihre Papiere abfinden wollten eine Anwaltskanzlei eingeschaltet hatten, um eine Klage zu prüfen. Die Bank of Ireland, deren größter Gesellschafter der irische Staat damals inzwischen war, hatte ihren nachrangigen Anleihegläubigern angeboten, Schuldtitel im Volumen von 2,6 Milliarden Euro in Aktien zu tauschen. Dabei hätten die Gläubiger aber Wertabschläge von bis zu 90 Prozent in Kauf nehmen müssen.

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Offiziell hält sich die EZB bedeckt

Kommentare zu " Bankenabwicklungen: Aktionärsschützer warnen EZB vor Krisenverschärfung"

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  • http://blog.zeit.de/herdentrieb/2012/07/16/die-tucken-des-memorandums_5069#comments
    Die Kommentare dazu sind einmalig..
    Politik muß blöd machen,sonst würden Bürger nicht die
    besseren Argumente haben..

    Noch was zu den Aktionärsschützern..denen sind die Einlagen der Steuerzahler in der EZB völlig schnuppe.
    Ich persönlich,bin lieber weiter Tierschützer mit eigener Haftung..

  • Es geht doch nun auch bei uns rasant nach unten in der Wirtschaft.
    Thyssen wird Kurzarbeit machen, Karstadt steicht 2.000 Stellen, Schuhkette Görtz schließt 30 Filialen, Neckermann wackelt und es wird massiv Entlassungen geben und so wird es munter weiter gehen. Metro wackelt auch, bei uns wird wohl der Kaufhof geschlossen und das wird dann wohl nicht der einzige bleiben
    Danke Frau Merkel, dass die Menschen in Deutschland ihre Geldverschwendung, das "Retten" anderer Lander und Ihre völlige kaufm-wirtschaftliche Inkompetenz nun ausbaden müssen

  • Ach, die Herren fürchten jetz wohl um ihr Geld?
    Es muß endlich die Einsicht bei unseren Politikern einkehren, dass man Banken auch gesittet in die Insolvenz schickt. Vorher die Kleinsparer auszahlen und dann Insolvenz.
    Warum sollen denn die Bürger die Aktionäre retten?
    Aber leider wird dies nicht kommen, denn würde so mancher Politikr wohl auch Geld verlieren
    Sie lassen lieber das Volk bluten

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