Bankenkrise

Zypern sucht Schuld für Misere bei anderen

Zypern hatte zuletzt einen Antrag auf Finanzhilfen bei der EU wegen der Lage der eigenen Banken gestellt. Die Ursache für die Wirtschaftsprobleme sei aber vor allem der griechische Schuldenschnitt.
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Ein Mann verlässt die Zentralbank von Zypern in Nikosia. Quelle: dpa

Ein Mann verlässt die Zentralbank von Zypern in Nikosia.

(Foto: dpa)

Die Probleme wären niemals so stark ausgeartet, hätte es den freiwilligen Forderungsverzicht privater Gläubiger (PSI) in Griechenland nicht gegeben, sagte der zyprische Finanzminister Vassos Shiarly am Freitag. Erst kürzlich hatte Zypern erklärt, als fünftes Land den Euro-Rettungsfonds anzuzapfen. Zudem scheint der Inselstaat auf Russland zu setzen. Laut dem russischen Finanzminister Anton Siluanow hat Zypern die Regierung in Moskau um fünf Milliarden Euro gebeten. Erst im Dezember hatte Zypern einen Kredit in Höhe von 2,5 Milliarden Euro von Russland erhalten.

Zyperns Präsident Dimitris Christofias, der in Moskau ausgebildet wurde, verteidigte die Anfrage bei der russischen Regierung. "Wir haben das Recht, Beziehungen mit dritten Staaten zu haben", sagte der einzige kommunistische Staatschef in Europa auf einer Pressekonferenz mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Experten rechnen damit, dass Russland weniger harte Bedingungen für die Gewährung des Kredits stellen wird als die EU.

Am Freitag endete die erste Prüfung der zyprischen Bücher durch Vertreter der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds. Ziel war es, die Höhe des Finanzbedarfs zu ermitteln. Details sind noch nicht bekanntgegeben worden. Bis Mitte Juli soll die Troika eine konkrete Vereinbarung ausarbeiten. Christofias sagte, Zypern benötige Nachsicht und die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen.

Noch ist unklar, welche Summe das eine Million Einwohner zählende Land benötigt. Allein für die Rekapitalisierung seiner zwei wichtigsten Banken benötigt der Mittelmeerstaat 2,3 Milliarden Euro. Im Gespräch sind Hilfen von bis zu zehn Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte von Zyperns Wirtschaftsleistung.

Griechenland hat durch den freiwilligen Schuldenschnitt die Gefahr eines unmittelbaren Staatsbankrotts gebannt. Private Gläubiger verzichteten auf Forderungen von mehr als 100 Milliarden Euro und machten damit den Weg für das neue internationale Rettungspaket im Umfang von 130 Milliarden Euro frei. Infolgedessen mussten zyprische Banken etwa 80 Prozent auf griechische Staatsanleihen abschreiben. Das seien etwa 4,2 Milliarden Euro und damit ein Viertel der zyprischen Wirtschaftsleistung, sagte Shiarly. Er kritisierte, der Schuldenschnitt sei nicht fair gewesen. Die 100 Milliarden Euro hätten von den Euro-Ländern anteilig ihrer Wirtschaftskraft übernommen werden müssen. Damit hätte Deutschland rund 27 Prozent und Zypern lediglich 0,2 Prozent tragen müssen.

  • rtr
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  • @alersa
    Ah, der Kommentator der den Unterschied zwischen Durchschnittsalter und Lebenserwartung nicht verstanden hat.

    "Aber dieser Hardie behauptet doch tatsaechlich, dass Durchschnittsatlter nichts mit Lebenserwartung zu tun hat."
    Das habe ich nicht behauptet, werter alersa. Ich habe nur gesagt, dass es nicht das Gleiche ist. Sie sollten sich die Unterhaltung noch einmal zu Gemüte führen und nicht falsche behauptungen aufstellen.

    "Dieser arrogante Mensch glaubt, dass er über allem steht, aebaermlich.."

