Bankenprüfung
Frankreich erwägt neue Stresstests

Die meisten europäischen Länder planen für ihre Banken keine neuerlichen Stresstests nach dem Vorbild der USA. Einzige Ausnahme ist Frankreich: "Wir reden gerade über einen solchen Test", verlautete aus französischen Regierungskreisen. Zwar hat auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück grundsätzlich keine Einwände gegen diese Art der Bankenprüfung, doch hält er dies zum aktuellen Zeitpunkt nicht für angebracht.

ZÜRICH. Die Überlegungen der Franzosen zu einem weiteren Stresstest befinden sich gemäß Verlautbarungen aus französischen Regierungskreisen aber noch in einem sehr frühen Stadium.Die übrigen Finanzaufseher verweisen darauf, dass im Zuge der Finanzkrise bereits mehrmals Härteprüfungen der Banken durchgeführt wurden. "Die Amerikaner reden darüber, wir machen das schon seit Jahren", sagte etwa Alain Bichsel, Sprecher der Schweizer Finanzaufsicht Finma.

Die USA versuchen mit ihren Stresstests herauszufinden, ob die angeschlagenen Banken auch in einem sich verschlechternden wirtschaftlichen Umfeld überlebensfähig wären. Wo das Kapitalpolster nicht dick genug ist, müssen die Banken nachbessern. Einige europäische Banken stecken in einer ähnlichen Zwangslage. Nach Milliardenabschreibungen ist die Kapitaldecke so dünn, dass weitere Schocks die Institute in Existenznöte bringen könnten. Ins Spiel gebracht hatte die Stresstests für europäische Banken der finnische Finanzminister Jyrki Katainen. Er musste sich nach seinem Vorschlag allerdings "Scheinheiligkeit" vorwerfen lassen. Hat Katainen doch weder bei der finnisch-schwedischen Bank Nordea noch bei den finnischen Instituten Sampo und Ålandsbanken etwas in dieser Hinsicht unternommen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat grundsätzlich keine Einwände gegen Stresstests. Im Finanzministerium hieß es jedoch, dass "derzeit nicht der richtige Zeitpunkt" für eine solche Bankenanalyse sei. "Ein Stresstest für Banken ist erst sinnvoll, wenn das akute Krisenmanagement abgeschlossen ist", hieß es im Finanzministerium. Dazu gehöre nach Ansicht des Finanzministers beispielsweise die Umsetzung eines Bad-Bank-Modells zur Auslagerung von Risiko-Wertpapieren aus den Bankbilanzen. Steinbrück beabsichtige daher nicht, die Einführung von Stresstests beim nächsten Treffen der EU-Finanzminister voranzutreiben.

Auch das britische Finanzministerium hat derzeit keine Pläne für systematische Stresstests. Man habe bereits im vergangenen Oktober alle Banken systematisch durchleuchtet, hieß es in London. Außerdem wurden alle Institute, die eine staatliche Ausfallversicherung für faule Kredite in Anspruch genommen haben, in diesem Frühjahr noch einmal gründlich durchgecheckt. In Anspruch genommen haben die Hilfen die beiden inzwischen quasi verstaatlichten Großbanken RBS und Lloyds Banking Group. Barclays wurde von der Finanzaufsicht nach einem sorgfältigen Stresstest attestiert, dass die Bank auch eine Verschärfung der Krise ohne zusätzliches Kapital überstehen würde. Außen vor blieb HSBC. Die Bank hat gerade ihre Bilanz mit einer Kapitalerhöhung von 12,5 Mrd. Pfund gestärkt.

Die Schweizer Finanzaufseher fühlen sich ihrer Zeit voraus. "Wir haben unsere Stresstests im Lichte der Finanzkrise laufend verschärft", sagte Finma-Sprecher Bichsel. Er wies darauf hin, dass die strengeren Kapitalvorschriften und Verschuldungsgrade für Schweizer Banken ein Ergebnis der regelmäßigen Härteprüfungen seien. In Stockholm hat die Finanzaufsicht (FI) im Oktober 2008 die großen Banken des Landes einem Stresstest unterzogen. Damals konstatierte die FI, dass selbst bei einer harten Landung im Baltikum die Stabilität der Institute gesichert sei. Seitdem hat sich die Lage aber weiter verschlechtert. Bislang hat es keinen neuen Stresstest gegeben. Ähnlich sieht es auch in Kopenhagen und Oslo aus, wo die Zentralbanken im vergangenen Winter die Großbanken unter die Lupe genommen hatten.

tor/ali/hst/saf/mm



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