Bankenaffäre belastet Fazio
Italiens Notenbankchef ist zurückgetreten

Die Vorwürfe wiegen schwer: Wegen des Verdachts von Insidergeschäften und Amtsmissbrauchs steht Italiens Notenbankchef Antonio Fazio seit Monaten in der Kritik. Nun zieht er die Konsequenzen. Er gibt sein Amt ab.

HB ROM. Die Bank von Italien erklärte am Nachmittag, mit diesem Schritt solle im Interesse des Landes und der Bank wieder Ruhe hergestellt werden. Gegen das 69-jährige EZB-Ratsmitglied laufen Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft wegen seiner Rolle im Übernahmekampf um die italienische Banca Antonveneta. Ihm wird unter anderem Parteilichkeit, Amtsmissbrauch und Insider-Handel vorgeworfen. Er soll versucht haben, die Übernahme von Antonveneta durch die niederländische ABN Amro zu verhindern. Die Affäre hat das Ansehen Italiens in der Finanzwelt stark belastet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erklärte: „Die EZB respektiert Fazios Rücktritt ebenso wie dessen Einschätzung, dass es die beste Entscheidung im höchsten Interesse seines Landes und der Banca d'Italia ist.“ Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi sprach von einer „Geste des Verantwortungsbewusstseins“. Wer neuer Zentralbankchef werden solle, sei noch nicht klar.

Als aussichtsreiche Kandidaten gelten unter anderem das frühere EZB-Direktoriumsmitglied Tommaso Padoa-Schioppa und der ehemalige EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti. Genannt wird auch Mario Draghi, der in den neunziger Jahren als Staatssekretär im Finanzministerium wichtige Reformen in Italien vorantrieb. Der 58-Jährige ist seit knapp vier Jahren Managing Director bei der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Der Druck auf Fazio war in der vergangenen Woche weiter gewachsen, nachdem der Chef der Pop Italiana und enge Vertraute des Notenbankchefs, Gianpiero Fiorani, im Zusammenhang mit dem Skandal festgenommen worden war. Außerdem wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft gegen Fazio auch wegen Insider-Handels im Zusammenhang mit der Übernahmeschlacht um Antonveneta ermittelt. Er soll Fiorani mit internen Informationen beliefert haben.

Die Regierung hatte Fazio schon wiederholt zum Rücktritt aufgefordert, aber ihr fehlt die rechtliche Handhabe, ihn aus dem Amt zu drängen. Fazio war seit 1993 Chef der Bank von Italien und auf Lebenszeit ernannt worden.

Der Vorwurf des Insider-Handels brachte für die Regierung jedoch das Fass zum Überlaufen. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti kündigte an, er werde noch in dieser Woche einen Gesetzesentwurf vorlegen, der die Abberufung Fazios zum Ziel habe, wenn das Führungsgremium der Bank den Forderungen für seinen Rücktritt weiterhin keine Beachtung schenke.

In der Affäre ging es um den gescheiterten Versuch der Banca Popolare Italiana, den heimischen Konkurrenten Antonveneta zu übernehmen. Sie verlor den Übernahmekampf zwar letztlich gegen das niederländische Institut ABN Amro, aber Fazio soll sich dabei in seiner Rolle als oberster Bankenaufseher parteiisch zu Gunsten der Pop Italiana verhalten haben. Er hat ein Fehlverhalten immer wieder bestritten und mehrfach erklärt, er habe nur im besten Interesse Italiens gehandelt.

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