    Wieso bin ich arrogant, wenn Sie keine Ahnung haben, wovon Sie reden. Verstehe ich nicht.
    Aber auf welchem Niveau Sie argumentieren, beweisen Sie mit Ihrem Kommentar eindrucksvoll :-))

  • Es lohnt sich nicht mit oliverhardy zu unterhalten, denn er weiss ja nichtmal, dass die Lebensrwartung mit Einnahme von Drogen abnimmt. Wenn ein Volk durch Einnahme von Drogen durchshnittlich nur eine Lebenserwartung Beispielsweise von 45 hat, kann auch das Durchschittsalter diesem Volk loischerweise nicht über 45 sein. Aber dieser Hardie behauptet doch tatsaechlich, dass Durchschnittsatlter nichts mit Lebenserwartung zu tun hat. Dieser arrogante Mensch glaubt, dass er über allem steht, aebaermlich..

  • Freut mich, dass Sie Schopenhauer zitieren können.

    An den Tatsachen ändert das aber nichts.

    Schönen Abend dennoch :-)

  • @Hardie: "Weitere Diskussionen erübrigen sich aber, da Sie sich in der Materie offenbar nicht ausreichend
    auskennen."
    ...und wieder ein verstaubtes Werkzeug aus der Mottenkiste verhinderter Rhethoriker:

    "Das Argumentum ad personam ist ein Ausweg, wenn der Gegner zu gewinnen scheint.
    Schopenhauers Fälle des argumentum ad personam:
    Man unterstellt der Person allgemein, dass ihr die Fähigkeit zum korrekten Argumentieren oder das Fachwissen dazu fehle, und folglich auch ihre Schlussfolgerungen ungültig seien.
    Man versucht, Leute zum Fehlschluss zu verleiten, dass die Glaubwürdigkeit der Person etwas mit der Glaubwürdigkeit und Wahrheit der von ihr benutzten Quellen und Prämissen zu tun habe."

  • "Sie haben nicht begriffen, daß die volkswirtschaftliche Funktion von Versicherungen und Banken gerade darin liegt, Risiken zu übernehmen, die nicht ihre originär eigenen sind. Genau dafür haben wir diese Unternehmen."

    Doch werter Herr, das ist mir bekannt und bewusst. Es ist auch iO, wenn CDS auf Staatsanleihen geschrieben werden. Aber eben nur in der Menge, in der diese Staatsanleihen existieren. Dann funktioniert das Geschäft, die Risiken bleiben überschaubar. Für beide Seiten.
    Es sollte Ihnen aber nicht entgangen sein, dass die Menge/Summe der Derivate ein x-faches der bestehenden Risiken beträgt. Sie verweigern sich aber offenbar diesen Tatsachen.

    Keine Ahnung, ob dies damit begründet ist, dass Sie keine Ahnung von den Märkten und deren Aktivitäten haben, oder ob Sie einfach selbst bei Goldman in der Devisenabteilung sitzen und Ihren Job verteidigen wollen/müssen.

    Mir persönlich ist das letztlich aber auch egal.

    Zu Ihrem Punkt 3: "Üblicherweise" beinhaltet Ausnahmen. Diese ist hier gegeben. Denn Sie haben keine eigene Position, Sie zitieren offenbar aus den "Basisinformationen für Termingeschäfte" oder einem billigen "Derivatemarkt für Anfänger"-Büchlein.
    Wenn Sie sich persönlich beleidigt fühlen, so war dies allerdings nicht meine Absicht. Sorry dafür.

    Weitere Diskussionen erübrigen sich aber, da Sie sich in der Materie offenbar nicht ausreichend auskennen. Was dann doch wieder gegen Ihren Job bei Goldman spricht... ;-)

  • @Hardy: Sie haben nicht begriffen, daß die volkswirtschaftliche Funktion von Versicherungen und Banken gerade darin liegt, Risiken zu übernehmen, die nicht ihre originär eigenen sind. Genau dafür haben wir diese Unternehmen.
    2. Im Gegensatz zu Ihnen bin ich nicht so selbstherrlich, unfundierte Annahmen über die Qualifikationen meines Gesprächspartners zu machen.
    3. Persönliche Beleidigungen sind üblicherweise die Argumente derer, die sonst über keine verfügen. Sie versuchen damit, die Schwäche der eigenen Position zu überspielen.

