Bankenaufseher
Shizuka Kamei, der Lafontaine Japans

Mehr Staat, weniger Markt: Das fordert Shizuka Kamei. Er ist der japanische Lafontaine. Allerdings spielt er in einer anderen Liga, als der Chef der deutschen Linkspartei. Denn er ist Japans neuer oberster Bankenaufseher. Die Finanzbranche beobachtet den Politiker mit Argwohn – und wartet nervös auf seine ersten Schritte.

TOKIO. Wenn es nach Shizuka Kamei geht, ist die Zeit der Reformen in Japan endlich vorbei. Er selbst ist dafür das stärkste Symbol. Denn in der neuen Regierung übernimmt der 72-jährige Altpolitiker als Staatsminister für Finanz- und Postdienste die Aufsicht über Banken und Versicherungen und soll die Postprivatisierung überprüfen.

Kamei ist der Oscar Lafontaine Japans. Er ist seit langem der schärfste und rhetorisch gewandteste Gegner der marktfreundlichen Strukturreformen, die Japans Wirtschaft unter Premierminister Junichiro Koizumi aus dem Tränental der neunziger Jahre halfen. „Der Mann ist berühmt für seinen starken Charakter“, meinte Susumu Kato, Chefökonom von Calyon Securities in Tokio. „Die japanischen Finanzfirmen sollten ihn gut im Auge behalten.“

In Kameis Abgeordnetenbüro hängt ein Porträt von Che Guevara an der Wand – das solle ihn daran erinnern, revolutionäre Politik zu machen, erklärte der Gegner der Todesstrafe einmal im Gespräch mit dem Handelsblatt. In seiner Freizeit malt der Politiker gerne Frauenakte in Öl.

Unter dem Namen ‚Reform‘ habe Koizumi ein Werk der Zerstörung angerichtet, klagt der gelernte Polizist bis heute: „Diese Reformen richten sich gegen das Erbe und die Werte unserer Kultur, dass wir Japaner uns gegenseitig helfen und miteinander in einer symbiotischen Beziehung leben.“ Im Streit um die Privatisierung der Post musste er 2005 seine politische Heimat, die Liberaldemokratische Partei (LDP), verlassen und zusehen, wie die Post im Herbst 2007 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und in eine Bank, eine Versicherung sowie in Schalter- und Zustelldienste aufgeteilt wurde. Diese Schritte möchte Kamei jetzt rückgängig machen. Schon beschlossene Sache ist, dass der für nächstes Jahr geplante erste Aktienverkauf auf Eis gelegt wird.

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