Bankenmisere
Bittere Pillen für den irischen Patienten

Mit einem harten Sparkurs will Irlands Regierung die Krise bewältigen. Und zahlen sollen alle, vom Renter bis hin zum Immobilienbesitzer. An den Finanzmärkten aber wächst die Skepsis, und auch Experten bemängeln die Pläne.
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DUBLIN/DÜSSELDORF. Am Ende versucht es der irische Ministerpräsident Brian Cowen mit Pathos. Es ist kurz nach zwei Uhr Ortszeit, vor dem Regierungschef drängen sich Reporter, über dem Regierungssitz ziehen schwarze Wolken, als Cowen zu seinen Landsleuten spricht: "Wir tun das alles, um unseren Bürger Sicherheit zurückzugeben - und Hoffnung zu schenken."

In Wirklichkeit stellt das, was Cowen und sein Finanzminister Brian Lenihan in den Minuten zuvor erklärt haben, alles auf den Kopf, an das die Iren in den vergangenen Jahren geglaubt haben. Niedrige Steuern, hohe Löhne, ein starker Finanzsektor? Alles beerdigt. Um 15 Milliarden Euro will die Regierung in den nächsten vier Jahren ihren Haushalt entlasten, um das Land vor dem Ruin zu retten.

Alle müssen zahlen: Rentner, Arbeitnehmer, Kinder, Sozialhilfeempfänger und Immobilienbesitzer. So will die Regierung bei Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds gute Stimmung dafür machen, der Insel-Republik mit 85 Milliarden Euro an Notkrediten zu helfen. "Diese Selbstverpflichtung wird Vertrauen zu Hause und im Ausland schaffen", sagte Finanzminister Lenihan. Er und Cowen haben die bittere Medizin noch nicht ganz verkündet, da signalisieren die Märkte: Sie glauben nicht an eine schnelle Heilung des irischen Patienten.

Die Rating-Agentur Standard & Poor?s stuft die Bonität irischer Staatsanleihen um zwei Stufen auf "A" ab. Die Risikoausgleichskosten für zehnjährige irische Staatsanleihen steigen daraufhin um 38 Basispunkte auf 9,03 Prozent, 614 Basispunkte mehr als für vergleichbare deutsche Papiere.

Nicht nur die Märkte reagieren skeptisch, auch in Irland wachsen die Vorbehalte. Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Conefrey vom Irischen Wirtschafts- und Sozialforschungsinstitut ESRI sagt: "Der Vierjahresplan wird das Wirtschaftswachstum dämpfen - und damit die Staatseinnahmen." Die Regierung rechnet mit einem jährlichen Wachstum von 2,7 Prozent in den nächsten Jahren. "Das wäre schon ohne Sparpaket schwierig geworden", sagt Conefrey.

Und sein Kollege Edgar Morgenroth meint: "Das Rettungspaket ist so angelegt, dass es kaum aufgehen wird." Er bemängelt, dass der Sparzwang die Konjunktur abwürge, damit die Staatseinnahmen schwäche und so Irland auf absehbare Zeit seine internationalen Schulden erst recht nicht zurückzahlen kann.

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