  • Es ging hier weniger um die Funktionsweise als vielmehr den Sinn von Derivaten.
    Dass Sie keine Ahnung von Derivaten haben, haben Sie mit Ihrem LV-Beispiel mehr als verdeutlicht.
    Wenn der DAX auf 2200 Punkte gefallen ist, dann war das keine Unwägbarkeit bzw. kein unvorhersehbares Ereignis.
    Eine Massenepidemie in der heutigen Zeit schon.

    Wenn ein - nach meiner Definition - Zocker der LHA den Kontrakt abkauft, dann nur deshalb, damit er einen Gewinn erzielen kann.
    Mensch, Sie haben es ja doch begriffen. Er will mit 100.000 l Sprit, die er nicht benötigt, abkassieren. Zu Lasten seines gegenübers. Der macht dann die Miesen.
    Der Unterschied ist: Die LHA braucht den Sprit für ihre Flieger, Royal Dutch födert den Sprit bzw. produziert ihn.
    Der Zocker braucht weder Sprit noch produziert er ihn.
    Und die üblichen Investmentschwätzereien, dass die Zocker für den Marktausgleich sorgen würden: Selbst Sie dürften gelernt haben, dass diese PC-Zocker einen Trend verstärken. Sie haben doch bestimmt schon mal gehört: The trend is your friend. Oder: Greife nie in ein fallendes Messer. Typische Investmentbanker-Sprüche.

    Aber offenbar sind Sie über den Grundkurs VWL an der VHS nicht hinausgekommen. Sorry, aber anders lassen sich Ihre Vorträge nicht interpretieren.

    Sonniges Wochenende noch :-))

  • @Hardie: Nun, ein "Zocker" geht doch - nach Ihrer Definition, nicht nach meiner - eine Position ein, weil er sich davon einen Gewinn verspricht. Wenn er in dem Beispiel LH den Forward-Kontrakt abkaufen würde, dann ja wohl deswegen, weil er von einem steigenden Ölpreis ausgeht.
    Nun ja, extreme Unwägbarkeiten gibt es immer wieder: Vor ein paar Jahren hätte sich auch keiner vorstellen können, daß der DAX auf 2200 fällt (in 2002/2003 passiert), amerikanische Immobilien 30% an Wert verlieren (teilweise sogar mehr), europäische Staatsanleihen wertlos werden (Griechenland) und vieles andere mehr.
    Und was unterscheidet nun die eine Art von "Unwägbarkeiten" von der anderen Art von "Unwägbarkeiten"?
    Mir scheint, Sie sind eher derjenige, der die Funktionsweise von Derivaten nicht verstanden hat.

  • "Da wäre LH vielleicht froh, wenn es dann einen "bösen Zocker" gibt, der ihnen die Termin-Position am Ölmarkt abkauft."

    Warum sollte der Zocker das tun??? Öl kaufen, das er nicht braucht? Sorry, aber sehen Sie da einen Sinn drin?

    "Und zurück zum LV-Beispiel: Was ist, wenn durch ein Erdbeben, eine Epidemie oder was auch immer die statistischen Gesetzmäßigkeiten plötzlich nicht mehr gelten? War dann die Versicherung plötzlich doch ein "Zocker"?"
    Sie gehen von extremen Unwägbarkeiten aus. Aber selbst dann: In der Folge steigen die Prämien, siehe KFZ-Versicherungen. Was also hat das mit derivativen Geschäften von Investmentbanken zu tun, hinter denen kein Grundgeschäft steht.
    Sie haben irgendwie das Problem der unregulierten Derivatemärkte nicht verstanden...

  • @Hardie: Ihr Beispiel läßt sich schön weiterführen: Nun stellt LH nach drei Monaten fest, daß die Nachfrage nach Tickets sich nicht so entwickelt, wie ursprünglich angenommen (Konjunktur, SARS, 9/11, Gründe gibt es viele). Da wäre LH vielleicht froh, wenn es dann einen "bösen Zocker" gibt, der ihnen die Termin-Position am Ölmarkt abkauft.
    Und zurück zum LV-Beispiel: Was ist, wenn durch ein Erdbeben, eine Epidemie oder was auch immer die statistischen Gesetzmäßigkeiten plötzlich nicht mehr gelten? War dann die Versicherung plötzlich doch ein "Zocker"?

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